Thailand – 3. Bericht von Louisa

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Das neue Jahr hat mir auch erstmal eine neue Familie gebracht. Ich hatte mich zuerst sehr drauf gefreut zu wechseln und war gespannt auf meine neue Familie, die sich auch als ziemlich nett herausstellte, allerdings war das Haus in dem wir wohnten sehr sehr aermlich. Eigentlich war es eher eine Holzhuette als ein Haus, ueberall stand Zeug in der Gegend rum, so dass in den ohnehin schon kleinen Zimmern kaum mehr Platz zum Laufen war, wir hatten keinen Tisch und haben auf dem Boden gegessen, im Bad gab es kein Waschbecken, usw… Auch das kleine Zimmer in dem ich geschlafen habe musste ich mir mit meiner Gastschwester teilen; ich hatte also kaum Platz fuer mich allein.

Am Anfang habe ich mir gesagt, dass ich Thailand nicht mehr erwarten kann und habe versucht mich an die ungewohnten Umstaende zu gewoehnen, was mir nach einigen Wochen auch gelungen ist, spaeter allerdings ist mir klar geweorden, dass ich den Rest meines Jahres nicht, wie es eignetlich vorgesehen war, in dieser Familie verbringen moechte. Deshalb haben meine Eltern und ich um erneuten Familienwechsel gebeten, der jetzt vor einer Woche auch zustande gekommen ist, aber dazu spaeter…

Meine zweite Familie jedenfalls bestand aus drei Personen: mein Gastvater, der als Sportlehrer arbeitet, sowie Thaiboxen und Aerobic unterrichtet, meine Gastmutter, die ebenfalls Sportlehrerin ist und eine Tanzschule organisiert, und meine 16-jaehrige Gastschwester Ice, die auch auf meine Schule geht. Eigentlich bin ich recht gut mit allen klargekommenm allerdings habe ich mich nie richtig als Familienmitglied gefuehlt. Mit ihnen habe ich vier Monate meines Austauschs verbracht und es war trotz allem eine gute Zeit.

Im Januar hatte ich ja Geburtstag, der leider in eine fuer mich etwas schwerere Zeit fiel, weswegen ich auch erst zwei Monate spaeter von meinen Freunden ein Ueberaschungsparty bekommen habe. Meine Schulklasse hat mich aber mit einem Kuchen ueberrascht und Freya, meine beste Freundin ist mich in meiner Stadt besuchen gekommen, so dass ich alles in allem doch einen schoenen Tag hatte.

Wenig spaeter sind mich meine Eltern fuer zwei Wochen besuchen gekommen. Das war ein richtig tolles Ereignis; ich konnte meinen Eltern das Land zeigen, das eine zweite Heimat fuer mich geworden ist, konnte ihnen verstaendlich machen, wie ich mein Auslandsjahr verbracht habe und sie ein Stueck teilhaben lassen, an den Sachen die ich gelernt habe und die mich hier gepraegt haben.

Also bin ich nach Bangkok (was in Thai eigentlich nicht Bangkok, sondern “Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Yuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit” heisst, wobei man sich aber zum Glueck normalerweise auf Krung Thep beschraenkt… ; ) ) gefahren um meine Eltern vom Flughafen abzuholen, was allerdings nicht ganz so geklappt hat wie ich mir das vorgestellt hatte, weil ich mit dem Taxi in dem unglaublichen Verkehr Bangkoks steckengeblieben bin. Obwohl das ganze Strassensystem schon zwei- bis dreistoeckig aufgebaut ist, sind an manchen Tagen die gesamten Strassen mit Autos verstopft und man kommt ueberhaupt nicht vorwaerts. Trotzdem haben wir uns schliesslich gefunden und es war sehr schoen meine Eltern nach so langer Zeit wiederzusehen. Die naechsten zwei Tage haben wir uns dann Bangkok angeschaut, viele Tempel gesehen und meine Eltern konnten einige Gerichte der thailandischen Kueche ausprobieren (Leider konnte ich sie nicht dazu bringen die gegrillten Insekten zu kosten… ; ) ). Das Essen ist sowieso total wichtig fuer die Thais. Anstatt “wie gehts” oder “was machst du so” fragen Thais oft “kin kao lueyang” was soviel heisst wie “hast du schon gegessen”…

Jedenfalls sind wir danach nach Maha Sarakham gefahren und haben eine schoene Zeit mit meiner ersten Gastfamilie verbracht (meine zweite war leider nicht da) und meine Thaifreunde getroffen. Dann haben wir die anderen Austauschschueler in Khon Kaen besucht und sind anschliessend gemeinsam mit Freya nach Chiang Mai gefahren. Dort haben wir nicht uns nicht nur die Stadt angeschaut sondern sind auch Elefantenreiten gegangen und in die Berge gefahren um ein Dorf eines Bergstammes zu besuchen. Sehr viele solche Doerfer sind total touristisiert und erinnern schon fast an Zoos , aber das Dorf in das wir gefahren sind war ganz einsam und wir waren die einzigen Auslaender dort und es war richtig interessant zu sehen, wie einfach diese Menschen leben. Dann sind wir ueber die Ruinenstadt Sukhothai in den Sueden gefahren um fuer die restlichen Tage auf Ko Tao die thailaendische Sonne zu geniessen.

Die zwei Wochen mit meinen Eltern sind viel zu schnell vorbeigegangen und ich musste sie wieder zum Flughafen bringen. Der Abschied war traurig, aber die Zeit mit ihnen war sehr schoen und ich glaube ich konnten ihnen einen guten Einblick in mein Leben hier in Thailand geben.

Im Maerz habe ich einige Zeit in meiner Nachbarstadt Khon Kaen mit den anderen Austauschschuelern verbracht. Dabei bin ich eher zufaellig in etwas Tolles hineingerutscht: Der Rotaryclub Khon Kaen wollte auf der grossen Distriktskonferenz mit den Austauschschuelern ein Thaitanzprogramm auffuehren und da ich auch gerade in der Stadt war, bin ich mit in den Unterricht aufgenommen worden. Wir mussten jeden Tag trainieren um die doch etwas fremdartige Art des Tanzens richtig zu lernen, was schon ziemlich anstrengend war aber auch richtig Spass gemacht hat. Auf der Distriktskonferenz, zu der jeder Rotaryclub des grossen nordoestlichen Distrikts gekommen ist, haben wir das Ganze dann vorgefuehrt und es hat auch alles echt gut geklappt. Vorher wurden wir natuerlich noch in traditonelle Kostueme gesteckt und den halben Tag geschminkt und frisiert. Naja, alles ziemlich aufwendig fuer 10 Minuten Tanzen… ; )

Danach habe ich von meiner Counsellorin das Angebot bekommen in Bangkok in zwei English Camps zu unterrichten (Ich selber habe naehmlich gerade keine Schule dank der dreimonatigen Sommerferien hier in Thailand…) was ich natuerlich sofort angenommen habe. Also konnte ich zwei jeweils dreitaegige Camps mitmachen. Dabei musste ich die meiste Zeit einfach nur die Kinder unterhalten und Spiele mit ihnen spielen, aber auch drei Unterrichtsstunden auf Englisch halten, was eine wirklich tolle Erfahrung war. Ich hatte unglaublich viel Spass mit den Kindern, die richtig gut Englisch gesprochen haben, und wenn ich die Moeglichkeit dazu bekomme, will ich unbedingt nochein Camp mitmachen.

Ende Maerz hatten wir unsere dritte Rotarytour. Alle 37 Austauschschueler unseres Distrikts sind fuer zehn Tage in den Sueden Thailands gefahren. Zuerst nach Krabi, einem der schoensten Straende ueberhaupt. Dort sieht es in Wirklichkeit so aus, wie man es immer auf Fotos in Reiseprospekten sieht: strahlend blaues Meer, weisser Sand und hoch aufragende Inselklippen direkt vor der Kueste. Unglaublich schoen.

Anschliessend haben wir zwei Tage auf einer Insel verbracht auf der nur 200 Personen erlaubt waren, so dass wir so ziemlich die ganze Insel fuer uns hatten, was eine willkommen Abwechslung nach dem touristischen Krabi war. Wir hatten ein Boot mit dem wir den ganzen Tag zu verschiedenen Inseln gefahren sind um zu schnorcheln (wir haben Korallen, Wasserschildkroeten und unzaehlige Fische gesehen) und zu schwimmen. Danach sind wir noch nach Phuket gefahren, die touristischste Insel Thailands, und haben dort zwei Tage verbracht. Alles in allem hatten wir total viel Spass, wir Austauschschueler verstehn uns alle einfach super und ich habe hier Freunde gefunden, die ich mein Leben lang behalten werde. Eigentlich sollte diese Tour unsere letzte sein, aber weil unser Distriktchairman uns alle so gerne hat, hat er noch eine vierte Tour im Mai organisiert, so dass wir uns alle nochmal wiedersehen koennen.

Im April findet das Thai-Neujahrsfest statt, Songkran, was ich hiermit offiziell zu meinem absoluten Lieblingsfest ueberhaupt erklaere. ; ) Drei Tage lang sind alle Leute auf der Strasse um sich gegenseitig mit Wasser zu bespritzen und bespritzt zu werden. Und zwar nicht nur so ein bisschen, sondern kuebelweise und mit Wasserschlauechen. In Khon Kaen macht man es ausserdem so, dass jeder, der die Moeglichkeit hat, sich mit seinen Freunden hinten auf einen Pick-Up-Truck stellt, zwei grosse Wasserfaesser auflaedt und dann durch die Stadt faehrt um andere Trucks zu bespritzen. Das ganze macht unglaublich viel Spass, auch wenn man nach ca. 15 Sekunden auf der Strasse bereits total durchnaesst ist; in der HItze die im April hier herrschtr ist das sowieso angenehm.

Nach Songkran bin ich noch ein bisschen in Khon Kaen geblieben. Freyas Gastfamilie hat noch ein zweites Haus ausserhalb der Stadt, mit einem Swimmingpool und einer riesigen Kinoleinwand, wo wir oft hinfahren um schwimmen zu gehen oder einfach nur abzuhaengen. Wir sind meistens zu sechst, die vier Rotary-Austauschschueler aus Khon kaen, Megan, eine AFS-Austauschschuelerin aus den USA und ich. Wir verstehen uns total gut und ich bin echt froh, dass ich sie oft in Khon Kaen besuchen kann, da ich ja die einzige Austauschsscvhuelerin in Maha Sarakham bin und meine Thaifreunde die meiste Zeit fuer die Universitaet lernen muessen…

Vor einer Woche habe ich nun in meine letzte Gastfamilie gewechselt, die mich sehr warm aufgenommen hat. Ich denke, dass ist die Gastfamilie die ich mir immer gewuenscht habe, sie behandeln mich wie ein vollwertiges Mitglied der Familie und ich bin sehr gluecklich hier. Meine Gasteltern sind schon um die 60 und besitzen eine Grundschule, neben der wir auch direkt wohnen. Es ist also immer was los, es sind staendig Leute da und vore allem viele kleine Kinder, die immer ganz aufgeregt sind, wenn sic mich sehen, weil ich ja “falang” also Auslaenderin bin. Ich habe zwei Gastschwestern, P’ Ging und P’ Goy die 27 und 24 Jahre alt sind und auch in der Grundschule arbeiten. Ausserdem wohnt noch die Tochter eines Onkels mit in der Familie, P’ Ming, sie ist 18. Ich verstehe mich echt super mit meinen Schwestern und wir unternehmen einiges zusammen. Mir gehts es also richtig gut in meiner neuen Familie und ich bin froh dass ich den Rest meines Jahres mit ihr verbringen darf.

Mir bleiben jetzt nur noch zweieinhalb Monate in Thailand und obwohl ich mich einerseits auf meine Familie und meine Freunde und einfach auf Deutschland freue, will ich doch gerne laenger in Thailand bleiben. Dieses Land ist mir wikrlich zu einer zweiten Heimat geworden und ich moechte mich bei Ihnen, lieber Rotaryclub Kamenz, noch einmal herzlich bedanken, dass Sie mir dieses Jahr moeglich gemacht haben.

 

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