Argentinien – 1. Bericht von Birgit

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Liebe Rotarierinnen und Rotarier!

Wie soll ich nun meine ersten Wochen hier in Argentinien beschreiben? Ich fange am besten bei der Landschaft an, denn das war das Erste, in das ich mich hier verliebt habe. Meine Stadt San Carlos de Bariloche hat ca. 200 000 Einwohner, die genaue Zahl konnte mir noch keiner sagen, denn jedes Jahr ziehen viele Menschen her. Sie liegt direkt an dem 560 qkm großen See „Nahuel Huapi“ (zum Vergleich: der Bodensee ist 530 qkm groß). Drumherum sind viele große Berge – im Moment noch schneebedeckt, denn wir haben ja Winter! Langsam wird es aber immer wärmer, der Frühling kommt.

Meine erste Gastfamilie Ghiglia ist sehr nett. Meine Mutter ist Rotarierin und auch meine dritte Mutter wird eine Frau aus dem Rotary Club Bariloche sein, denn ich bin hier die einzige Austauschschülerin und es ist auch nur ein Mädchen von hier im Austauschprogramm. In meiner ersten Familie habe ich drei Gastgeschwister: Santiago (21) kenne ich noch nicht so gut, weil er die ersten zwei Wochen, die ich hier war, im Urlaub war; Julieta (19), mit der ich viel unternehme und deren Freunde ich auch schon kennengelernt habe; und dann noch Mateo (12). Er hat Trisomie 21, das gestaltet das Leben in der Familie etwas anders. Meistens ist er sehr lieb und anhänglich, manchmal hat er aber auch seine Phasen, wo er ausrastet. Ich versuche mir oft die Zeit zu nehmen, um mit ihm Karten oder so eine Art „Mensch ärgere dich nicht“ zu spielen, denn sonst sitzt er die ganze Zeit vorm Fernseher oder Computer. Ich finde es aber erstaunlich, dass er trotz seiner Behinderung auf eine normale Schule in die 4. Klasse geht, seinem Alter nach müsste er aber bereits in der 7. Klasse sein.
Ich bin hier in Bariloche auf einer deutschen Schule, der Unterricht ist aber in spanisch. Wir haben sechs Stunden in der Woche deutsch, in denen ich den Schülern helfe oder Spanischunterricht habe. Die Schüler sind alle sehr nett und gehen auf mich zu. Ein paar Freunde habe ich schon gefunden, am 15. September war ich bei einer Klassenkameradin zum Geburtstag eingeladen. Es hilft sehr, dass ich mich mit allen mehr oder weniger auf deutsch verständigen kann. Gerade dadurch kann ich mein Spanisch von Tag zu Tag verbessern.

Es gibt sehr viele Sachen, die mich hier verwundert haben in den ersten Wochen:
Gleich den ersten Tag nach meiner Ankunft waren wir in der Kirche. Es hat mir gut gefallen, dass so lebhafte Lieder gesungen wurden, aber komisch fand ich, dass man hier völlig fremde Menschen als „Zeichen des Friedens“ umarmt und ein Küsschen auf die Wange gibt, wo wir in Deutschland uns gerade einmal die Hand geben. Auch in der Schule werden die Schuldirektorin und die Lehrer umarmt und mit Vornamen angesprochen. Im Unterricht passen nur sehr wenige auf und es geht sehr schleppend voran. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass wir hier Sachen behandeln, die ich in Deutschland schon vor 2-3 Jahren hatte.

Was mir bis jetzt am besten gefallen hat, ist, dass ich hier die Möglichkeit hatte Snowboard fahren zu lernen. Das war schon immer ein Wunsch von mir, den ich mir hier im Skigebiet natürlich gut erfüllen konnte. Mein Counselor hat mir geholfen, Wintersport zu treiben, man kann einfach spontan entscheiden am Wochenende auf den Berg zu fahren, es sind nur 20-30 Minuten.

Bei meinem Gastgeberclub war ich schon zweimal zum Meeting. Beim ersten Mal haben wir gleich im Sinne Rotarys Wimpel ausgetauscht und dann wurden viele Themen besprochen. Es gab ein riesengroßes Steak – das beste, was ich bis jetzt je gegessen habe. Auch beim zweiten Meeting, zu dem ich mit meiner Mutter mitgegangen war, gab es Steak. An diesem Abend habe ich einen Vortrag über Deutschland, Sachsen, Kamenz und mein Leben dort gehalten.
Besonders gut an meinem Club hier gefällt mir, dass mein Counselor sich so rührend um mich kümmert. Sie kommt oft vorbei oder ruft an, um mich auf einen Tee abzuholen und um zu sehen, wie es um meine Spanischkenntnisse steht. Mit ihr war ich auch den ersten Tag in der Schule. Sie ist eine sehr herzliche Person und schon ein wichtiger Teil in meinem Leben hier geworden.

Inzwischen fahre ich mit dem Bus in die Schule, das ist hier sehr günstig. Ich habe eine Karte für vier Euro gekauft. Diese kann ich nun immer wieder aufladen und dann bezahle ich nur mickrige zwölf Cent pro Busfahrt.
Eine weitere interessante Sache ist hier, dass es in den Tankstellen Angestellte gibt, die die gewünschte Literanzahl in das Auto tanken. Sie nehmen auch die Kreditkarte und gehen damit bezahlen, man braucht also nicht aussteigen. Im Allgemeinen bewegen die Argentinier sich nur wenig, sie fahren am liebsten die kleinsten Wege mit dem Auto. Es verwundert mich, dass alle trotzdem so schlank sind, da wir ja auch zweimal am Tag warm essen und das letzte Mal erst um 9 oder um 10 abends. Ich stelle aber fest, dass ich mir langsam mal einen Sport suchen sollte, denn das viele Essen setzt an, wenn man es nicht gewohnt ist.

Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen, dass es mir sehr gut gefällt, ich viel Spaß habe und glaube, die richtige Entscheidung mit dem Austauschjahr getroffen zu haben.

Ich möchte mich vielmals für die großzügige Unterstützung bedanken und sende liebe Wintergrüße in die Heimat!

Muchos saludos,

Birgit Heiduschke

 

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