Mexiko – 1. Bericht von Franziskus

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Liebe Rotarier,

Ich bin jetzt seit eineinhalb Monaten in Mexiko und es ist Zeit fuer den ersten Quartalsbericht. Am 04.08. ging es fuer mich am Flughafen Dresden los. Nachdem ich mich von meiner Familie verabschiedet hatte, bin ich zuerst nach Frankfurt geflogen, wo ich die anderen knapp 50 Austauschschueler aus Deutschland traf, die mit mir nach Mexiko City geflogen sind. Nach 12 Stunden Flug, vielen Gespraechen mit den anderen Austauschschuelern und einer kurzen Nacht in Mexiko City ging es fuer mich am naechsten Tag um 6 in die Stadt, in der ich ein Jahr leben werde: Tepic. Die Stadt hat rund 300 000 Einwohner, liegt an einem Vulkan und ist ca. 50 Kilometer vom Pazifik entfernt. Da mein Flieger eine Stunde Verspaetung hatte, entstand die wohl schlimmste Situation, die ich mir im Vorhinein vorgestellt hatte: Ich stand am Flughafen in Tepic mit Blazer und Koffer und niemand war da.

Allerdings kam nach 15 Minuten ein Auto mit meinen Gasteltern und 2 Rotariern, die mich super nett empfangen und begruesst haben. Dann ging es nach Hause und nach den First Night Questions, dem Verteilen der Gastgeschenke und der Besichtigung meines Zimmer gab es fuer mich das erste Mexikanische Essen, welches aus Tacos (runde Teigscheiben gefuellt mit Fleisch, Kaese, Chilli, Salsa (Dip)) und einer Limone bestand. Dazu gab es Guayaba-Saft, den ich aufgrund des Chilis auch benoetigte. Ueberhaupt ist das Essen hier sehr lecker, auch wenn ich die ersten Wochen mit Bauchschmerzen und Durchfall kaempfen musste. Besonders das Mittagessen (Comida) ist fuer unsere Familie sehr wichtig und ist immer warm. Da mein Gastvati Arzt und stellvertretender Governor meines Rotary-Distriktes ist, ist es meist die einzige Mahlzeit, die wir als gesamte Familie zusammen verbringen. Zu meiner Familie gehoeren mein Vater Pepe, meine Mutter Illiana- Sie hat ein Unternehmen, welches Medikamente herstellt- und mein Gastbruder Diego, welcher 13 Jahre alt ist und mit dem ich mich super verstehe. Weiterhin habe ich eine Gastschwester, Muñe, die in Deutschland in der Naehe von Hannover ihr Austauschjahr verbringt und 2 Gastbrueder: Daniel, welcher in Mexiko City studiert und Pepe jr., der in Mexiko City in einem Krankenhaus fuer Krebskranke arbeitet. Vormittags arbeiten in unserem Haus 2 Muchachas (Hilfskraefte). Sie waschen die Waesche, putzen, raeumen auf und bereiten das Essen. Nachdem ich die ersten 2 Wochen Ferien hatte, in denen ich mich eingelebt habe, ich beim Fussball in Guadalajara (6 Mio. Einwohner) und oftmals im Kino war, begann am 23. August mein Studium.

Ich studiere mit Mallourie (Frankreich), der zweiten Austauschschuelerin in meinem Club, die inzwischen zu einer sehr guten Freundin geworden ist, Franziska (Oesterreich), einer Austauschschuelerin aus einem anderen Club in Tepic, und ca. 25 anderen Compañeros (Kameraden/Mitstudenten) Tourismus. So entstand am ersten Tag die Situation, dass ich mit Franziska Deutsch, mit Mallourie Englisch und mit meinen Compañeros Spanisch geredet habe, was ich jedoch nach wenigen Minuten aufgegeben und mich auf Spanisch und Englisch beschraenkt habe. Dieses Studium belege ich, da es mir die Moeglichkeit gibt, viel ueber meinen Bundesstaat Nayarit und Mexiko zu erfahren und gleichzeitig viel zu reisen. Ich hatte schon 3 Ausfluege, in Kleinstaedte, an Straende, auf eine Insel und an einen Wasserfall. Ich habe auch schon viele Freunde gefunden, die mit mir Fussball spielen und mir helfen, mein Spanisch taeglich zu verbessern.

Als ich am ersten Tag in Mexiko ankam, konnte ich bis auf ein paar Grussformeln, die Zahlen bis 20 und die Monate kein Spanisch. Inzwischen kann ich, wenn man mit mir langsam redet, sehr gut verstehen und mich auch einigermassen, wenn auch mit Fehlern, ausdruecken. Nur in den Schulstunden faellt es mir noch sehr schwer, Zusammenhaenge zu verstehen und ich kann meist nur einzelne Woerter rausfiltern, da die Maestros(as) (Lehrer) sehr schnell und nahezu unaufhoerlich reden. Seit 2 Wochen habe ich jetzt einen Spanisch-Kurs mit den anderen 8 Austauschschuelern in meiner Stadt. In der ersten Stunde haben wir ein Examen geschrieben, um unser Spanisch-Level zu bestimmen und ich wurde als Avonzado (Fortgeschrittener) eingestuft, worauf ich und meine Familie wirklich stolz waren. Beim Spanischlernen gab es in den letzten Wochen auch lustige Situationen, z.B brauchte ich relativ lange, bis ich verstand, dass Vamos (wir gehen) esperar (warten) , „wir Warten“ bedeutet.

Es gibt viele Unterschiede zum Leben in Deutschland: Man begruesst und verabschiedet sich mit Frauen mit einem Kuesschen auf die Wange und mit Maennern mit einer Umarmung oder Handschlag. Meist sind alle 3 Mahlzeiten am Tag warm und 2-3 Stunden spaeter als in Deutschland. Mein Wecker fruehs sind Autos, auf denen Megaphone angebracht sind und die durch die Stadt fahren und lautstark fuer Gas werben, da hier alle mit Gas kochen. Die Strassen haben oftmals Schlagloecher und an Kreuzungen gilt nicht rechts vor links, sondern „Uno y Uno“, d.h. wenn ein Auto von rechts gefahren ist, darf eines von links fahren. Die Grossfamilie hat in Mexico eine viel groessere Bedeutung. Mindestens einmal in der Woche treffen wir uns mit der ganzen Familie (Opa und Oma, Tanten und Onkels, Cousins und Cousinen) zum Essen oder einfach zum Austauschen von Neuigkeiten. Ausserdem ist die Musik ein Lebensmittelpunkt fuer Mexikaner. Das Spektrum reicht von Mariachi-Gruppe (spielen auf Feiern oder um seine Geliebte von sich zu ueberzeugen) ueber sehr schnelle Banda-Musik bis zur Modernen Europaeischen- und Diskomusik. Ausserdem sind Mexikaner sehr unpuenktlich. Wenn mich mein Gastvati zur Schule oder zum Spanisch-Kurs bringt, komme ich 10-15 Minuten zu spaet und selbst zu den Rotary-Club-Treffen geht er eine halbe Stunde spaeter.

Ich hatte schon 2 Rotary-Meetings. Beim ersten habe ich all meine Unterlagen abgegeben und beim zweiten habe ich mich meinem Club vorgestellt. Ich habe einen sehr netten Club-Praesidenten, bei dem ich zwischen zwei Schulausfluegen schon uebernachtet habe und einen sehr freundlichen Counselor, der vorletztes Wochenende auch beim ersten Treffen aller Austauschschueler meines Distriktes dabei war. Das Wochenende war sehr lustig und ich kann behaupten, dass ich jetzt Freunde aus aller Welt habe (z.B. USA, Brasilien und Thailand). Mein Club hat jeden Monat ein Treffen, bei dem auch die Austauschschueler dabei sind.    

Jetzt bleibt mir noch zu sagen, dass ich es bis jetzt zu keinem Zeitpunkt bereut habe, mich fuer dieses Jahr entschieden zu haben und ich moechte mich recht herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir diese Erfahrungen ermoeglicht haben.

Saludos de Mexico de Franziskus Buecher

 

 

Bild 1: Die Ueberraschung in meinem Zimmer

Bild 2
: Meine Grossfamilie zu meinem Geburtstag( v.l.): Mein Gastvati Pepe, mein Gastopa, meine Cousine Bertita, meine Tante Bertha, Ich mit meinem Gebutstagsgeschenk (Mexiko-Trikot), meine Gastmutti Illiana und mein Gastbruder Diego.

Bild 3:
Mein Club (v.l.): mein Counselor Francisco, ehemaliger Counselor Enrique, Ich, mein Club-President Enrique, mein Gastvati

Bild 4: Meine Studentenklasse: ganz rechts: Mallourie, ganz links oben: Franziska, in der Mitte unten: Mein Maestro im Fach „Investigacion de Tourismo“

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