Taiwan – 1. Bericht von Michaela

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Drei Wochen lang habe ich nun jeden Tag den Taipei 101 sehen dürfen – und mir ist immernoch nicht klar, dass ich meinen Traum wirklich lebe. Austauschschülerin in Taiwan. Wow, endlich geschafft!

 

Ich kann auch nicht fassen, wie viel Glück ich mit ALLEM habe. In Deutschland hatte ich Glück, dass ich meine Länderwahl nochmal machen sollte – ich weiß jetzt, dass kein anderes Land besser für mein Auslandsjahr passt als Taiwan. Alle Vorbereitungen waren so einfach – die Visumsbeantragung, meine Gastfamilie hat mir schon im Mai geschrieben, die Guaranteeform habe ich rechtzeitig erhalten, sodass mir genug Zeit blieb um mich um alles zu kümmern. In Taiwan angekommen wurde ich liebevoll von meinen ersten beiden Gastfamilien und meinem Counselor empfangen – und auch mit ihnen habe ich sehr viel Glück. Sie sorgen sich um mich wie ein richtiges Familienmitglied, sind immer für mich da und unternehmen viel mit mir, lassen mir aber auch den nötigen Freiraum, sie gehen mit mir alle Wege, Busnummern und MRT Stationen mehrfach durch damit ich mich nicht in der großen Hauptstadt verlaufe, sie bringen mir viel Chinesisch bei und geben mir jeden Tag unterschiedliche Speisen damit ich möglichst viel davon kennenlerne.

Apropos Essen: ich frage mich ernsthaft wie die Taiwaner es schaffen so dünn bei soooooo viel leckerem Essen zu sein!?! Es ist wirklich unglaublich. Mir kommt es vor als ob ich jetzt schon 5 Kilo zugenommen habe (was ich leider nicht nachprüfen kann da mir eine Waage fehlt…vielleicht möchte ich es aber auch garnicht so genau wissen). In meiner Gastfamilie gibt es Frühstueck, einen Snack in der Schule, Mittagessen in der Schule (was ich nicht esse), einen Snack nach der Schule (den ich zum Glück nichtmehr essen muss, da ich Club habe), Abendessen und einen Nachtsnack (den ich auch nicht esse). Achja, sollte man noch nach dem Abendbrot auf den Nachtmarkt gehen gibt es dort natürlich auch noch eine ganze Menge. Die Vielfalt ist riesig, und ich habe noch nichts gefunden was mir nicht schmeckt. Ich habe sehr viel neues ausprobiert, Dinge die ich früher nie angerührt hätte (nein, in Taiwan isst man KEINE Hunde…nur Schlangen,  Shrimpeier, Schweinsdarm, Stinky Tofu…). Eins weiß ich schon jetzt – wenn ich zurück nach Deutschland komme werde ich drei Dinge vermissen: Pearl Milk Tea, Dumplings und das beste Riesenmangofrüchteeis der Welt – darauf Wette ich!! Homesick? Noch keine Spur, dafür bleibt mir auch keine Zeit. Ich bin von 7.40 bis 18.00 in der Schule, da ich nach Unterrichtsschluss um 16.10 noch HipHop Dance Club habe, jeden Tag, sogar Sonntags. Montags und Donnerstags haben alle Austauschschüler in meinem Distrikt Chinesischschule. Am Wochenende unternehme ich etwas mit der Familie, den Freunden oder Rotary, da alle Austauschschüler 1x monatlich Culture Class haben, wo wir typisch taiwanische Dinge unternehmen – zum Waterpark gehen, Biken, Karate und Taichi üben,  Teaparties machen…..das Programm ist voll, wobei wir wieder beim Thema Glück wären. Rotary kümmert sich einfach super um uns. Selbst unser Stundenplan wurde mit von unserem Rotaryclub zusammengestellt, sodass wir auch  hier Chinesischunterricht und Culture Class haben. In unserer (riesengroßen, rosanen) Senior High School (mit Uniformpflicht für 2300 Schüler) gibt es 6 Lehrer die nur für noch eine Amerikanerin und mich zuständig sind. Schon nur für Culture Class haben wir zwei drei Lehrer, das finden wir besonders lustig. Sie kümmern sich alle sehr liebevoll um uns und sorgen dafür, dass es uns an nichts fehlt, was uns manchmal sogar ein bisschen peinlich ist. Wobei wir schonwieder bei meinem Glück wären: meine Klassenlehrerin hatte schon letztes Jahr einen Deutschen Austauschschüler, und anscheinend hat er einen sehr guten Eindruck hinterlassen, sodass meine Lehrerin besonders deutsche Austauschschüler mag.

Das Schulsystem finde ich etwas eigenartig. Erstmal der Ablauf: erst Kindergarten, dann 6Jahre Elementary School, 3 Jahre Junior High School, 3 Jahre Senior High School und zum Schluss Universität. Ich bin jetzt in einer Klasse die ihr erstes Jahr als Freshman in der Senior High verbringt, somit ist für sie alles genauso neu wie für mich. Was ich unglaublich finde: sie haben unmengen an Büchern!! Und meist müssen sie den Inhalt zu einigen Themen auswendig lernen. Als mir dann das Buch für Sport gezeigt wurde ist mir dann endgültig die Kinnlade heruntergefallen, der Sportlehrer wusste garnicht was mit mir loswar =D Die Schüler stehen sehr unter Druck. Sie schreiben in fast jeder Stunde einen Test (wobei nur die Prüfung am Ende der Junior und Senior High wichtig sind). Die Unterrichtsstunden verlaufen auch anders als in Deutschland – der Lehrer steht mit Micro vorn, manchmal noch mit Powerpointpräsentation, und redet auf die Schüler ein. Wen ich allerdings noch erwähnen muss: meinen Mathelehrer, der unterrichtet ganz cool mit Sonnenbrille. Die Schüler stellen kaum fragen und müssen auch fast nie welche beantworten, sie schreiben nur in ihren Heften (es gibt keine Hefter) mit und machen Aufgaben. Was ich bi jetzt so mitbekommen habe ist, dass die Tests meist nicht so gut ausfallen. Ich glaube es liegt daran, dass sie sehr viel auf einmal lernen müssen, die Lehrer springen auch häufig in den Themen herum habe ich das Gefühl. Die Pausen sind für mich immer sehr lustig. Sobald ich mich aus dem Klassenzimmer bewege, starren mich alle an. Verständlich wenn man das einzige Mädchen der ganzen Schule mit blonden Haaren und blauen Augen ist. Jedoch trauen sich die meisten nicht uns Austauschschüler anzusprechen – sie denken ihr Englisch wäre zu schlecht. Manche sind aber auch einfach nur schüchtern. Eine Sache für die ich Schule liebe: Naptime: man hat 30min nach dem Mittagessen Zeit einfach mal die Augen zu schließen und ein Nickerchen zu machen. In der Pause danach müssen die Schüler die Schule putzen, jeder hat eine bestimmte Aufgabe die er jeden Tag erfüllen muss, auch Klo säubern und Fenster putzen –  Reinigungskräfte?! Wozu? 😉 Das Leben der Jugendlichen würden wir Deutschen als relativ langweilig empfinden. Schule bis zum späten Nachmittag oder Abend, eigentlich lernen und Hausaufgaben machen, schlafen, vorm Computer sitzen, wer kann noch Gitarre spielen oder singen…und am Wochenende trifft man sich vielleicht mit den Freunden auf dem Nachtmarkt (Inbegriff für Essen aller Art, Flohmarkt mit T-Shirts für 2,50€ und Spielhölle für Kids), oder man geht zur „Schule nach der Schule“, die sehr bekannt hier ist da fast jeder sie besucht.  Keine Parties, davon träumen hier einige. Die Jugendlichen sind sehr niedlich, sie träumen von handsome Boys und sweet Girls, sie lieben Mangas und Kitsch. Besonders interessant war mein Handykauf – es gab Handys in Schwarz und – Rosa. JEDES  Mädchen liebt doch rosa!! Ja, da kannten sie noch nicht diese Deutsche Austauschschülerin 😉 Ich gebe zu, dass mir das jetzt überhauptnichts ausmacht, es ist auch völlig normal jeden Tag einen Rock in der Schule anzuziehen. Ich mache schließlich ein Auslandsjahr in einem Land wo alles ein bisschen anders ist. Für Taiwan trifft da eher zu: wo alles ein bisschen anders ist – interessant.

Nach dem Mondkalender war im Juli, für uns August, der Geistermonat, an dem die Geister einen Monat lang in dieser Welt leben können und etwas essen. Am 15. Tag in diesem Monat werden große Zeremonien und Opfergaben für die Geister durchgeführt. Besonders lustig war als man mir die Regeln für diesen Monat erklärt hat: Rasiere nicht die Beine, das verärgert die Geister und sie kommen zu dir. Tippe niemandem auf die Schulter, denn wenn er sich dann umdreht sieht er 1. Etwas das er nicht sehen sollte und 2. geht dann eines seiner drei Schutzlichter aus und die Geister kommen zu ihm. Lasse nie deine Wäsche über Nacht draußen trocknen – die Geister sind normalerweise nackt und wollen deine Kleidung haben. Rufe nie Abends den Namen einer anderen Person – die Geister werden sich diesen Namen merken und ihn heimsuchen.

In diesem Monat ist das Mondfest, es gibt Pomelo und Mondkuchen. Worum es sich bei diesem Fest genau handelt bekomme ich erst noch erklärt.
Taipei ist wirklich schön. Natürlich gibt es (wie in jedem anderen Land auch) nicht so schöne Stadtteile die typisch asiatisch sind, aber es lassen sich überall kleine bis große Grünanlagen und Parks finden, in denen die älteren Leute in den frühen Morgenstunden zusammen Tai chi üben. Vom Taipei 101 aus hat man einen unglaublichen Blick auf die ganze Stadt und die sich anschließenden Berge…ich musste fast weinen vor Glück als ich mit meiner Gastfamilie an meinem 2. Tag da war, ich konnte nicht fassen, dass das echt war. Ich habe mir fast ein Jahr lang Bilder und Fotos vom Taipei 101 und den ganzen anderen Sehenswürdigkeiten angesehen, und jetzt bin ICH es die diese Fotos macht!

Wie man vielleicht merkt prasseln ganz viele Eindrücke auf einmal auf mich ein, alles schaffe ich gar nicht hier zu schreiben. Und ich bin wahnsinnig glücklich – mit meinem ganzen Glück in jeder Situation – selbst im Longshan Tempel haben mir die Götter das „bestmöglichste“ Glück gewährt =D Mir geht unglaublich gut, und ich genieße jeden einzelnen Tag den ich hier sein darf. Ich kann mich nur tausendfach und mehr bei Rotary für alles bedanken…für diese Chance, für dieses neue Leben, für diese vielen Erfahrungen und neuen Freunde die hoffentlich ein Leben lang bleiben. Und jedem der darüber nachdenkt ein Auslandsjahr zu machen kann ich nur sagen: macht es, es ist die Chance eures Lebens, und wenn euch nie langweilig sein soll – kommt ins Land der Vielfalt, der Moderne &  Tradition – TAIWAN!

PS: Entschuldigung für mein Deutsch, es rostet ein bisschen ;D Es passiert des Öfteren, dass ich Amerikaner auf Deutsch und Deutsche auf Englisch anspreche =D Und ich hab auch schon in einfachen Chinesischen Sätzen geträumt. Und ich hatte ein Erdbeben und einen Taifun. Schwer zu beschreiben, vielleicht das nächste Mal, meine Empfehlung: einfach erleben!

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