Ecuador – 2. Bericht von Andrea

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Zeit für die schweren Entscheidungen des Lebens

Mit der Zeit wurde alles irgendwie einfacher, zuerst einmal konnte ich mich endlich halbwegs verständigen und dann war mir die Kultur nicht mehr fremd, auch hatte ich Freunde gefunden mit denen ich regelmäßig was unternahm.

Bei mir persönlich blieb aber etwas gleich: die Probleme mit meiner Gastfamilie. Weiterhin wollten sie nicht, dass ich viel unternehme und weiterhin fühlte ich mich nicht als Teil der Familie. Auch alle ihre Werte konnte ich nicht nachvollziehen, ihnen ist es wichtiger, dass die Kinder oft zu Hause sind, als dass sie Respekt zeigen, erlich sind und nicht rassistisch.  Ich hab mich wirklich bemüht zur erst bei mir die Fehler gesucht und versucht meine Gastfamilie irgendwie glücklich zu machen. Aber das hat zu letzt mich nicht wirklich glücklich gemacht. Schließlich gab es dann ein Gespräch mit meinen Chairman. Zu Anfang hatte er nicht verstand und gemeint Probleme mit der Kultur wären doch total normal und vieles hätte auch mit der Verständigung zu tun. Erst als ich meine Lage erklärt hatte, meinte auch er, dass ein Familiewechsel wohl eine gute Idee wäre.

Doch viel Zeit verging, ohne dass wirklich was passierte.
Ein Monat vor Weihnachten hatte meine beste Freundin hier, die auch eine Austauschschülerin aus Deutschland ist, für sich selber entschieden frühzeitig nach Deutschland zurück zu kehren. Ich verstand es, fast die gesammte Zeit litt sie an großem Heimweh und ihr seelischer Zustand glich auch schon nahezu einer Depression. Trotzdem war ein schwerer Einschnitt für mich, sie war eine der wenigen Sachen im meinen Leben auf die ich mich verlassen konnte. Ich hatte fast alles mit ihr gemacht und kannte auch ihre Gastfamilie gut.

In der letzten Woche vor Weihnachten bekam ich dann auch schon Panik. Meine Gastfamilie hatte beschlossen zu Weihnachte für Länger in eine andere Stadt zu den Großeltern zufahren und dort sollte dann die ganze Familie zusammen feiern. Diese Aussichten machten mir Angst, denn ich wusste so mehr Leute da sein würden so einsamer und trauriger würde ich mich fühlen, nicht aus Prinzip, sondern nur weil ich mich auch so nicht gut bei der Gastfamilie fühlte.

In den letzten Tagen vor den Abflug von meiner Freundin verbrachte ich natürlich viel Zeit mit ihr und auch mit ihrer Gastfamilie. Irgentwie haben sie mich dann auch mal gefragt wie es mir geht und dann hab ich ihnen eben erzählt wie ich mich wegen Weihnachten fühle. Sie hatte schon davor immer mal gefragt ob ich nicht Weihnachten mit ihnen verbringen möchte und jetzt meinte sie dass sie wirklich gerne dabei haben würden. Es war schwer für mich abzu wägen was nun besser wäre. Entweder würde ich Weihnachte mich besser fühlen aber neu Probleme mit meiner Gastfamilie zu riskieren  oder ich würde Weihnachten in einer Familie verbringen die ich nicht mag. Es war nicht so dass ich leichtfertig dafür entschied, dass ich nicht mit mit meiner Gastfamilie Weihnachten feiern wollte. Zuvor hatte ich es außerdem mit meiner Councelerin abgeklärt, sie meinte wenn die Gastfamilie nichts dagegen hätte gäbe es auch keine Probleme.

In der Nacht vordem ich meine Gastfamilie fragen wollte, konnte ich kaum schlafen. Ich legte mir alle Wörter zurecht, ich wollte es so freundlich sagen, wie ich nur konnte. Ich wollte sie nicht verletzen. Also redete ich mit meiner Gastmutter und natürlich verstand sie nicht und war verletzt, aber sie sagte sie könnten mich ja nicht dazu zwingen mit ihnen Weihnachten zu feiern. Erst als mein Gastvater nach Hause kam, wurde es richtig schlimm. Er war sauer und aggressiv. Er sagt irgentwas zu mir, was ich nicht verstand und als ich das zugab, meinte er ich würde auch nur dann verstehen wenn ich etwas verstehen wöllte. Das war zu viel für mich…

Noch am gleichen Tag sagte ich meiner Freundin am Flughafen ade und die nächsten Tage waren einfach nur die Hölle. Ich wusste vorher wenn ich meine Gastfamilie erst einmal gefragt hätte würde es kein Zurück geben. Ein Verhältnis zwischen mir und meiner Gastfamilie existierte eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Wir redeten nicht und auch so gab es nichts mehr zu sagen. Am 23. Dezember zog ich also übergangsweiße bei der anderen Familie ein, ich nahm einen kleinen Koffer mit, sage knapp tschüss zu meiner Familie. In dem anderen Haus fühlte ich mich gleich besser. Ich wurde einfach aufgenommen, wie ich war und ich war mir auch dann endlich sicher, dass all die Probleme mit der Gastfamilie einfach nicht meine Schuld waren.
Am Abend vom 23. Dezember rief dann der Jugendbeauftrage bei mir an, und die Füße wurden mir vom Boden gerissen! Er war sehr aggressiv und wütend, ich sagte mir ich müsste sofort in meine alte Gastfamilie zurückkehren oder er würde mich morgen zum Flughafen bringen! Ich legte dann ohne ein Wort auf und fing an zu weinen. Ich wusste nicht wie mir geschah, das erste Mal seit vier Monaten gings mir gut mit der Familie und nun sollte ich zurück?!

Ich gehe davon aus, dass meine erste Gastfamilie meinen Chairman angerufen hat und es so dargestellt hat, dass ich einfach so gegangen bin. Die Mutter von der Familie bei der ich eigentlich Weihnachten feiern wollte, hat gute Kontakte mit Rotary und hat dann versucht irgentwie jeden Rotary anzurufen um zu versuch mir zu helfen. Meine Councelorin war zu dieser Zeit auf den Galapergos Insel und so nicht für mich da. Schließlich konnte, meine neue Gastmutter nichts erreichen und ich musste zurück. Die Gastmutter hat mich noch begleitet und hat noch mit meinen Gasteltern geredet. Meine Gasteltern haben gemeint, dass sie keine Verantwortung dafür übernehmen können, dass ich wo anders Weihnachten verbringen würde. Außerdem hat mein Gastvater dann wunderbar ausgeführt, dass es für ihn persönlich nicht wichtig sei, dass ich glücklich wäre, sondern dass nur für ihn zählt, dass es seiner Tochter gut geht.
Ich hatte dann auch noch ein Gespräch mit meinen Gasteltern, währenddessen meine beiden Gastbrüder die ganze Zeit über versucht haben durch die Tür es zu belauschen. Ich habe sie wirklich darum gebeten, dass ich nicht Weihnacht mit ihnen fahren muss, dass ich zumindest einfach allein zu Hause bleiben darf. Aber nein, ich glaub sie wollten beweisen das sie über mich bestimmen können. Vor ich schlafen ging, wünschte ich mir noch, dass morgen die Welt ein wenig heller aussehen würde.

Als ich aber 24. erwachte war nichts besser, ich lag ich Bette staarte an die Decke und dachte daran was ich in den nächsten Bericht schreiben würde, dachte daran was ich in Deutschland bei meinen Vortrag vor meinen Club sagen würde. Mir fiel nichts Positives ein, ich war einfach leer. Allgemein war ich von Rotary enttäuscht und glaubte, dass dieses Weihnachten wohl das schlimmste meines Lebens werden würde. Aber ich bereute es nicht, dass ich wo anderes Weihnachten verbringen wollte. Ich hatte wohl das erste mal seit ich hier in Ecuador bin wirklich nur für mich entschieden und ich war stolz auf mich.
Um 10 Uhr klingelte dann plötzlich mein Handy und alles nahm doch noch ein gutes Ende. Die Mutter von der Familie bei der ich Weihnachten verbringen wollte, hatte die ganze Nacht noch Leute angerufen und versucht es doch noch möglich zu machen. Sie hatte Erfolg und bereits eine Stunde später hatte sie mich abgeholt. Meine erste Gastmutter hat nach dem ich sie davon in Kenntnis gesetzt habe, noch alles versuch das zu verhindern und alle möglichen Leute angerufen.

Weihnachten an sich hatte für mich immer noch einen bitteren Beigeschack, ohne die ganze Aktion wäre es besser gewesen. Aber ich war froh endlich in einer guten Familie zu sein, es war auch einwenig komisch am Anfang, ich war es nicht mehr gewohnt!

Ganz offiziell musste ich dann auch nicht mehr zurück in die alte Familie. Für die restliche  Zeit werde ich in dieser Familie wohnen bleiben und ich bin glücklich darüber.

Klar man könnte sagen, dass meine ersten 4 Monate in einer anderen Familie besser gelaufen wären. Tatsächlich sehe ich die Zeit aber auch nicht als verloren an, denn ich habe auch gelernt dadurch. Ich weiß nun mehr wer ich bin und wie ich sein will. Ich habe es geschafft am Ende wirklich nichts mehr zu erwarten und ich habe gelernt die richtigen Entscheidungen zu treffen auch wenn sie vielleicht schwer sind, dafür aber Mut erfordern.

Von Andrea Löning (Ecuador)

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