Argentinien – 3. Bericht von Birgit

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Liebe Rotarier und Rotarierinnen!

Nun neigt sich mein Austauschjahr schon langsam dem Ende zu, nur noch drei Monate bleiben mir in diesem wunderschönen Land, in dem ich mich so zu Hause fühle. Die Sprache fällt mir schon fast leichter, als Deutsch, meine Gedanken sind in Spanisch.

Aber es gab auch nicht nur immer schöne Zeiten. Weihnachten hatte mir zwar gut gefallen und das Heimweh war nur klein, aber am 20.Dezember hatte ich in meine zweite Gastfamilie Ruberti gewechselt, bei denen ich mich anfangs gar nicht wohlfühlte. Die Familie bestand nur aus dem Vater und seinen zwei Söhnen, die Mutter ist vor 7 Jahren an Gehirntumor gestorben und die Tochter verbringt ihr Austauschjahr in Frankreich. Somit war ich also die „Frau im Haus“. Der Verlust der Mutter hatte bei Allen einen großen Schmerz hinterlassen, der war immer zu spüren. Außerdem war ihr Lebensstil auch sehr anders als meiner, sie haben sehr viel gelesen, waren strikt und langweilig, ich habe mich einfach nicht wie in einem Zuhause gefühlt und wollte so schnell wie möglich in meine dritte Familie wechseln. Mein Counselor hatte mir aber geraten es erst einmal zu versuchen und auch ich wollte nicht so schnell aufgeben und außerdem der Familie damit nicht wehtun. Also bin ich es angegangen:
Die Familie besteht aus begeisterten Bergsteigern und da ich genau in den drei-Monate-langen Sommerferien dort war, haben sie mich zu einem Bergsteigerclub zur Gebirgsschule für Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren geschickt. Ich war in der ältesten Gruppe, genannt „Cóndores“ von 14 bis 17 Jahren. Ich war bei drei Exkursionen und habe dadurch schöne Orte kennengelernt. Außerdem haben wir auch ein Rafting gemacht und ich habe meine ersten Erfahrungen in den Bergen gesammelt, inklusive Klettern an Felsen und ich war begeistert. Es hat mir so gut gefallen, dass ich auch später noch mit meiner zweiten Familie oder Freunden in die Berge gegangen bin. Im Laufe der Zeit haben wir uns mit der zweiten Familie dann immer besser verstanden, richtig Zuhause habe ich mich aber trotzdem nicht gefühlt bei ihnen.
In den Sommerferien habe ich mich außerdem noch sehr viel mit Freunde getroffen, wir sind oft an den Strand oder in die Stadt gegangen. Ein Höhepunkt war, als wir mit meinem Rotaryclub nach Chile zu einem Treffen vieler argentinischer und chilenischer Clubs gefahren sind, es ging um das Projekt der weltweiten Vernichtung von Kinderlähmung. Das ist ein Projekt an dem sich viele Clubs auf der ganzen Welt beteiligen und dabei Geld für Impfungen in den Ländern Afghanistan, Ägypten, Indien, Niger, Nigeria und Pakistan, den betroffenen Ländern, zu sammeln. Außerdem hat auch eine Chilenin über ihre erschreckenden Erfahrungen in ihrer Indienreise letztes Jahr berichtet. Neben dem Treffen konnte ich zum Glück auch noch ein paar schöne Orte kennenlernen und einen kleinen Einblick in das Leben der Chilenen, was sehr anders, ärmer ist, bekommen. Ein weiterer Höhepunkt war, als wir mit Norma, meinem Counselor in dem weltweit einzigen Wald der Arrayanes hier in der Nähe von Bariloche waren. So langsam sind dann aber auch die 13 Wochen Sommerferien vorbei gewesen und die Schule fing wieder an, diesmal für mich in der Abschlussklasse und als ganz gewöhnlicher Schüler, der alle Arbeiten mitzuschreiben hat. So bin ich gezwungen Buchhaltung zu begreifen, was mein Leben bestimmt nicht unbedingt negativ beeinflussen wird, und gleichzeitig lerne ich Tag für Tag noch neue Vokabeln.
Zum Schulbeginn habe ich auch gleichzeitig angefangen in dem Jugendchor der Stadt zu singen. Er ist öffentlich, das heißt es sind viele dabei, die sich einen privaten Chor nicht leisten können, auch eine Blinde und eine Gehbehinderte. Insgesamt sind wir 40 Jugendliche und proben jeden Montag und Mittwoch jeweils drei Stunden. Wir singen sehr schöne Lieder in vielen verschiedenen Sprachen, das schönste ist ein Lied der Mapuche. Mitte Mai wollen wir vielleicht nach Chile zu einem Chortreffen vieler Chöre fahren um uns dort mit anderen Chören auszutauschen.
Am 27.März konnte ich dann endlich in meine dritte Familie wechseln. Beide Eltern sind Zahnärzte und haben fünf Kinder, davon wohnen zwei in Buenos Aires. Sie selbst wohnen sehr nah an meiner Schule, das heißt ich kann jetzt ein bisschen länger schlafen und muss nicht mehr mit dem Bus fahren, der jeden Morgen total überfüllt ist. Ich fühle mich total wohl bei ihnen, sie haben mich schon am ersten Tag wie eine neue Tochter aufgenommen und sind außerdem meiner eigenen Familie ziemlich ähnlich.
Schon bald nach dem Schulanfang ging es auch schon wieder in die Ferien, auf die zweite Reise durch Argentinien vom 16.-30. April. Wir haben uns schon am 15. in Bahía Blanca, einer Stadt an der Atlantikküste südlich von Buenos Aires, getroffen zu unserer zweiten Orientation und gleichzeitig Distriktkonferenz. Da beide meine Eltern der dritten Familie Rotarier sind konnte ich mit ihnen und der zukünftigen Präsidentin meines Clubs zusammen die 1000km im Auto Richtung Nordosten fahren. Wir haben uns dann dort mit allen Inbounds wiedergetroffen, die zukünftigen Outbounds und auch viele Rotarier kennengelernt. Die Outbounds haben ihre Gastländer erfahren und mich freut es sehr, dass Candela, das Mädchen das über meinen Club in den Austausch gehen wird, nach Deutschland kommen wird, obwohl sie sich ja eigentlich Kanada gewünscht hatte. Nachdem wir uns am 16.April mit einem kleinen Programm den Rotariern vorgestellt hatten, ging es auf zur 15-tägigen Nordreise, unser erstes Ziel: das Weingebiet Mendoza in den Anden. Natürlich haben wir uns dort die Weinherstellung erklären lassen, aber außerdem sind wir auch ins nahe liegende Hochgebirge gefahren, wo wir unter anderem den „Aconcagua“, den höchsten Berg außerhalb Asiens mit 6962m Höhe bestaunen konnten. Weiter ging unsere Reise zum UNESCO-Weltnaturerbe, dem Nationalpark „Talampaya“. Das ist ein riesiger Canyon mit bis zu 150m hohen, roten Felswänden an den Seiten. Nach dem Zwischenstop in der wunderschönen Kleinstadt Cafayate mit italienischem Flaire fuhren wir weiter in die 600000-Stadt Salta. In der Nähe dieser Stadt konnte man sehr viele rot- und auch anders gefärbte Berge sehen, besonders bekannt ist der „Berg der sieben Farben“ in der Provinz Jujuy. Das große Finale unserer Reise war die Stadt Iguazú im Dreiländereck mit Brasilien und Paraguay. Hier befindet sich ein weiteres UNESCO-Weltnaturerbe, der Nationalpark „Iguazú“, in dem man die berühmten Iguazú-Wasserfälle sehen kann. Sie sind 72m hoch und 1,5km breit und der durchfließende Fluss heißt ebenfalls Iguazú, was von der Sprache der Urvölker kommt, übersetzt „Große Wässer“. Wir haben die Fälle von oben und frontal gesehen, mit einem Boot waren wir sogar darunter gewesen. Außerdem sind wir noch nach Brasilien gefahren und hatten dort eine komplette Sicht über die fast ausschließlich argentinischen Fälle. Dieser Ort war für mich der Höhepunkt der Reise und auch einer der Höhepunkte meines Austauschjahres.
Jetzt sind schon die letzten zwei Monate in meinem zweiten Zuhause angebrochen, die hoffentlich nicht allzu schnell vergehen!
In diesem Sinne bedanke ich mich nochmals für diese wunderbaren Erfahrungen, die Sie mir ermöglicht haben!

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Frische Herbstgrüße aus Bariloche,

Birgit Heiduschke

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