Mexico – 2. Bericht von Stephan

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Liebe Rotarier, Freunde, Verwandte und Bekannte,

es ist kaum zu glauben, aber ich bin jetzt schon fünf Monate in Zacatecas, Mexiko. Die Zeit scheint zu rasen und der Gedanke, dass schon Halbzeit ist, erscheint mir absurd und beängstigend. Mittlerweile habe ich meine Gastfamilie gewechselt und bin ich in das 2.Schulsemester gestartet.

In diesem Bericht möchte ich über meine Erfahrungen in den letzten 3 Monaten schreiben. Wenn ich diese Revue passieren lasse, wird mir klar, dass ich unglaublich viel erleben durfte. Höhepunkte waren die Rotary-Orientation in Puebla sowie der unvergessliche “Winterurlaub” mit meiner Gastfamilie in Cancún.
Zuerst aber zu meiner Schule und meinen Freunden. In der Schule habe ich mich sehr gut eingelebt. Nun besuche ich das 6.Semester der Prepa Tec de Monterrey. Wie schon in meinem ersten Bericht erwähnt, haben wir einen riesigen Schulcampus auf dem man den ganzen Tag sehr abwechslungsreich verbringen könnte. So gehe ich in Freistunden oft in das auf dem Campus liegende Fitnessstudio oder mit Freunden Fussball spielen.
Nach meinen zwei Anfangsmonaten, in denen ich sehr darauf bedacht war Freunde zu finden, mit der Sprache zurecht zu kommen und in der Schule gut klarzukommen, konnte ich mein Austauschjahr immer mehr geniessen.
Ein Highlight der letzten drei Monate war die Reise mit meinem Rotarydistrikt nach Puebla, auch die Stadt der Engel (Puebla de los Angeles) genannt. Diese Orientation war landesweit und so waren wir über 500 Austauschschueler aus aller Welt. Gemeinsam durften wir diese wahnsinnig schöne Stadt kennenlernen, die African Safari besuchen und zusammen feiern. Gestartet wurden die 3 Tage durch einen gemeinsamen Flaggenzug. Land für Land aufgestellt durchliefen wir, singend und Musik machend, die historischen Höhepunkte der Engelsstadt. Wir Deutschen hatten nach Brasilien die zweitmeisten Austauschschüler. Brasilien stellt einfach in jedem Distrikt die klare Mehrheit.                                                                                                                                        Nach Besuchen der African Safari wurde die Orientation durch einen gemeinsamen Clubbesuch abgeschlossen. Nur für uns wurde eine grosse Diskothek, das landeweit bekannte “Classico”, gemietet. Bis in die Morgenstunden wurde getanzt, gelacht und gesungen, womit wir einen unvergesslichen Abend hatten.

In der vorweihnachtlichen Zeit wurden viele “Posadas”, typisch mexikanische Feste, gefeiert. In einer Posada singt und isst man gemeinsam mit der Familie. Zusätzlich gibt es für die Kinder so genannte “Pinjattas”, große Bälle oder Sterne, gefüllt mit Süßigkeiten. Nachdem sie an einem beliebigem Ort im Haus aufgehangen wurden, werden den Kindern die Augen verbunden, ein Stab in die Hand gedrückt und sie müssen auf die “Pinjatta” solange einschlagen, bis sie kapputt geht und die Süßigkeiten herunterfallen. Es war immer sehr lustig und hat Spaß gemacht.
Ausserdem durfte ich kurz vor Weihnachten meinen Geburtstag typisch mexikanisch feiern und das sehr ausgiebig, da hier Geburtstage immer 7 Tage lang gefeiert werden. So wurden am Ende 3 große Feiern für mich organisiert. Eine mit der ganzen Familie, sogar schon zwei Tage vor meinem Geburtstag!! Eine mit meinen engsten Freunden in meinem Haus und eine mit allen Freunden in einem Club. Immer gab es eine Torte, die ich anschneiden musste. Was ich beim ersten Mal nicht wusste, war, dass die hinter dir stehenden Personen im Moment des Anschneidens deinen Kopf in die Torte drücken. Für die anderen war es sehr lustig, fuer mich eher weniger. Aber auch diese Tradition gehoert dazu!!
In den Vorweihnachtstagen wurde es immer kälter in Zacatecas. Bis zu Minus 10 Grad in der Nacht! So entschied meine Familie kurzfristig der Kälte zu entfliehen und die Weihnachtstage und Neujahr im Karibikparadies von Cancún zu verbringen. Als ich erfahren habe, wo wir hinfahren, konnte ich mein Glück kaum fassen, da man immer wieder von diesem faszinierenden Ort hoert. So ging es am 19. Dezember mit dem Flieger über Mexiko City nach Cancún (übersetzt: Schlangennest). 6 Stunden zuvor noch gefroren, stiegen wir aus dem Flieger und uns erwarteten tropische 35 Grad. Als ich das erste Mal das Meer mit den Palmen sah, wusste ich, dass ich an einem der zauberhaftesten Orte dieser Erde war. In den 3 Wochen “Winterurlaub” durfte ich sehr viel erleben. Außer in Cancun waren wir für 3 Tage in Merida, der Haupstadt Yucatan´s. Wir besichtigten die von der alten Mayakultur geprägte Stadt und fuhren nach Dzibichaltun, wo ich die bekannten Ruinen sah. Nicht zu vergessen sind die köstlichen yucatecanischen Gerichte. Nachdem wir zurück in Cancún waren, haben wir die Tage wieder am Meer genossen. Mein persönlicher Lieblingsort war die “Isla de Mujeres”, wo wir einen Tag verbrachten. Früh am Morgen setzten wir zu der vor Cancún liegenden Insel über und genossen dort den Tag. Highlight war das Schnorcheln im kristallklaren Wasser, das uebrigens warm wie eine Badewanne ist.

Neujahr verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in Playa del Carmen, wo auf 2012 angestossen wurde. Andere Tage war ich in Tulum und auf Cozumel, auch eine Insel. Nach 3 Wochen Paradies ging es dann zurück nach Zacatecas, wo ich direkt in das nächste Semester startete. Zugleich wechselte ich in diesen Tagen zum ersten Mal meine Familie. Das machte mich etwas traurig, da ich ein sehr enges Verhaeltnis zu Ihnen hatte und aber auch weiterhin habe. Sie haben mir viel beigebracht und mich wie ihren Sohn behandelt. Gerade deswegen komme ich auch heute noch täglich zu Ihnen und ich hoffe, dass ich zu Ihnen als dritter Familie zurückkehren kann.  Aber auch mit meiner jetzigen Familie bin ich sehr zufrieden. Ich habe 4 Gastgeschwister; drei Brueder und eine Schwester. Mit allen komme ich sehr gut klar. Vielleicht auch deshalb, weil ich sie schon länger kenne. Fast jedes Wochenende waren sie in meinem alten Haus, da die beiden Familien beste Freunde sind.
Mein Rotaryclub gefaellt mir sehr. Immer wieder gibt es Aktivitäten, zu denen ich eingeladen werde. Die letzte grosse Aktivität war das Verteilen von Lebensmittelsäcken in den ärmsten Teilen der Stadt. Okay, Stadt kann man es nicht mehr nennen, da diese armen Familien ausserhalb, in kleinen Dörfern, oft ohne Dach ueber dem Kopf leben. Sie haben fast keine Chance, Geld zu verdienen und ihre Familie zu ernähren. Als ich das das erste Mal gesehen habe, hat es mich sehr schockiert. Das Bedürfnis an Hilfe ist sehr groß.      So fuhren wir mit über 600 Lebensmittelsäcken zu den einzelnen Doerfern. Es sprach sich schnell herum, dass Rotary da war und alle versammelten sich in dem Dorfzentrum. Mütter bekamen die Lebensmittel, kleine Mädchen Puppen zum Spielen und Jungen Fussbälle. Freudestrahlend haben sie die Sachen entgegengenommen. Das zu sehen, machte mich glücklich und stolz. Für die kommende Zeit mussten sie nicht hungern und so konnte auch für sie die Weihnachtszeit den Umstaenden entsprechend gut werden.

Ein anderes Projekt habe ich mit meinem besten mexikanischen Freund gestartet. Da mir durch meinen Rotary Club “Blaues Wunder” 100 Euro für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt wurden, habe ich mir überlegt, wie ich diese am Besten einsetzen kann. Dies erzählte ich auch meinem Freund. Der brachte mich auf eine  gute Idee. Seine Familie kennt eine sehr arme Familie, die zudem eine tragische Geschichte hat. Vor einigen Jahren lebten sie noch ohne Dach ueber dem Kopf in einem vermuellten Dorf. Heute besitzt sie dank der Familie meines Freundes ein kleines Häuschen am Stadtrand. Die Familie besteht aus einer ungefähr 70 Jahre alten Mutter mit ihren zwei stark behinderten Söhnen. Doch das war nicht immer so. Nachdem der Vater vor vielen Jahren nach Drogenproblemen gestorben ist, hatte die Mutter einen großen Autounfall mit ihren damals noch jungen Söhnen. Bei diesem verloren beide Söhne ihre Beine und Arme und die Mutter verletzte sich an der Wirbelsäule. Nun wohnen sie in dem Häuschen zu dritt und konnten dieses schon jahrelang nicht verlassen. Die Söhne sind mittlerweile 30 Jahre alt und verbringen nun schon über 25 Jahre in derselben Position auf dem Bett. Die Mutter muss sie füttern, obwohl auch sie gesundheitlich sehr angeschlagen ist. Diese Geschichte hat mich sehr bewegt und sofort wusste ich, dass ich dieser Familie auch helfen möchte. So mache ich mich jede Woche einmal mit meinem Freund auf den Weg zu ihr. Vorher kaufen wir die wichtigsten Lebensmittel für sie und manchmal auch etwas zum Spielen für die Söhne. Jedes Mal, wenn wir kommen freuen sich alle drei unheimlich und möchten, dass wir vom Leben “draussen” erzählen. Diese Familie möchte ich weiterhin bis zum Ende meines Austauschjahres unterstützen.
Es ist deutlich geworden, dass ich in den letzten 3 Monaten enorm viele neue Erfahrungen machen konnte. Ich freue mich schon auf die nächsten Monate und bin sehr dankbar, dass mir dieses Austauschjahr von Rotary, speziell meinem Club “Blaues Wunder Dresden”, ermöglicht wurde.
Mit herzlichen Grüßen aus Mexiko
Ihr/Euer Stephan

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