Taiwan – 1. Bericht von Roman

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Als ich um 7 Uhr morgens am 19. August in Taipei gelandet bin, konnte ich mir, im Nachhinein betrachtet, nichtmal annähernd vorstellen, was mich in den nächsten Wochen erwarten würde.

Alle Austauschschüler wurden von ihren Gastfamilien sehr herzlich empfangen und anschließend sind meine Gastfamilie, bestehend aus meinem Gastvater, meiner Gastmutter und meiner 21-jährigen Gastschwester ca. Eineinhalb Stunden nach Hause, in die Stadt Yilan gefahren. Als erstes war ich sehr schockiert, dass meine Gasteltern überhaupt kein Englisch sprechen, da mein Gastvater einige Wochen vorher eine E-Mail an meine Mutter in gutem Englisch geschrieben hat und wir dadurch mehr oder weniger hinter das Licht geführt wurden. Als wir zu Hause angekommen waren, erwartete mich der zweite Schock, da das Haus genau das Gegenteil von dem war, was ich mir vorgestellt hatte. Im Erdgeschoss befindet sich das Computergeschäft meines Gastvaters und die zwei Stockwerke darüber sind sehr bescheiden und spartanisch eingerichtet. So besteht bespielsweise die Dusche nur aus einem Duschkopf und einem Abflussloch mitten im Raum und im Wohnzimmer stehen nur drei Stühle vor einem Fernseher. In der ersten Woche war ich deshalb sehr verzweifelt, da ich aufgrund der minimalen Englischkenntnisse meiner Gastschwester mich eigentlich auch mit niemandem unterhalten konnte und ich mich in dem Haus einfach nicht heimisch gefühlt habe. Dazu kam, dass mein Gastbruder, der momentan mit Rotary in Mexiko ist, mir erzählt hatte, die Stadt hätte 500.000 Einwohner und da ich ja aus Leipzig komme, hatte ich mich sehr darüber gefreut, da das keine große Umstellung geworden wäre. In Realität hat Yilan aber nur 40.000 Einwohner und ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich ursprünglich unter einer asiatischen Großstadt vorgestellt hat. Da ich nun noch bis zum 17. September Zeit hatte, bis meine Schule beginnen würde, habe ich mir in dieser Zeit erstmal ein Fitnessstudio und einen Taekwondo-Verein gesucht und außerdem erfreulicher Weise festgestellt, dass ich mit dem Bus nur ca. eine Stunde bis nach Taipei brauche. Außerdem habe ich die Zeit genutzt, um Chinesisch zu lernen und dabei leider feststellen müssen, dass ich einerseits meine Kenntnisse weit überschätzt habe und man andererseits anfangs Taiwanesisch überhaupt nicht versteht, wenn man Mandarin gelernt hat. Außerdem habe ich mich in Taipei zwei Mal mit anderen Austauschschülern getroffen und viele neue Leute kennen gelernt. Als am 17. September die Schule anfing, war ich selbstverständlich sehr aufgeregt, aber ich wurde sehr nett aufgenommen und alle Leute sind sehr interessiert an mir. Außerdem geht auch noch eine andere Austauschschülerin aus den USA auf meine Schule, mit der ich mich allerdings nicht besonders gut verstehe, was sehr bedauernswert ist, da so eine Freundschaft natürlich sehr hilfreich wäre. Die meisten Lehrer an meinem Junior College sprechen relativ gut Englisch und mit meiner Chinesischlehrerin verstehe ich mich auch sehr gut. Die meisten Schüler an meiner Schule sind mindestens 20 Jahre alt, allerdings spürt man den Altersunterschied annhährend überhaupt nicht, da Kinder hier anscheinend sehr lange von ihren Eltern behütet werden und sich deswegen auch noch ziemlich kindlich verhalten. Um nach der Schule keine Beschäftigungsarmut zu erleiden, mache ich eigentlich jeden Tag unter der Woche Sport und treff mich so oft wie möglich mit anderen Austauschschülern am Wochenende in Taipei.
Auch wenn es gewisse Startschwierigkeiten gab, fühle ich mich hier mittlerweile wohl und sehe es auch als Chance, Leute kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen, auf denen ich den Rest meines Lebens aufbauen kann. Ich bin sehr dankbar dafür, in Taiwan eine vollständig neue Welt erkunden zu können und dabei viele neue Freunde zu finden, auch wenn es natürlich Höhen und Tiefen gibt. Ich habe mitbekommen, dass ich ich umso glücklicher bin, desto mehr Beschäftigungen ich habe. Dementsprechend versuche ich natürlich, in den nächsten Wochen besonders an meinem Chinesisch zu arbeiten, Sport zu machen, Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen und auch andere Austauschschüler zu treffen, da mir Taipei als Stadt einfach sehr gut gefällt.

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