Taiwan – 2. Bericht von Larissa

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„Du willst alle bewegen                                                         
Alles bewegt sich  mit dir
Was spricht dagegen
Du bist nicht nur zum Träumen hier
Komm geh zwei Schritte weiter
Es ist nur noch ein kleines Stück
Du bist am Ende des Tunnels
Von hier aus gibt es kein zurück“
– Tim Bendzko –

『哈囉!』『ㄏㄚ ㄌㄨㄛ!』『Hā luō!』『Hallo!』
Nachdem mir nun Alle tausend Mal gesagt haben, dass meine ersten 5 Monate schon vorbei sind, muss ich mich jetzt wohl doch langsam mit dem Gedanken anfreunden. Die Zeit vergeht so schnell, viel zu schnell! Jeden Monat denke ich, dass der Nächste ja nicht noch schneller vorbei sein kann, und im nächsten Moment ist es schon wieder so weit: Überall auf Facebook sieht man “Happy 5 Monate” auftauchen. Das erste halbe Jahr ist so gut wie rum. Natürlich habe ich viel erlebt, viel gesehen, viel gelernt, doch wenn ich darüber nachdenke, gibt es doch noch viel zu viele Dinge, die noch verbessert werden müssen. Ganz oben steht da natürlich Chinesisch. Mein erster College- Kurs ist nun vorbei. Nach sehr, sehr vielen Hausaufgaben, Aufsätzen und Tests, und noch mehr gemeinsamen Abendessen, Nachtmärkten und Kinobesuchen mit meinen Freunden, geht es zumindest im Schneckentempo voran. Ich bekomme mit der Zeit immer mehr Freunde, deren englisch nicht so gut ist und langsam muss auch nicht mehr Alles mit „Bodylanguage“ geregelt werden. Verstehen klappt zumindest soweit, dass ich mein Alltag ohne größere Probleme regeln kann. Sprechen ist auf jeden Fall immer witzig und Schreiben bzw. Lesen reicht zumindest um über mich selber statt irgendwelche Dichter im Aufsatz zu schreiben. Tiefsinnigere Themen müssen natürlich weiterhin auf Englisch besprochen werden, doch es wird besser und besser. Nach einem halben Jahr ohne einen Ferientag, bin ich jetzt wirklich froh meine Winterferien genießen zu können. In den letzten Wochen hatte ich zwar recht viel geschlafen, war aber dennoch ständig übermüdet. Nach meinem großen Abschlusstest des 155h-Chinesisch-Kurses, der auch nicht so schlecht gelaufen ist, wird es jetzt wirklich Zeit mal ein bisschen zu entspannen! Obwohl, was heißt schon entspannen – meine taiwanesischen Freunde verdammen mich jeden Tag Spongbob Schwammkopf auf Chinesisch zu schauen, nur noch auf Chinesisch zu chaten, das Essen selber zu bestellen und auch im Supermarkt ein bisschen mehr als “Hallo” und “Danke” zu sagen. Sie helfen mir ja wirklich sehr, und es macht auch Spaß, obwohl es natürlich super anstrengend ist und mein Gehirn zurzeit ziemlich verwirrt ist, in welcher Sprache es denn nun denken soll (und ja, ich habe meiner Freundin irgendwie “automatische Abschaltung” gesagt, als ich ihr dieses Problem irgendwie berichten wollte).
Ansonsten läuft es mit Allem immer noch bestens: Die Schule ist immer noch genial. Ich bin mittlerweile nur noch in Einer, statt in 8 verschiedenen Klassen, weshalb ich nun mehr gute Freundschaften schließen konnte und auch in den Ferien viele Unternehmungen geplant sind. Das Wetter ist mittlerweile total durchgedreht: an manchen Tagen sitze ich wirklich mit zwei dicken Jacken und Handschuhen vor meinen Hausaufgaben, an Anderen gehe ich mit T-Shirt zum Unterricht. Meine Gastfamilie ist super nett, und ich gehe nun ziemlich oft bei meiner Oma essen. Oma`s Essen ist natürlich das Beste, und das Taiwanische ist es ja sowieso. Abgesehen davon, dass ich Brot so sehr vermisse! (In Deutschland wäre ich nie auf die Idee gekommen Brot zu vermissen, doch hier ist es tatsächlich gemein: Alles ist als ganz normales Brot getarnt, und dann ist es doch süß!) In ca. einem Monat heißt es dann Gastfamilie wechseln. Ich finde es ist keine so schlechte Idee, denn meine zweite Gastfamilie scheint auch super nett zu sein, und generell denke ich, dass die Familie in Taiwan sowieso keine so große Rolle für mich spielt, da ich doch eigentlich eh von 8 bis 18uhr in der Schule bin und danach noch oft mit Freunden weggehe. Das ist auch einer der Gründe warum ich Taipeh so liebe! Ich kann immer überall ziemlich schnell sein! Und überall gibt es immer leckeres, billiges Essen. Selbst um 24Uhr geht man mit seiner Familie Essen, wenn man Hunger hat, und das witzige: man sieht auch zu jeder Uhrzeit Leute, die ebenfalls Essen gehen! Als ich Neujahr um 2Uhr von meinem Barbecue nach Hause kam, sah ich auf der Straße Leute essen. Als ich um 4:30Uhr das Haus wieder verlassen habe, um mit meinen Freunden zu einer Zeremonie zu gehen, sah ich natürlich auch Leute essen. Ich hoffe sehr, dass ich in meiner zweiten Gastfamilie kochen lernen kann, denn ich weiß doch jetzt schon nicht mehr, wie ich ohne das Essen hier in Deutschland klar kommen soll.
Das einzige Problem wenn man in dem Land mit dem besten Essen der Welt ist: man nimmt zu! Und zwar ziemlich schnell, ziemlich viel! Das heißt neben Joggen mit meinen Klassenkameraden, welches in letzter Zeit jedoch oft von Regen unterbrochen wird, gibt es jetzt noch einmal pro Woche Taichi- Training (Taichi → chinesisches Schattenboxen, sehr langsam, sehr kraftvoll und wohl eher ein Sport, der nur von alten Leuten praktiziert wird). Meine Freunde lachen mich aus und kürzlich war ich sogar in einem Bericht im Fernsehen damit zu sehen. Zwar nur mit dem Rücken und eigentlich habe ich gar nicht gemerkt, dass ich gefilmt wurde, doch es war natürlich Anlass genug, dass ich ein paar Übungen vor der Klasse zeigen musste. Naja, es ist schon ziemlich witzig, wie mein eigentlich einziges Hobby hier grundsätzlich zur Lachnummer gehalten wird 😀
Meine Klasse ist wohl die Allerbeste, die man sich wünschen kann. Alle sind super nett und auch Weihnachten und Neujahr habe ich mit meinen Klassenkameraden, oder besser gesagt Freunden verbracht. Obwohl es natürlich komplett unterschiedlich ist, zu dem was ich gewohnt bin, war es doch eine der schönste Zeit. Es ist auch interessant in einem Land zu sein, in dem keine deiner eigenenn Feste richtig gefeiert wird. Immerhin hatte ich mir nie vorgestellt, Weihnachten jemals mit einer Weihnachtsmütze im Unterricht zu sitzen, oder Neujahr auf einem Hochhaus stehend, das Feuerwerk aus dem zweithöchste Gebäude der Welt zu betrachten.
Letztendlich ist doch alles mehr als perfekt hier und ich weiß nicht, wie ich mich jemals dafür bei Rotary bedanken kann.
Ganz liebe Grüße und ein großes謝謝 (ㄒㄧㄝˋ ㄒㄧㄝ/xièxie/Danke),                                   

eure Lari/玉莎

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