Argentinien – 1. Bericht von Maxi

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Liebe Rotarier und alle, die diesen Bericht lesen,

bald habe ich sechs Wochen Argentinien geschafft. Geschafft ist eigentlich eine etwas unglückliche Ausdrucksweise, denn es haftet so negativ an. Vielmehr würde es „sechs Wochen Argentinien habe ich schon genossen“ viel besser treffen.

 

Angefangen hat alles an einem Freitag, als ich am Dresdner Flughafen mich von meiner Familie verabschiedete und erfolgreich mein viel zu schweres Handgepäck durch die Kontrolle brachte. Den Flug nach Frankfurt verbrachte ich mit einem Mädchen aus Dresden, welche im Süden Argentiniens leben wird. In Frankfurt trafen wir dann auf noch mehr Austauschschüler. Der 14-Stundenflug war weniger schlimm als gedacht, da ich es doch tatsächlich schaffte zu schlafen. In Buenos Aires gab es angekommen gab es erst einmal einen kleinen Kälteschock als wir den Flughafen verließen, denn es war richtig, richtig kalt. So kalt, dass der Atem gefroren ist. Am nationalen Flughafen warteten wir alle auf unsere Anschlussflüge. Nele, die andere deutsche Austauschschülerin in Resistencia und ich waren die ersten die flogen.

In Resistencia wurden wir sehr, sehr herzlich von unseren Gastfamilien empfangen. Auch andere Austauschschüler, Rotexer und Rotarier waren da. Somit eine ziemlich große Gruppe, die mich dann alle mit einem „Beso“ begrüßen.

Ein Beso ist die normale Begrüßung hier. Ich glaube das ist irgendetwas zwischen Händeschütteln und einer Umarmung. Man gibt sich ein Küsschen auf die linke und dann auf die rechte Wange. Anfangs war das sehr ungewohnt für mich, aber ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt.

In meinem neuen zu Hause angekommen durfte ich das 1. Mal Facturas probieren. Lecker!! Das ist die argentinische Form von Gebäck. Oft sind die Facturas mit Dulche de Leche, dem argentinischen Nutellaersatz. Am Abend nahm mich meine Familie zu einem Jazzkonzert mit. Das war echt schön, nur leider viel zu lang, so dass es eine Meisterleistung von mir war nicht einzuschlafen.

Am nächsten Tag hatte ich mein erstes Asado. Asado ist das typische Barbecue hier. Man trifft sich mit Freunden und Verwandten und lässt sich das wahnsinnig gute Rindfleisch schmecken.

Am Montag stand dann schon mein erster Schultag an. Meine Klasse ist sehr lieb, ich wurde mit gefühlten Tausend Fragen über mich und Deutschland überschüttet. Natürlich größtenteils in Spanisch, da Englischkenntnisse hier kaum vorhanden sind, trotz Englischunterricht in der Schule. Irgendwie habe ich es aber geschafft, die Fragen zu beantworten, oft hilft auch einfach nur zu lächeln und ein „no entiendo“ (ich verstehe nicht) hilft unangenehme Leute fernzuhalten.

In den folgenden Wochen habe ich mich nachmittags oft mit meinen Klassenkameradinnen getroffen. Sie helfen mir Spanisch zu lernen und weigern sich deshalb auch Englisch mit mir zu reden, was echt gut ist. Sie haben mir ein bisschen von der Stadt gezeigt und sind mit mir ins Casa de las Culturas gegangen, wo es immer Ausstellungen über Argentinien etc. gibt. Desweiteren habe ich auch mitgeholfen eine Baby-Shower-Party für eine Klassenkameradin zu planen.

Wenn meine Klassenkameraden nachmittags mal keine Zeit haben mache ich oft etwas mit den anderen Austauschschülern. Hier in Resistencia sind wir eine ganz schöne große Gruppe, mit allen von Rotary und Afs über 18 aus den verschiedensten Ländern.

Langsam schleicht sich hier der Alltag ein. Um 6.40 Uhr stehe ich auf, denn um 7.40 geht die Schule los. Durch die Schuluniform, welche aus einem Poloshirt und Jeans (im Sommer ein kurzer, grauer Rock) besteht, vereinfacht sich die morgendliche Routine deutlich. Die Schule geht bis 12 Uhr. In der Schule wird meistens nichts gemacht, oft kommt auch der Lehrer einfach nicht. Deshalb sehe ich Schule als eine Möglichkeit Spanisch zu lernen und Freunde zu finden. Wenn ich aus der Schule komme ist Mittagessen und danach Siesta. Diese geht bis 17 Uhr. In der Siesta sind alle Geschäfte geschlossen und niemand ist auf der Straße. Im Sommer ist dies die heißeste Zeit des Tages. Nach der Siesta steht dann Freunde treffen an und für den Abend bin ich gerade dabei mir einen Sport zu suchen. Abendessen gibt es ca. um 22 Uhr, wenn ich schon eher etwas esse guckt meine Familie mich ganz komisch an.

Anfangs habe ich Jujitsu probiert, was leider nicht so toll ist hier. Allerdings gehe ich mit meiner Gastschwester zum Telas, das ist eine Art Akrobatik, die man an einem großen Stück Stoff macht. (Am besten mal bei YouTube „Telas“ eingeben, das ist am einfachsten als Erklärung.) In der letzten Woche habe ich entdeckt, dass nur zwei Blocks von meinem Haus ein riesiger Sportclub ist. Dort gehe ich nun ins Fitnessstudio und spiele Volleyball.

Sie lesen schon, wenn ich von Entfernungen spreche benutze ich den Ausdruck „Blocks“. Schaut man sich Resistencia oder jede andere beliebige Stadt bei Google Maps an sieht es aus wie ein Schachbrett. In Deutschland habe ich mir das furchtbar eintönig vorgestellt, denn wo bleiben dann die kleinen, verwinkelten Gassen? Gibt es hier nicht, wie ich gemerkt habe. Die Straßen sind sehr breit und nicht asphaltiert. Irgendwas anderes ist das, aber ich weiß das Wort dafür nicht. Fast alle normalen Straßen sind Einbahnstraßen und somit wurde ich, neu in der Stadt immer aufs neue überrascht als wir nach gefühlten tausend Mal abbiegen plötzlich in der Schule ankamen. Als meine Gastmama mir jedoch eine Karte ausdruckte und mir dort die für mich relevanten Punkte in der Stadt einzeichnete begann sich langsam eine Orientierung herauszubilden und langsam empfinde ich die Blocks als Segen für mich, da ich normalerweise völlig Orientierungslos bin. Heute, auf dem Heimweg habe ich mich gefragt, wie das denn nochmal in Deutschland ist. Völlig unvorstellbar aktuell.

Zu den breiten Einbahnstraßen hier kommt noch der Fahrstil der Argentinier. Ich glaube jeder Austauschschüler könnte aus darüber ein Buch schreiben. Rechts überholen? – Klar, warum nicht? Anschnallen? – Hä? Was ist das? Lieber den Gurt hinter dem Rücken schließen. Rechts vor links? – Also bitte. Wer schneller ist darf fahren! Sie sehen, dass ist ein bisschen chaotisch, aber ich gewöhne mich daran.

Mit der Sprache hier komme ich erstaunlich gut zurecht. Vielleicht sogar besser als mit dem Verkehr. Ich kann normale Gespräche führen, auch wenn meine Grammatik quasi nicht existiert und ich auch sehr oft nachfragen muss. Trotzdem versuche ich jegliche Kommunikation in Englisch mit spanisch sprechenden Menschen abzulehnen und konsequent Spanisch zu sprechen. Das liegt nicht nur daran, dass das Englisch der Argentinier oft geringer ist als meine Spanischkenntnisse. Auch lerne ich am meisten, wenn ich selbst spreche und dabei entweder Dinge aufschnappe oder korrigiert werde.

Mit meinem Club hier hatte ich bisher ein Treffen. Die Rotarier sind sehr nett und das Essen war gut. Ich hoffe, dass wir Austauschschüler in die Aktivitäten des Clubs eingebunden werden.

Im nächsten Quartal steht für mich die erste Orientation in Puerto Iguazu an. Außerdem werde ich den Süden Argentiniens erkunden und die Sommerferien gehen im Dezember los. Ich werde also beschäftigt sein und eine Menge gute Erinnerungen sammeln und Erfahrungen machen können.

Vielen Dank für die Möglichkeit, ein Jahr im wunderbaren Argentinien verbringen zu können und ganz viele Grüße nach Deutschland!

Besos, Maxi Unger

P.S.: Auf meinem Blog www.searchingforasteak.tumblr.com können sie mehr oder weniger regelmäßig lesen, wie es mir ergeht und auch Fotos anschauen!

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