Neuseeland – 1. Bericht von Luisa

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Lieber Rotaryclub, liebe Familie, liebe Freunde und Leser,
 
es scheint unglaublich, doch ich bin nun schon drei wundervolle Monate in Neuseeland. Es war bisher eine aufregende und spannende Zeit mit Höhen und Tiefen. Und genau von diesen möchte ich hier berichten.

 
Bevor ich jedoch damit anfange, möchte ich ganz groß „Danke“ sagen. Danke, an meinen Rotaryclub Riesa-Elbland, der mir diese tolle Zeit hier überhaupt ermöglicht. Danke an meine Familie, die mich immer unterstützt und mir Mut zuspricht, wenn dieser mich mal verlässt. Danke an meinen Opa Bernd, denn erst durch ihn bin ich zu Rotary gekommen und habe es in Betracht gezogen, Neuseeland zu wählen. DANKE!!!
 
Schon bevor es eigentlich richtig los ging, fingen die Probleme an, denn die Sommerferien standen vor der Tür und ich wusste immer noch nicht zu 100 Prozent, wo die große ungewisse Reise mich hinführen wird.
Nach langem hin und her kam dann der Brief mit der erlösenden Nachricht: „Dein Gastland wird Neuseeland sein!“ Die Freude war groß und die Koffer wurden gepackt. Wer mich kennt, weiß, ich liebe Reisen und Action, also ging es noch eine Woche Segeln. Schnell waren die letzten drei Tage in Riesa zu Ende und ich machte mich mit Mama, Papa und Linda im Gepäck am 7.8.2013 auf zum Frankfurter Flughafen. Meine Stimmung wechselte minütlich von Euphorie bis „Mama, Papa ich will doch nicht. Bitte fahrt zurück. Es war eine dumme Idee!“. An dieser Stelle zeigte sich deutlich, wie gut meine Eltern mich kennen und zum Glück nicht auf mein Gerede gehört haben, Danke auch dafür. Auf dem Flughafen angekommen, kam der nächste Schock für mich: „Ich bin noch nie alleine geflogen und jetzt gleich bis nach Neuseeland, das schaffe ich nie im Leben!“ Da die Dame am Check-in Mitleid mit mir hatte, suchte sie mir einen Fluggast heraus, der genau dasselbe Ziel hatte wie ich: Christchurch! Schnell wurden noch die letzten Familienbilder geschossen und viele Tränen vergossen. Meine letzten Worte bevor ich an der Passkontrolle verschwand waren: „Tja ihr Lieben, bis die Tage dann. Sehen uns später“ und das Abendteuer begann. Mein „Flugbegleiter“ sah zu meiner großen Überraschung, meiner Meinung nach, aus wie ein Hobbit. Sein Name ist Thomas und ich treffe ihn in Nelson bald wieder. Wir haben uns die Zeit mit Filme schauen und Schiffe versenken verkürzt. Aus Schlafen wurde nicht viel, denn zu meiner Linken wurde kräftig geschnarcht, aber kein Problem für mich, schließlich war die Filmauswahl riesig. Man sollte glauben, dass der Flug eine Phase ist, wo man Zeit hat, sich darauf einzustellen ein Jahr in ein Land zu reisen, was man nicht kennt und dessen Sprache man nicht beherrscht, doch ich dacht nur eins: „Was mach ich hier eigentlich? Bist du jetzt völlig verrückt geworden? Am besten einfach wieder in Dubai mit dem nächsten Flieger zurück nach Deutschland fliegen!“ Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich dies nicht getan habe. Von Frankfurt ging es also nach Dubai über Bangkok weiter nach Sydney und schließlich nach 30 Stunden Flugzeit bin ich in Christchurch am 9.9.2013 um 14:30 Uhr gelandet. Herzlich empfangen wurde ich von meiner Gasfamilie sowie meinem Consoullor und Ellen, eine schwedische Austauschschülerin von Rotary. Im neuen Zuhause angekommen, blieb mir nicht viel Zeit zu verschnaufen, denn es hieß Sachen packen und auf nach Rotuiti zur Ersten Orientation. Am späten Abend – vier Stunden Autofahrt später – sehnte ich mich nur nach einer heißen Dusche und einem Bett, doch weit verfehlt. Es stand das Abendprogramm an. Es wurden typische Kennlernspiele gespielt und jeder sollte etwas über sich sagen. Die anderen Austauschschüler waren schon ungefähr zwei bis drei Wochen in Neuseeland und hatten alle schon Eindrücke sammeln können, aber kein Hürde für mich. Das einzige was ich noch zustande bekommen habe war: „Hallo ich bin Luisa aus Deutschland bin vor circa zehn Stunden angekommen und brauche jetzt eine Dusche und ein Bett!“ Die Lacher hatte ich auf meiner Seite! 😉 Geschafft vom Flug und den Strapazen des langen Tages überkam mich am Abend plötzlich mein erster und bisher einziger Heimwehanfall. Eine heiße Tasse Kakao und viele Umarmungen später war alles ganz schnell wieder vergessen und die Tränen getrocknet. Dieses tolle erste Wochenende war der perfekte Start in mein neues, aufregendes und spannendes Leben in Neuseeland.
 
Am Sonntag, dann wirklich Zuhause angekommen, wurde der Koffer ausgepackt und es gab super lecker indisches Essen. Am Montag war es dann endlich soweit und es ging auf zur Schule. Anmeldung, Schulkleidung und kurzer Rundgang waren schnell erledigt. Meine Schule ist die Burnside High School, die zweitgrößte Schule in Neuseeland mit circa 3000 Schülern. Wenn eins nicht zu meinen besten Stärken zählt, dann ist es wohl mein Orientierungssinn. In den ersten Tagen bin ich öfters in der riesigen Schule verloren gegangen, doch es gab viele hilfsbereite Lehrer und Schüler, die mich netterweise zum Klassenraum geführt haben. Das Schulsystem ist das totale Gegenteil von unserem in Deutschland. Was mich aber überrascht hat, war, dass wir wie in meiner alten Schule A und B Woche haben. Ich besuche die Fächer Theater, Mathematik, Englisch, Outdoor Activity, Food&Nutrition und Early Childhood Studies. Die Schule beginnt 8:15am und endet 2:40pm. Es gibt eine 15 Minuten lange Frühstückspause und eine einstündige Lunchpause. Die Schule ist in drei Bereiche eingeteilt: North Division, West Division und South Division. Der letzteren gehöre ich an. Diese trifft sich jede Woche einmal zum Assembly. Allgemein ist der Unterricht nicht wirklich interessant, denn das Schuljahr neigt sich dem Ende und die großen Prüfungen stehen an. Von allen Tests und Prüfungen bin ich befreit und habe dadurch glücklicherweise eher Ferien, als die anderen Schüler. Meine Familie führt ein entspanntes, tolles Familienleben mit viel Humor und netten Abenden des Zusammenseins. Ich habe drei Gastschwestern. Zwei von ihnen waren selbst schon im Ausland. Harrie (21) war in der Schweiz, Alice (20) war für ein Jahr in Japan und Louise (18) ist zurzeit in Chile. Sie habe ich schon durch Skype kennen gelernt und sie kommt am 9. Januar wieder zurück. Vor allem zu Alice habe ich eine besondere Verbindung aufgebaut und wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Es gab schon so einige Shoppingtrips zusammen. Und auch der Abwasch ist viel schneller mit ihr gemeinsam erledigt. Das wirklich erstaunliche ist, wie viele Leute sagen, dass wir sehr viel Ähnlichkeit haben und wie Schwestern aussehen. Meine Gasteltern sind Anna und Grant. Anna bildet Krankenschwestern im Krankenhaus aus und Grant managt die Computer an der Universität in Christchurch. Haustiere haben wir auch einen Hund namens Jack und zwei Katzen. Meine Familie unternimmt sehr viel an den Wochenende und ich werde in jeglicher Hinsicht in das Familienleben einbezogen. Meine Aufgaben reichen von Unkraut ziehen bis zu bei der Wäsche helfen. Wir besuchen oft Familien und sie zeigen mir viele Städte und tolle Orte in Neuseeland. Ein Wochenende sind wir mit Jenny, die meine dritte Gastmutter sein wird und eine gute Freundin meiner derzeitigen Familie ist, nach Manuka Bay gefahren. Wir wohnten in einem wunderschönen Ferienhaus an der Küste. Es war unglaublich von meinem Bett aus konnte ich direkt auf eine Weide mit Schafen und kleinen Lämmern schauen und dahinter erstreckte sich das weite blaue Meer. Das Highlight des Wochenendes war der „Fathers Day“, das ist ein Feiertag mit dem Brauch, dem Vater das Frühstück ans Bett zu bringen. Mein Geschenk war eine CD von der Dresdener Band Raw Acoustic. Wie es dazu kam, ist schnell erzählt. Es stellte sich heraus, dass Grant und ich den gleichen Musikgeschmack haben. Also habe ich der Band geschrieben und fix wurde mir eine CD zugeschickt. Nun bin ich hier nicht nur ein Rotary Botschafter, der Deutschland präsentiert, sondern auch ein Musikbotschafter der Band mit Grant zusammen.

Mein erstes Sleepover hatte ich schon mit vielen typischen neuseeländischen Süßigkeiten. Von Harries Germanclub wurde ich zum Paintball spielen eingeladen und wir hatten riesig Spaß, wenn auch ein wenig schmerzhaft. Die Berge wurden selbstverständlich auch von mir getestet – mit Grant und Harrie zusammen. Das Skifahren mit Ausblick aufs Meer ist unglaublich. Mit Nathalia und ihrer Gastfamilie haben wir Hanmer besucht. Hanmer ist eine Badestelle mit heißen Pools, die mit natürlichem Quellwasser gefüllt ist, was dezent nach verfaulten Eiern riecht, doch super entspannend ist.
Wenn ich mal nicht gerade auf Achse, sondern Zuhause bin, dann haben wir öfters volles Haus mit Verwandten. Bisher war meine Tante Fred mit ihrem Mann und ihren zwei Mädels zu Besuch. Auch meine Oma väterlicherseits hat bei uns für ein paar Tage vorbei geschaut und uns mit leckeren Date Scones beglückt.

Schon jetzt sind meine drei Monate Sommerferien voll verplant mit Besuchen auf Farmen und Städten bei Verwandten. Außerdem steht meine erste große Rotaryreise, die South Island Tour, an. Mein Distrikt hat zurzeit neun Austauschschüler. Leider verlassen uns davon aber schon drei im Januar, denn ihr Austauschjahr ist schon vorbei. Dadurch, dass wir nur eine kleine Anzahl an Schülern sind, ist es sehr familiär. Es ist immer wieder eine große Freude, wenn wir zusammen kommen. Unsere letzte Orientation hat in Nelson statt gefunden. Jakob aus Österreich und ich haben, dass unmögliche mögliche gemacht! Wir stellten zu unserer Überraschung beide schnell fest, dass wir große Fans des Wanderns sind. Man sollte meinen, dass wir als „ge¬übte“ Wanderer eigentlich keine Probleme haben sollten, den einfachen Weg zu finden. Wir wissen bis heute nicht wie wir es geschafft haben, diesen zu verfehlen und von der Gruppe abzuschweifen. Später sind wir dem Suchtrupp, nach langem Suchen und erfolglosen Hilferufen, wohlauf in die Arme gelaufen. Man kann sich denken, dass wir an diesem Tag nicht mehr aus den Augen gelassen wurden. Trotz allem hatten wir viel Spaß!!!!
Leider musste ich auch weniger schöne Erfahrungen machen. 19 Tage nach meiner Ankunft im neuen Heim wurde bei meiner Familie eingebrochen. Mein Laptop, Bargeld und Geldkarten sowie Wertgegenstände meiner Familie wurden geklaut. Es war ein großer Schock für alle. Alles in allem hatten wir Glück im Unglück, denn die Versicherung hat das Meiste übernommen. An dieser Stelle möchte ich auch meinem Rotaryclub in Neuseeland danken, denn dieser hat mir einen Teil des gestohlen Geldes vorgestoßen. Auch gesundheitlich habe ich es bisher leider nicht so leicht gehabt. Wegen meinen Füßen musste ich mehrmals zur Physiotherapie, denn ich bin gestürzt und habe mir beidseitig die Bänder im Innenknöchel überdehnt. Auch das Krankenhaus durfte ich für eine Nacht besuchen, denn ich hatte Zysten und diese mussten operativ entfernt werden. Ein was „Gutes“ hatte der Besuch! Nach der OP haben sie mir einen Deutschen Arzt beiseite gestellt. Als ich von meiner Narkose erwachte und der Arzt mit mir Deutsch sprach, war ich noch so verwirrt, dass ich einfach nur in Englisch geantwortet habe. Ich selbst kann mich leider nicht mehr daran erinnern, doch meine Familie meinte, dass es ziemlich amüsant gewesen sein muss.
 
Komme ich nun zu einem der beliebtesten Themen für Austauschschüler: das Essen!
Bevor ich meine Reise angetreten habe, schwor ich mir wirklich alles zu probieren, was mir auf getischt wird. Der Speiseplan meiner Familie ist bunt gemixt – von chinesisch über italienisch bis indisch ist alles dabei. Außer dienstags, denn da gibt es immer das gleiche: Chili Con Carne! Ich liebe es! Typisch neuseeländisch gibt es freitags Fish&Chips (Pommes mit frittiertem Fisch) zu essen, dies versucht Anna zu unterbinden, was ihr auch meistens gelingt, denn sie lockt uns mit leckerer Pasta.
Essen mit Stäbchen musste ich erst lernen, doch mittlerweile ist das eine Leichtigkeit, was wahrscheinlich auch an der häufigen Übung liegt. Ich bin zum Bedauern meiner Gastfamilie nicht der größte Fischfan, doch ich probiere alles, auch wenn es mich häufig einiges an Überwindung kostet – 3,2,1 und rein in den Mund!
 
Am Anfang war es eine sehr große Umstellung für mich mit dem Essen, denn ich war es gewohnt, ein warmes Mittagessen zu mir zu nehmen und zum Abendbrot Brot zu essen Dies ist hier genau anders rum. Und das so genannte Brot ist kein Brot. Es ist Toast! Meine Begeisterung darüber hält sich in Grenzen. Der Kiosk meiner Schule bietet kleine Snacks wie Kartoffelspalten und Pies, das sind kleine herzhafte Törtchen mit Füllung, an, doch man kann sich bestimmt denken warum ich drauf verzichte und lieber zum Apfel greife. 😉
 
Freunde zu finden ging schneller als erwartet. Ich hatte leichte Bedenken, denn man sagte uns am Anfang, dass die Kiwileute nicht die kontaktfreudigsten wären. Doch meine Bedenken waren umsonst. Schnell habe ich tolle Leute kennengelernt, die ich nun auch meine Freunde nennen kann. Viele zeigen großes Interesse an Deutschland und löchern mich regelrecht mit Fragen. Unter der Woche ist es schwer, sich mit Freunden zu verabreden, denn viele haben hier einen Job oder gehen zum Sport nach der Schule. Dass es in Neuseeland viele Deutsche gibt, kann ich nur bestätigen. Ich habe Frederike aus Berlin kennengelernt, wir verstehen uns super. Sonst verbringe ich sehr viel Zeit mit meinen Kiwi-Mädels und besonders mit Courtney. An meiner Schule gibt es auch sehr viele internationale Schüler. Es ist toll mit so vielen verschiedenen Menschen aus aller Welt zusammen zu kommen und Erfahrungen auszutauschen. Wir treffen uns öfters im Park oder zum Kochen.
 
Ich habe leider noch nicht richtig Sport gefunden, doch der Sommer kommt ja bald und Surfunterricht steht ganz oben auf meiner To-Do-Liste. Die Rugbysaison beginnt auch bald und ich hoffe mal reinschnuppern zu können. Mein Rotaryclub ist der Christchurch „New Horizons“, den es seit 18 Monaten gibt. Wir haben 38 Mitglieder und ein Großteil davon sind Frauen. Es gibt noch nicht so viele Projekte, denn der Club ist recht jung.
 
Das war’s erstmal von mir, falls ihr Fragen habt, schreibt mir einfach! Ich freue mich auch über eine Postkarte. 😉
Bis bald eure Lui

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