Argentinien – erster Bericht von Juliane

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Ich bin jetzt schon 3 Monate im schönen Argentinien, besser gesagt in Caleta Olivia, im Norden von Santa Cruz mitten in Patagonien. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen und in welcher Reihenfolge, aber ich werde es versuchen. 😀

Am 5. September bin ich mit einem anderen Austauschschüler aus meinem Distrikt nach einer stressigen Autofahrt mit vielen Staus, weil die Piloten gestreikt haben, und ohne meine Familie und Freunde am Flughafen verabschieden zu können mit gefühlten 5 Kilogramm extra Gepäck, was ich noch aus meinem Koffer in meinen so schon vollgepackten Rucksack packen musste, in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen.

Dort sind wir noch auf 18 andere Austauschschüler getroffen und nach 13 Stunden Flug nach Buenos Aires, die ich fast nur geschlafen habe und einer Stunde Busfahrt durch die Vorstädte um den Flughafen zu wechseln, hat sich die Gruppe geteilt und für mich ging es mit einem ca. zweistündigem Flug weiter nach Comodoro Rivadavia, wo mich meine supernette Counselorin und Gastfamilie abgeholt haben.

Nachdem ich an einer Bucht mit meiner Gastmama Hebe, meinem Gastpapa Adrían und meiner 13-jährigen Gastschwester Shania Mittag gegessen habe, besuchten wir meine Gastoma in Rada Tilly und dann nach ca. einer halben Stunde Autofahrt die, für mich schöne, für meine Freunde hier langweilige, Küstenstraße entlang, war ich in meinem neuen Zuhause – Caleta Olivia.

Die Stadt liegt im Süden Argentiniens in Patagonien an der Küste im Süden der Bucht San Jorge und hat ungefähr 60.000 Einwohner und ist eine der größten Städte in Santa Cruz. Sie sieht so anders aus als die Städte in Deutschland, denn hier gibt es fast nur flache Häuser und sie ist in Blocks aufgeteilt. Die Straßen sind bis auf die Hauptstraße nur von einer Seite befahrbar und es gibt keine Fußgängerampeln, sondern man guckt auf die Ampel der Autos. Alle hier finden Caleta ziemlich hässlich und die meisten meiner Freunde wollen später auf jeden Fall woanders hinziehen. Hier gibt es kaum Bäume und richtig viele Straßenhunde, aber ich finde es schön hier direkt am Meer mit Strand. Es ist eben so anders als in Deutschland, aber genau das macht es ja so interessant.

Ich wohne in einer Nachbarschaft außerhalb und meine Familie hat ein großes Haus mit Garten, wo wir jetzt im Sommer oft draußen sitzen und den berühmten Mate trinken oder auch Tereré, der mit dem Mate Yerba gemacht wird aber nicht mit heißem Wasser, sondern mit Saft getrunken wird. Die Mate Kultur ist hier in ganz Argentinien etwas ganz besonderes. Überall und ständig sieht man Leute zusammen sitzen, reden und Mate trinken, auch auf der Arbeit.

Hier im Zentrum von Caleta gibt es viele Läden zum Shoppen und so ziemlich alle haben geöffnet wenn sie eben geöffnet haben. Einige haben nicht mal die Öffnungszeiten an der Tür stehen, aber die Öffnungszeiten hier sind so unterschiedlich zu Deutschland, denn alle Läden haben eine Siesta Pause von ca. 12 bis 16 Uhr, haben aber bis 21 oder 22 Uhr geöffnet. Meinem Gastpapa gehört auch ein Möbelgeschäft im Zentrum.

Mit meiner Familie komme ich super zurecht. Sie sind so herzlich und versuchen mir alles so schön wie möglich zu machen und, dass ich mich nicht langweile, was ich hier wirklich nie mache! Auch mit meinem Spanisch haben sie mir viel geholfen, geduldig Sätze dreimal wiederholt, mir meine falsch zusammengestellten Sätze richtig erklärt oder Gespräche langsam nacherzählt, damit ich mitreden kann. Dafür und, dass sie mir die ersten Monate und jetzt die Weihnachtszeit, die hier so anders ist als in Deutschland, bin ich ihnen mehr als dankbar. Weihnachten ist hier im Sommer und es ist irgendwie komisch so ganz ohne Weihnachtsmärkte und Schnee.

Ich habe meine Familie so ins Herz geschlossen, dass ich eigentlich die Familien nach Weihnachten gar nicht tauschen möchte, aber ich kenne schon meine nächste Gastfamilie und ich habe keine Sorgen, dass ich unzufrieden sein werde. Hier in Caleta Olivia wohnt auch eine andere Austauschschülerin, Pauline aus Frankreich. Mit ihr gehe ich auch in dieselbe Klasse.

Nach den zweimonatigen Ferien sind wir dann in 5to Economía, das heißt in der Abschlussklasse der Sekundarstufe, also im zwölften Schuljahr. Unsere Schule heißt San José Obrero, eine große Privatschule hier. Ich habe die Fächer Religion, Mathematik, Englisch, Teoría y Gestión, S. Información, Wirtschaft, Spanisch und Literatur, Recht, EDI-comunicación und Sport. Jeden Morgen beginnt der Schultag 7:30 Uhr mit einem Gebet und ein paar Worten des Schulpfarrers. Ein Mal in der Woche wird auch die argentinische Flagge gehisst und der Direktor sagt, was in der kommenden Woche so ansteht. Freunde zu finden war überhaupt nicht schwer, denn schon gleich am ersten Tag war ein Schulfest und die Freunde von meiner Schwester und andere Schüler kamen auf mich zu und stellten Fragen über Fragen. Die erste Woche war ich nicht in der Schule, aber habe meine Schuluniform gekauft und habe mich schon mit Freunden getroffen. Ich war auch in der Ballettschule und habe mich zum Tanzen angemeldet, was echt so viel Spaß macht. Ich habe Ballett schon in Deutschland getanzt und ich bin glücklich, dass ich hier mein Hobby weiterleben kann. Nächstes Jahr werde ich bestimmt auch mit Tango anfangen.

Im Oktober hatte ich dann mein erstes Distrikttreffen mit allen anderen 23 Austauschschülern in Cañadon Seco, einem Dorf in der Nähe von Caleta Olivia. Das war gut, weil Pauline und ich nicht weit reisen mussten, wie die anderen. Wir haben hauptsächlich über die kommende Südargentinien-Tour geredet und natürlich die ersten Pins getauscht. Bei den Rotary Meetings bin ich ungefähr aller 3 Wochen und manchmal gehe ich samstags zu Interact, dem Rotary Club von Teenagern von 13 bis 18 Jahren.

Ein langes Wochenende war ich meiner Familie und Freunden von meiner Familie in Río Pico, einem kleinen Dorf in der Nähe der Anden, was wirklich richtig schön war. Fast jeden Tag haben wir das für Argentinien berühmte asado gegessen. Asado ist die argentinische Art Fleisch zu grillen und in jedem Haus gibt es eine sogenannte „parrilla“ einen Grill aus Beton und Ziegelsteinen fest eingebaut (meistens) in die Wand des „Quinchos“. Ein Quincho ist manchmal die Garage, die bei fiestas zu einem „Partyraum“ umgestaltet wird oder ein extra Raum im Haus. In Río Pico haben wir aber immer über einem Feuer im freien gegrillt und ich muss sagen, dass hier das Fleisch, abgesehen davon, dass es manchmal ziemlich fettig ist, richtig lecker schmeckt. Über die argentinische Persönlichkeit lässt sich vor allem sagen, dass alle so richtig spontan sind! Man wird spontan von der Familie zum asado eingeladen und dann heißt es schnell „Vamos“. Oder auch von Freunden zur merienda, was eine Zwischenmahlzeit am Nachmittag ist. Manchmal werden Panqueques gemacht oder „facturas“ kleine, süße Backwaren gekauft. Wo wir wieder beim Essen sind. Allgemein wird hier viermal am Tag gegessen. Das Frühstück, auch anders als in Deutschland, besteht meist aus Keksen oder Crackern mit Marmelade oder der berühmten dulce de leche, was eigentlich wie eine Creme aus Karamell ist. In dulce de leche habe ich mich wirklich verliebt. 😀 13 oder 14 Uhr wird Mittag gegessen und ca. 17 Uhr die merienda. Das Abendbrot ist dann ungefähr 22 oder 23 Uhr. Mittlerweile habe ich mich schon richtig an den Rhythmus gewöhnt.

Am 26. November ging es dann auf die erste Rotary Reise durch ganz Patagonien. Wir haben so viele Städte gesehen! In Puerto Madryn haben wir Wale und Pinguine gesehen. Danach in El Calafate sind wir auf einem Gletscher gelaufen, was wahrscheinlich das spektakulärste Ereignis war. Dann haben wir die chilenische Grenze nach Feuerland überquert und waren in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Nachdem wir wieder Chile überquert haben, sind wir nach Esquel und Bariloche gefahren, wo wir nochmal in Nationalparks und Aussichtspunkten waren.

Am 10. Dezember bin ich dann geschafft, aber mit vielen neuen Eindrücken und vielen neuen Freunden nach Caleta zurückgekehrt und wurde von meiner Gastmama sogar mit einem Adventskalender überrascht.

Das waren meine ersten Eindrücke aus dem wundervollen Argentinien und ich hoffe die nächsten Monate vergehen nicht so schnell, wie die ersten drei!

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ganz herzlich bei meinem Rotary Club in Bautzen bedanken, der mir dieses unglaubliche Jahr ermöglicht!

Liebe Grüße,

Juliane Kriegel

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