Mexiko – erster Bericht von Clara

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Als ich mich gestern vor fünf Monaten, am 7. August 2014 in Dresden von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedete, hatte ich noch keinerlei Vorstellung davon, wie es sein wird, wenn ich in der Hälfte meines Jahres leben werde. Nun ist es Anfang Januar, ich sitze im Garten bei 22°C mit den Füßen im Pool und denke mir, in welchem Paradies bin ich hier nur gelandet?

 

Fünf Monate liegen nun hinter mir. Fünf Monate mit meiner schon gar nicht mehr fremden Gastfamilie, mit noch vor fünf Monaten total unbekannten Menschen, die ich nun als meine Freunde bezeichne, mit Personen, die inzwischen einen unheimlich großen Platz in meinem Herzen haben, mit viel Chili, was mir noch immer den Hals brennen lässt und mit jeder Menge Sonnenschein.

Fünf Monate, in denen ich mich habe selber besser kennen lernen können, fünf Monate, in denen ich habe Probleme bewältigen müssen und fünf Monate, voll von neuem Spanisch in meinem Kopf.

 

Als ich mich Anfang August auf den Weg nach La Paz machte, war ich absolut gefüllt mit Aufregung. Aufregung, Neugierde und jede Menge Gedanken darüber, was mich erwartet. Einige Stunden später am Flughafen hier angekommen, erschlug mich die Hitze. Auf Schlag war kein anderer Gedanke mehr, als Klimaanlage in meinem Kopf. Dann nach einer wunderbar herzlichen Begrüßung ging es mit meiner neuen Familie heim und mein Jahr hatte begonnen. Schnell konnte ich durch die Hilfe meiner Gastschwester Freunde finden, da sie mich, bevor sie in ihr Austauschjahr startete, ihren Freunden bei einem Café Besuch vorstellte. Einige Tage später, am 18. August war dann auch der erste Schultag gekommen, ich sah die Mädels wieder und konnte mich ohne Probleme der Klasse anschließen. Direkt am zweiten Tag kam dann Loula, eine Austauschschülerin aus Belgien und inzwischen eine gute und wichtige Freundin von mir, mit in dieselbe Klasse, womit wir zusammen schnell die europäische Blondhaarfront bildeten und bereits am Ende der ersten Woche jeder in der Schule unsere Namen kannte.

 

Was Schule im Allgemeinen betrifft, gehe ich sehr gern hin. Wenn ich auch denke, dass das Schulsystem hier nicht wirklich von Vorteil für die Schüler ist, kann ich die Zeit immer sehr für mich nutzen. In der Schule zu sein, hilft unheimlich die Sprache zu lernen. Nicht nur, weil man den ganzen Tag damit von den Lehrern „berieselt“ wird, auch durch das Schreiben. Häufig gibt es da mal eine Erleuchtung bei Worten, die man immer und immer wieder irgendwo hört, aber nichts damit anfangen kann. Dann schreibt man das Wort einmal und alles wird klar. Auch ist es wunderbar, die Leute jeden Tag zu sehen. Es tut gut, in der Klasse zu sein, da es, was mich betrifft, zu Hause immer sehr ruhig ist, da ich nur mit meinen Gasteltern zusammen wohne. Aber auch einfach, weil Schule bedeutet, Freunde sehen.

 

Freunde treffen ist aber nicht immer nur mit Schule verbunden. An den Nachmittagen treffe ich mich gern ab und zu mit Freunden, die ich aus verschiedenen Ecken der Stadt kenne zum Café trinken, um ins Kino zu gehen oder ein bisschen von Laden zu laden zu wandern. Freunde habe ich auch in den anderen 7 Austauschschülern gefunden, die zusammen mit mir hier in La Paz wohnen. Nicht nur durch verschiedene Aktivitäten, die manche Eltern hier für uns organisieren, kann ich auch immer mal wieder Zeit in den Häusern der anderen Familien verbringen. Auch kann ich nach nun 5 Monaten von besten Freunden sprechen. Arely (MX), die mich zu ihren Sleepover einlädt und für deren Familie ich nun schon so etwas wie ein Familienmitglied bin, Alfredo (MX), der mich auf Partys seiner Freunde mit nimmt und dessen Mama mich zum Essen nach Hause einlädt und Loula (BE), mit der ich auf eine wunderbare Art und Weise Zeit verbringen und über den Austausch philosophieren kann. Im Allgemeinen kann ich also sagen, dass ich viele Menschen habe in mein Herz schließen können und auch in den Herzen vieler Menschen hier sein kann. Und mit lieben Familien des Austauschs ist damit auch immer etwas los. Denn was nun die Aktivitäten des mexikanischen Rotary angeht, ist leider bis auf zwei Distriktmeetings und die Ruta Maya nichts weiter für uns vorgesehen, was ich unheimlich schade finde. Denn ich würde sehr gerne zusammen mit den anderen Austauschschülern nahe gelegene Städte oder manche der so wunderschönen Orte, von denen es hier jede Menge zu geben scheint, besuchen.

 

Nun aber passiert es auch so, dass eine Gastmama für uns Austauschschüler etwas organisiert hatte und noch bevor wir dieses Angebot haben annehmen können, Ärger vom Rotary Club bekam. Und da es sich um die Ferien handelte, war der abschließende Kommentar noch, wenn wir in den Ferien nicht verreisen und uns langweilen, ist das unser Problem.

 

Solche Sachen geben dann schon ein weniger schönes Gefühl, dennoch bin ich sehr dankbar, da ich ohne diesen Rotary Club nicht hier sein könnte und letztendlich findet sich auch immer etwas Schönes, was kein Problem ist, wie zum Beispiel mit den Walhaien zu schwimmen, die sich von Dezember bis Februar hier an der Küste aufhalten. So unheimlich schön! In solchen Momenten realisiere ich dann immer wieder wie wertvoll die Erfahrungen sind, die wir in unserem Auslandsjahr machen können! Sehen, Dabei sein, Erleben, Lernen… ich liebe es, diese Erfahrung zu machen!

 

Auch der Aspekt der Sprache lässt mich immer wieder begreifen, wie großartig das ist, was wir hier machen. Fünf Monate bin ich nun hier in Mexiko/ La Paz und ich habe keine Angst mehr mein Eis selber zu bestellen, Gäste an der Tür zu begrüßen und mit ihnen ein Smalltalk zu führen, das Telefon abzuheben, wenn jemand anruft und ich allein zu Haus bin oder auch einfach meinen Freunden die Antworten auf Spanisch zu geben. Dazu kommt nun auch, dass mir der Gedanke, von nicht mehr als 6 weitern Monaten hier, jede Menge Ansporn gibt, mein Spanisch zu perfektionieren.

 

So, nun werde ich am Samstag die Familie wechseln, worauf ich mich freue aber auch mit Nervosität hinausschaue, da ich weder die Familie noch das Haus kenne. Mit aber positiven Gedanken, bin ich mir sicher, dass das gut gehen wird. Ansonsten habe ich die Tage recht sehr damit zu kämpfen gehabt, dass ich nun tatsächlich in der Hälfte meines Jahres lebe und das Ende so nah zu sein scheint. Ich habe mich jetzt aber dazu entschlossen einfach aus diesen 6 Monaten absolut etwas zu machen und zu genießen.

 

Denn letztendlich ist es doch so, dass als wir in unser Jahr gestartet sind, gingen wir davon aus, das schwierigste würde werden, Freunde zu machen, oder die Sprache zu erlernen. Nun aber realisiere ich, das schwierigste wird werden, sich zu verabschieden. Ein Leben in einem Jahr zurück zu lassen, abzuschließen und es gleichzeitig weiter leben zu lassen. Das wird ein unglaublich großer Schritt verbunden mit einer unglaublich großen Herausforderung. Bis dahin aber werde ich mein Bestes geben, mehr Chili resistent zu werden und so viel wie möglich an schönen Dingen in mein Herz aufzunehmen.

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