Paraguay – 2. Bericht von Charlotte

M’baeishapa Liebe Rotarier und Outbounds!

Das ist Guaraní und bedeutet so viel wie: „Wie geht’s?“. So begrüßt man sich hier häufig in Paraguay.

So langsam gewöhne ich mich daran zusätzlich zu Spanisch auch noch die Sprache der Ureinwohner zu hören. Die meisten Familien sprechen sie, ein paar Phrasen schnappt man also automatisch auf. Vier Monate bin ich jetzt schon hier. Meine Stadt, Coronel Oviedo, im Herzen des Landes, ist meine zweite Heimat geworden. Ich fühle mich hier unglaublich wohl.

Jeder Tag ist anders und ich lerne Neues kennen. Es gibt noch so viele Situationen, in denen ich noch unsicher bin und nicht weiß was als nächstes kommen wird. Mein Spanisch ist immer noch nicht perfekt (Jeder, der sagt, dass man nach 4 Monaten alles versteht und fließend spricht, lügt!). Aber das macht nichts. Denn ich lerne jeden Tag dazu. Sowohl sprachlich als auch kulturell. So ist es zum Beispiel üblich, dass jede Abschlussklasse in den Wochen vor Weihnachten ihr Abschlussfest feiert. Das ist keine kleine Feier, nur mit den Klassenkameraden, wie in Deutschland, nein, es ist eine riesige Party, zu der man sich Eintrittskarten kauft. Offiziell geht es schon um neun los, aber getanzt wird erst ab um zwei. Die Partys gehen bis in den Morgen, es wird ohne Pause getanzt und gefeiert.

Anders als erwartet wird in einem streng katholischen und konservativen Land wie Paraguay, Weihnachten nicht so groß und besinnlich gefeiert wie in Deutschland. Von der Stillen Nacht und einem besinnlichen Fest habe ich nichts mitbekommen, Böller und Feuerwerk sind hier einfach üblich. In der Nacht zum 25. Dezember habe ich mit meiner riesigen Familie gefeiert. Es gab Asado, eine Art Grillen. Es werden meist Hühner- oder Rindfleischspieße auf den Grill gelegt und mit Mandioka (einer Art Kartoffel) oder Salat gegessen. Es haben noch zwei Austauschschüler mit meiner Familie gefeiert. Eine Amerikanerin, die bei meinem Onkel wohnt und deren ehemalige Gasttochter, die schon die Familie gewechselt hatte.

Ich habe etwa eine Woche vor Weihnachten meine Familie gewechselt, einen Monat verfrüht, weil es Probleme mit einem Austauschschüler in unserem Club gab. Ich fand das echt traurig, weil ich mich richtig gut mit meinen fünf Brüdern verstanden habe. Aber in meiner neuen Familie habe ich zwei ältere Schwestern, mit denen ich auch sehr viel unternehme.

Natürlich ist während eines Auslandsjahres nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen. Es gibt immer irgendwo Probleme. Bei mir war es in der Schule. Ich habe in meiner Klasse keine Freunde, ich werde teilweise sogar ausgeschlossen oder ignoriert. Das hat mich ziemlich runtergezogen. Ich habe dann mit meinen beiden Gastfamilien und meiner Counselorin darüber geredet und einen Schulwechsel beschlossen. Ich bin jetzt schon ziemlich aufgeregt auf das neue Schuljahr, was im Februar, nach drei Monaten beginnen wird. Das wird ein kleiner Neuanfang sein, für den ich sehr dankbar bin.

Das Heimweh sollte ich auch erwähnen. Niemand bleibt davon verschont. Der eine hat es mehr, der andere weniger. Das ist vollkommen okay, man sollte sich von Anfang an darauf einstellen, dass es irgendwann kommen wird. Es ist auch in Ordnung sich dann in seinem Zimmer zu verkriechen und für sich alleine sein zu wollen. Das sollte aber nicht die Regel sein. Ich treffe mich dann häufig mit Freunden und wir unternehmen etwas. Vor allem jetzt im Sommer ist das leicht. Man geht einfach zu jemand nach Hause, der einen Pool hat oder geht in den Sportclub um dort ein paar Bahnen zu schwimmen. Ich habe immer noch Probleme mit der Sprache. Ich weiß zwar, dass ich stetig lerne, aber trotzdem fehlt mir noch viel um endlich wirklich flüssig Spanisch zu sprechen.

Liebe Outbounds, das ist jetzt nur für euch.

Seid aufgeregt, freut euch auf euer Jahr, seid auch nervös. Das ist alles wichtig und gehört dazu. Aber habt keine Erwartungen. An gar nichts. Es wird sowieso ganz anders kommen. Das kann ich versprechen. Macht euch auch nicht zu viele Gedanken um die Länderwahl. Vielleicht kommt ihr ja, wie ich, in ein Land, von dem ihr noch nie etwas gehört habt, von dem ihr nie gedacht hättet, dass ihr euch in den Ort verlieben würdet. Lasst euch auf alles ein, sagt ja zu allem, probiert alles aus. Nehmt so viel mit wie möglich. Und macht mindestens eine der Reisen, die euch angeboten werden! Das Geld ist es auf jeden Fall wert! Ihr werdet Dinge und Orte sehen, von denen ihr nie geträumt hättet. Ihr könnt auf Gletschern wandern, sie südlichste Stadt der Welt erkunden und vor allem eure zweite Familie finden. Denn das werden die anderen Austauschschüler am Ende der Reise für euch sein, die besten Freunde, die ihr findet könnt.

Ich kann euch versprechen, auch wenn es Probleme gibt (und die wird es geben), oder ihr Heimweh habt, ihr schafft das. Macht euch keine Gedanken darüber. Das wird schon alles. Genießt einfach nur euer Jahr, freut euch auf alles. Denn ihr werdet es immer als das beste Jahr eures Lebens in Erinnerung behalten.

Ich wünsche euch allen ganz viel Spaß in eurem Auslandsjahr und einen guten Rutsch!

Charlotte

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