Spanien – 1. Bericht von Paula

In letzter Zeit ging alles wirklich schnell. Da ich finde, die letzten Vorbereitungen und der Abschied, also meine letzten Tage in Deutschland, sind ein wichtiger Bestandteil meiner Reise, möchte ich gerne damit beginnen.

Mein Kofferpacken war ein einziger Stress. Bis zur letzten Minute bevor es los ging habe ich noch Sachen aus- und eingepackt. Am Ende hatte ich viel mehr Gepäck als ich erwartet hatte. Und ein Tipp an die neuen Outbounds: Fangt früh genug mit packen an! 😉

Zwei Tage bevor ich losgeflogen bin habe ich noch einmal alle meine Freunde eingeladen. Es war ein superschönes Gefühl noch einmal alle um mich zu haben, aber irgendwie wollte es nicht in meinen Kopf rein, dass das das letzte mal für ein Jahr ist. Ich habe es einfach genossen. Was im nachhinein auch besser war, als wenn ich die ganze Zeit traurig gewesen wäre. Geschenke und „letzte Worte“ wurden ausgetauscht und es war wirklich schön. Nachdem alle weg waren fing ich langsam an zu begreifen.

An meinem Abreisetag klingelte es morgens um halb 8 überraschend an der Tür. Meine Mutter lächelte und sagte da wäre noch jemand für mich. Also machte ich die Tür auf und meine Schulfreunde, von denen ich dachte, ich hätte mich längst verabschiedet standen breit grinsend vor der Haustür. Mir schossen sofort die Tränen in die Augen und gleichzeitig musste ich lachen. Bis ich dann im Flugzeug saß, war dieser Tag eine einzige Tortur für mich.

Natürlich fragt man sich in solchen Momenten ob das wirklich die richtige Entscheidung war. Wieso man so tolle und liebevolle Menschen hinter sich lässt, in ein fremdes Land, eine fremde Kultur und fremde Menschen mit anderer Sprache geht. Ich muss auch sagen, dass ich mich vorab nicht so sehr, wie ich das von anderen gehört habe, auf dieses Jahr freuen konnte. Aber jetzt wo ich hier bin muss ich sagen, dass es sich schon für diese 4 Wochen, die ich hier bin, absolut gelohnt hat! Aber dann saß ich im Flugzeug, es gab kein zurück. Dort konnte ich mich irgendwie fallen lassen. Und tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Als wir abgehoben sind hatte ich sowohl Tränen in den Augen als auch ein breites Grinsen auf dem Gesicht und schaute neugierig aus dem Fenster, in meine Zukunft. Ein sehr komisches Gefühl, aber ich finde dieses Bild beschreibt nahezu perfekt meine Gefühle in diesem Moment, der Woche zuvor und der jetzigen Zeit. Neugier, Trauer, Freude, Aufgeregtheit und auch Angst begleiteten mich auf meinem Flug und begleiten mich auch heute noch. Der Flug war nicht einfach nur eine Reise in mein neues Zuhause. Es war eine Reise durch meine gesamte Gefühlswelt. Je näher ich Spanien kam, desto freudiger und aufgeregter wurde ich. Je weiter ich mich von Deutschland entfernte desto mehr Trauer wich.

Ich bin mir sicher, Jugendliche die beispielsweise in die USA gereist sind, hatten die gleichen Gefühle wie ich. Dadurch dass ich jedoch „nur“ nach Spanien gereist bin, waren diese Gefühle, für die andere 15h Zeit hatten, auf 2 ½ h komprimiert.

Als ich aus der Gepäckausgabe nach draußen ging pochte mein Herz wie wild. Als ich dann meine Gastfamilie das erste Mal sah war ich total erleichtert. Ich glaube das erste Gefühl was man hat, wenn man eine Person das erste mal sieht sagt sehr viel über das spätere Verhältnis aus. Ich bin auch heute noch super glücklich mit meiner Gastfamilie, bestehend aus Cristina und Noni, meinen Gasteltern, und Simón, meinem 13-jährigen Gastbruder, der schon nach 5 Tagen meinte, er wolle nicht, dass ich die Familie wechsel. Und auch ich will eigentlich gar nicht tauschen, aber ich bin zuversichtlich, dass ich mit den folgenden Familien ein ähnliches Verhältnis aufbauen kann.

Nach knapp einer Woche hier in Spanien, der letzten Ferienwoche hier, während meine Freunde in Deutschland nach 4 Wochen Schule schon die ersten Klausuren schrieben, gab es eine erste Inboundorientation in Guadarrama, bei Madrid, für alle Inbounds in ganz Spanien. Wir waren um die 200 Inbounds, davon mit mir 5 aus Deutschland. Es wurde sehr viel organisatorisches Besprochen, vieles was mir schon in Deutschland mitgegeben wurde. Auch die Planungen für Europa- und Spanientour wurden vorgestellt. Es war wirklich ein schönes Wochenende. Ich konnte Kontakte zu Jugendlichen aus aller Welt aufbauen und wir hatten viel Spass, auch wenn, oder gerade weil unsere Handys alle eingezogen wurden. Es war natürlich sehr laut und dadurch sehr anstrengend und irgendwie war ich auch froh als ich wieder Zuhause war…

Danach fing die Schule an. Eine super Chance um gleichaltrige Freunde zu finden. Ich wäre froh gewesen, wenn ich mich vor der ganzen Klasse hätte vorstellen müssen, obwohl ich weiß dass das der Albtraum vieler Schüler ist. Da ich das nicht musste, musste ich selbst Initiative ergreifen, sonst hätte wohl niemand mit mir geredet. Also bin ich zu einer Gruppe Mädchen hin, die mir ganz sympatisch erschienen und habe mich vorgestellt. Mit ihnen bin ich jetzt immernoch berfreundet. Spanier sind so offen und integrieren dich sofort, wenn du danach fragst. Eine Sache die ich an der spanischen Mentalität so liebe. Da ich nicht so eine bin, die sich allen anpasst und so ist wie alle anderen, dachte ich es wäre schwieriger für ich Freunde zu finden, aber das war wirklich ziemlich einfach. Auch wenn eine Freundschaft Zeit braucht zum Wachsen, war der Grundstein dafür bei mir ziemlich schnell gelegt, worüber ich sehr glücklich war.

Mein erstes und bisher einziges Rotary-meeting lief gut. In meinem Club sind noch 3 weitere Austauschschülerinnen aus Finnland, Belgien und den USA. Die Rotarier waren sehr interessiert und offen und haben mir viele Fragen zu meiner Kultur gestellt. Auch mit meinem Counselor habe ich mich sehr gut verstanden. Wir haben Vorträge von Rebounds über ihr Jahr im Ausland gehört, was mich sehr beeindruckt hat und mir noch einmal ein bisschen eine Idee gegeben hat, was mich in diesem Jahr erwartet.

Die Ausflüge mit meiner Gastfamilie waren immer superschön, ich habe wunderschöne Landschaften gesehen und bin mit meiner Gastfamilie und meinem Gastland und seiner Kultur immer weiter zusammengewachsen.

Heimweh hatte ich noch kein einziges mal und vermissen tu ich bis jetzt nur das deutsche Brot…Das mag jetzt vielleicht kühl und ein wenig gemein gegenüber meiner Familie und Freunde klingen, aber ich erlebe hier soviel neues und ständig sind neue Menschen um mich herum. Ich versuche offen durch die Welt zu gehen, auf die Menschen zuzugehen, alles aufzunehmen was man mir zeigt und aktiv an Gesprächen teilzunehmen, dass ich noch gar keine Zeit dazu gefunden habe, irgendwas oder irgendwen zu vermissen. Aber ich bin mir sicher, dass das noch kommen wird. Natürlich ist das alles auch sehr anstrengend, weshalb ich sehr müde und dadurch etwas vergesslicher und unorganisierter als sonst bin.

Momentan kümmere ich mich um meine Freizeitgestaltung, mache bei den Vorbereitungen für das Weihnachtsheater von Jugendlichen in meinem Dorf mit, suche Katalan-Sprachkurse, einen Karateclub oder eine Tanzschule und kümmere mich um Gesangs- sowie um Klavierunterricht, was hier schwieriger zu finden ist als gedacht, da Musk leider nicht so gefördert wird wie in Deutschland und ich hier nicht, wie Zuhause, in einer Großstadt lebe. Nach meinem ersten Rotary- Meeting jedoch, hatte ich einen Kontakt zu einer Sängerin in der nächst gelegenen Stadt, wo ich auch in die Schule gehe, mit der ich mich getroffen habe und auch nach wie vor in Kontakt stehe und die mir Gesangsunterricht geben wird und mir den Namen eines Klavierlehrers gegeben hat, nach dem ich fragen soll.

Am Ende bin ich froh über meine Länderwahl und dass ich in Europa geblieben bin. Ich brauche meine Freiheit, meine Unabhängigkeit, möchte mich frei bewegen können und ich glaube da haben wir in Europa Glück. Hier gibt es viele öffentliche Verkehrsmittel mit denen ich nach Barcelona fahren kann, für einen Tag. Ich kann mich auch als Frau frei bewegen, ohne Angst haben zu müssen und werde nicht mal eben beklaut. Ich kann wenn ich wieder in Deutschland lebe viel einfacher meine spanischen Freunde besuchen und Kontakt halten. Darüber bin ich am Ende froh. Und die Kultur ist anders genug. Auch die Landschaft ist komplett anders, die Vegetation. Ich glaube jeder ist am Ende glücklich dort wo er gelandet ist. Man erlebt überall ein tolles Jahr, trifft tolle Menschen, erlebt viele Sachen. Das ist eine einmalige Chance, die ich auf jeden Fall so gut nutzen möchte wie ich kann und für die ich sehr Dankbar denen bin, die mir geholfen haben dies möglich zu machen! Es ist glaube ich egal wo man ist. Und jede Sprache ist eine Bereicherung für dein Leben. Katalan so gut wie Spanisch.

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