USA – 1. Bericht von Sarah

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Meine Reise begann am 14.08.2016. Ich pflege zu sagen, dass dies wie das Datum schon sagt kein „0815“-Tag wie jeder andere war, sondern (um mich an die amerikanische Schreibweise zu gewöhnen) ein „0814“-Tag. Ein ganz besonderer für mich, auf den ich schon seit den letzten Monaten gewartet habe. Mein Flug startete in Leipzig wo ich ein letztes Mal meine Eltern in den Arm nahm und mich verabschiedete. Natürlich war da ein klein Wenig Abschiedsschmerz involviert, meine Aufregung endlich in den USA anzukommen und das zu erleben wovon ich schon so lange geträumt habe überdeckte diesen aber schnell. Trotz der Tatsache dass ich alleine flog, klappte alles ohne jegliche Probleme. Von München nach Leipzig, umsteigen und von München ging es dann direkt zum Flughafen in Denver, Colorado.

Es war schon ein mulmiges Gefühl aus dem Flugzeug zu steigen und zu wissen dass man jetzt auf eine „fremde“ Familie treffen wird, die bis jetzt nur irgendwelche Namen auf einem Papier darstellten und bei denen man jetzt ganz einfach mal für die nächsten 4 Monate leben wird. Man in einem komplett anderem Land ist, und zudem alle eine andere Sprache sprechen. Doch wartete meine Gastfamilie schon ungeduldig auf mich und ich wurde herzlichst empfangen. Mit dem Auto ging es dann in die nur 30 Minuten entfernte Stadt namens „Boulder“ mit 100.000 Einwohnern. In mein neues Zuhause.

Am selben Tag noch sind wir zu Verwandten Abendessen gegangen und ich durfte gleich die komplette Familie meiner Eltern kennenlernen. Abends im Bett wurde mir dann erst bewusst dass ich seit mehr als 30 Stunden wach war (die Zeitverschiebung sozusagen einfach ignoriert habe) und mich in den Vereinigten Staaten von Amerika befinde.

Gleich in der ersten Woche teilte meine Gastfamilie mir mit, dass wir spontan für vier Tage auf ein Folks-Festival in Lyons ( eine Stadt in der Nähe) campen gehen. Klar kam ich mir am Anfang etwas unvorbereitet vor, aber ich dachte mir: „Sarah. Genau dafür bist du hier. Um spontan zu sein und einfach mal mit diesen „fast Fremden Menschen“ die nun deine Familie sind für vier Tage campen zu gehen und einfach mal was zu erleben!“ Dieses Festival bestand aus verschiedenen Konzerten u.a. Passenger und war sehr von der Hippie-Kultur geprägt. Im Endeffekt ein Erlebnis das ich nicht missen möchte und dass meine Familie und mich von Anfang an zusammenschweißte.

Das Eingewöhnen ging daraufhin ziemlich schnell. Mir wurde gezeigt wo sich alles im Haus befindet und nach ca. einer Woche meinten meine Gasteltern: „So. Die Zeit als Gast ist vorbei. Du lebst jetzt hier und bist Teil der Familie.“ Und so war es dann auch. Tisch decken und abdecken, beim Wäsche waschen, zusammenlegen und kochen helfen, Hund füttern, usw.

Nach kurzer Zeit Aufenthalt in den USA begann dann die Schule und schon nach wenigen Wochen war ein Alltag bzw. Tagesaublauf da. Wann muss ich aufstehen? Um wie viel Uhr verlasse wir morgens das Haus? Wo sind die Bushaltestellen u. Wann fährt der Bus? Selbst in meiner rießigen Schule mit ca. 2.500 Schülern, von der ich dachte ich würde mich nie in ihr zurecht finden, kenne ich mich allmählich ziemlich gut aus und weiß auch schon die „stillen Orte“ wenn man z.b. lernen möchte oder die Orte an denen immer was los ist. Und das nach nur einem Monat! Mit der Sprache klappte alles von Anfang an ausgesprochen gut und ich bekam viele Komplimente. (Auch wenn ich mir nicht sicher bin ob sich alle bewusst waren dass wir in Deutschland Englisch schon ab der 5.Klasse lernen.) Trotz alle dem merke ich jeden Tag wie sich mein Wortschatz vergrößert und ich täglich neues Vokabular dazugewinne. Auch das Aufeinandertreffen mit so vielen verschiedenen Leuten trägt einen großen Teil dazu bei, da ja jeder Mensch andere Worte verwendet um sich auszudrücken.

Die Schule ist großartig und genau so wie man sie sich vorstellt. Ich fühle mich jeden Tag wie in einem Film wenn der gelbe Schulbus an mir vorbeifährt oder ich die Locker in der Schule sehe. Außerdem ist die Schule nicht nur „lernen“, sondern auch mit soviel Spaß und anderen Aktivitäten verbunden. Man kann aus einer unglaublich großen Auswahl an Fächern wählen. Zum Beispiel habe ich im ersten Semester neben ernsteren Fächern wie Geschichte,Englisch oder Französisch auch Fotografie und Gewichte heben und im zweiten Semester Catering und Yoga.

Mein erstes richtiges amerikanisches Football-Game war auch richtig lustig und es ist toll zu sehen wie die Schüler den School-Spirit leben und mit Leib und Seele für ihre Schule und das Team brennen.

Freunde finden ist dafür ein schwierigeres Thema. Ich kenne schon viele Leute und werde oft von Leuten auf dem Gang mit „Hi Sarah“ begrüßt, obwohl ich gar nicht mal weiß wer sie sind. (Die Frage ist natürlich ob ich einfach sehr vergesslich bin mit den ganzen neuen Gesichtern und Namen jeden Tag, -oder ob es sich doch irgendwie herumspricht, dass man ein Austauschschüler ist.) Jedenfalls kann ich von Glück sprechen dass ich eine Lockerpartnerin (ein Mädchen mit der ich mir einen Locker teile) habe, die letztes Jahr ein Auslandsjahr in Italien gemacht hat und das „Austauschschüler-Dasein“ versteht. Sie hat mich ein wenig herumgeführt, mir viele ihrer Freunde vorgestellt und ist jetzt eine meiner „engsten“ Freunde hier.

Auch in meinen Fächern habe ich Freunde gefunden, nur ist manches etwas oberflächlich und es ist schwer eine richtige Verbindung zu jemandem aufzubauen und jemanden zu finden der dann auch außerhalb der Schule mit dir Zeit verbringen will. Oft bleibt es eben bei einem „It’s so amazing to meet you!“Aber das wird alles auf jeden Fall noch. Man kann ja nicht erwarten nach einem Monat schon einen riesigen Freundeskreis mit guten engen Freunden aufgebaut zu haben, ist ja logisch dass so etwas seine Zeit braucht.

Meine 1.Orientation war ein Wochenende in Longmont (eine Stadt in der Nähe) und ich übernachtete mit einer Austauschschülern aus der Schweiz in der Gastfamilie eines Mädchens aus Dänemark. Es waren wundervolle zwei Tage in denen wir in einem Vergnügungscenter waren, auf einem Reservard Paddleboarding und Kajak gefahren sind, BBQ hatten und u.a. auch Themen bezüglich der Regeln, Versicherungen usw. besprochen haben. Die Verbindung die man zu anderen Austauschschülern hat ist unbeschreiblich und wir (18 Austauschschüler) sind jetzt schon wie eine große Familie.

Für meine wirklich tolle erste Gastfamilie bin ich sehr dankbar und ich verstehe mich auch mit meinen zwei Gastbrüdern (16) und (14) super. Sie haben mir unglaublich geholfen mich hier einzuleben und mir alles gezeigt. Nicht zu vergessen der süße Hund „Cali“ und die Katze „Lucie“.

Hier in Boulder hat nämlich wirklich jeder einen Hund und die Stadt ist „tierverrückt“. Die Leute sagen mir immer „Du bekommst mehr Probleme mit der Polizei wenn du einem Hund etwas antust als einem Menschen.“ Allgemein ist Boulder überhaupt keine Stereotyp-Stadt. Die Leute hier sind sportlich sehr aktiv und man kommt teilweise schneller mit dem Fahrrad von A nach B, als mit dem Auto. Auch wird übertrieben viel Wert auf gesunde Ernährung gelegt.

Nach einem Monat und zwei Wochen die ich jetzt schon hier leben darf, fühle ich mich pudelwohl und kann gar nicht glauben, dass noch so viele weitere Monate mit wundervollen Erlebnissen auf mich warten. Alles in allem daher wirklich perfekt hier. (8.300 Kilometer entfernt von euch allen die ihr das lest.) Ein riesiges Dankeschön an meinen Rotary Club in Hof und meinen Distrikt 1880, die mir das ganze ermöglichen und mich mit vollem Einsatz unterstützt und vorbereitet haben. Danke!

Eure Sarah

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