Spanien – 4. Bericht von Paula

In meinen letzten Monaten habe ich noch einiges von meiner Liste an Dingen, die ich noch machen wollte, und Orten, die ich noch besichtigen wollte, „abgearbeitet“, und meine Sommerferien sind auch vollgeplant mit vielen Sachen, auf die ich mich schon sehr freue!!! Kurz nach meinem letzten Bericht begannen unsere Osterferien. An dem letzten Wochenende vorher gab es ein großes Tanzfestival mit vielen Tanzschulen der Region, wo auch ich mit meiner Tanzgruppe teilnahm. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben im großen Stadttheater getanzt, mit vielen anderen Jugendlichen.

Den Tag darauf bin ich zu meiner neuen Gastfamilie gezogen. In den ersten Tagen der Osterferien habe ich viel mit Freunden unternommen. Wir haben unter anderem den Geburtstag einer Freundin gefeiert, sind nach Barcelona gefahren und haben einen Escape Room besucht. Außerdem habe ich meine erste Gastfamilie nach langer Zeit wieder besucht. Wir hatten einen total schönen Tag zusammen und haben ganz lange über alles mögliche geredet. Ich hatte mich lange darauf gefreut, sie wiederzusehen nach 3 Monaten. Da meine erste Familie ein ganzes Stück weiter weg wohnt, hatte ich bis zu jenem Zeitpunkt keine Möglichkeit sie zu besuchen. Vor allem meine erste Gastmutter habe ich sehr vermisst.

An dem letzten Abend vor unserer Abreise bin ich mit meiner Gastmutter nach Vic gefahren und wir haben uns die Osterprozession angesehen, für die Spanien bekannt ist. Es war dunkel und wir standen mit vielen Menschen in einer engen Gasse. Vic hat viele römische Reste. Wir standen vor einem alten römischen Tempel, was dem ganzen ein schönes Ambiente gab. Alle redeten und warteten gespannt auf die Prozession. Dann hörte man von Weitem etwas über den Boden schaben. Die Menschen wurden immer leiser. Als die Prozession bei uns ankam, war nichts mehr zu hören. Alle waren still und man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Eine Stille, die mich wirklich sehr beeindruckt hat. Sie hielt an, bis der letzte der Prozession um die Ecke gebogen war. Die Prozession an sich verlief so ab: Die Menschen, die mitliefen, waren in drei Gruppen aufgeteilt: Römer, Musiker und Büßer. Zuerst kam eine Gruppe der Römer. Sie liefen in einem bestimmten Schritt und ließen ihr Sandalen einheitlich über den Steinboden schleifen, was eine etwas gruselige Atmosphäre entstehen ließ. Nach dieser Gruppe Römer kamen die Büßer. Ganz in schwarz gekleidet mit einer Mütze auf dem Kopf, ähnlich wie die des Ku-Klux-Klans. Unter ihnen und auch unter den Römern waren Kinder. Einige der Büßer liefen traditionellerweise Barfuß. Ein paar von ihnen trugen Eisenketten, Kruzifixe, große Steintafeln mit Bibelversen oder große Holzkreuze. Viele sah man auch mit Fackeln in der Hand. Zwischen ihnen sah man immer mal eine Gruppe Römer und auch ein Paar Musikergruppen. Es liefen mehrere Männerensembles mit oder Kapellen. Am Ende der Prozession kamen die Büßer mit großen Tischähnlichen Holzkonstrukten an. Eine von diesen Statuen zeigte Maria, die andere Jesus am Kreuz. Es brauchte mehrere Männer um diese große Statuen zu stemmen. Nach ca. einer Stunde war die Prozession vorbei und die Menschen fingen wieder an zu reden.

Am Tag danach bin ich mit der neuen Gastfamilie in den Urlaub zum Delta de l’Ebre gefahren. Ein Flussdelta im Süden Kataloniens, 2 Autostunden entfernt mit einer wirklich ganz anderen Landschaft. Es war wirklich schön, und auch mit der neuen Familie habe ich mich gut verstanden.

Nach unserer Wiederkehr hatte ich zwei Wochen Schule, bevor eine Reise mit dem Multidistrikt Spanien bevorstand: Wir wollten die letzten 100km des Jakobsweges bis nach Santiago de Compostela wandern. Ich hatte mich bereits in den vorherigen Wochen darauf vorbereitet und bin viel mit beiden Gastfamilien gewandert. Wir (alle Austauschschüler, die von Barcelona teilnahmen) sind also mit dem Bus nach Madrid gefahren, wo wir auf verschiedene Gastfamilien verteilt wurden. Von dort aus sind wir am nächsten Morgen zusammen mit allen anderen Austauschschülern mit unserem Reisebus bis nach Galizien gefahren. Wir waren insgesamt etwa 50. Viele von ihnen kannte ich bereits von dem Treffen im September. Wir hatten uns natürlich viel zu erzählen… Am Abend kamen wir in Samos an, wo wir zu Abend aßen und unsere Rucksäcke und alles vorbereitet haben, damit wir am nächsten Morgen früh loswandern konnten.

Nach unserer Wiederkehr hatte ich zwei Wochen Schule, bevor eine Reise mit dem Multidistrikt Spanien bevorstand: Wir wollten die letzten 100km des Jakobsweges bis nach Santiago de Compostela wandern. Ich hatte mich bereits in den vorherigen Wochen darauf vorbereitet und bin viel mit beiden Gastfamilien gewandert. Wir (alle Austauschschüler, die von Barcelona teilnahmen) sind also mit dem Bus nach Madrid gefahren, wo wir auf verschiedene Gastfamilien verteilt wurden. Von dort aus sind wir am nächsten Morgen zusammen mit allen anderen Austauschschülern mit unserem Reisebus bis nach Galizien gefahren. Wir waren insgesamt etwa 50. Viele von ihnen kannte ich bereits von dem Treffen im September. Wir hatten uns natürlich viel zu erzählen… Am Abend kamen wir in Samos an, wo wir zu Abend aßen und unsere Rucksäcke und alles vorbereitet haben, damit wir am nächsten Morgen früh loswandern konnten.

Am nächsten Morgen ging es früh los. Da wir hauptsächlich gewandert sind und es mehr Eindrücke und Gespräche waren als Aktivitäten oder ähnliches, kann ich hier nicht viel berichten. Dadurch hört es sich vielleicht ein wenig langweilig an, aber das war es in keinster Weise. Wir sind jeden Tag etwa 25 km gelaufen.

Am ersten Tag sind wir durch pralle Sonne gelaufen, wodurch sich viele einen Sonnenbrand geholt haben. Mittags sind wir an unserem Ziel angekommen. Wir waren in einer Jugendherberge mit Pool, und so haben wir alle unseren freien Nachmittag genutzt um uns abzukühlen, Karten zu spielen etc.

Am zweiten Tag hat es wie aus Kübeln geregnet. Wir wussten, das wird keine leichte Etappe. Am Ende der Reise jedoch muss ich sagen, es war der Tag der mir am meisten gefallen hat. Obwohl oder gerade wegen dem Regen. An diesem Tag liefen wir durch wunderschöne Landschaften. Mit grünen Hügeln, Dörfern mit alten, bemoosten Steinhäusern und überall am Wegrand standen Steinmauern. Wir liefen durch Wälder, die aussahen wie aus dem Märchen. Immer wieder kam die Sonne durch und nach 15 Minuten fing es wieder an zu regnen. Wir hatten auch mehrere Etappen mit viel Wind. Am Ende, um zu dem Dorf, wo unsere Herberge war, zu gelangen, mussten wir eine lange Brücke über einem Fluss bewältigen. Es hat so sehr gestürmt, dass es mich mehrmals fast über das Geländer geweht hätte. Ich habe versucht zu rennen, während ich mich am Gitter festhielt. Am Ende sind wir total durchnässt, müde, aber sehr glücklich an der Herberge angekommen. Innerhalb der nächsten 1 1/2 Stunden kamen auch die anderen eingetrudelt. Unsere Herberge war ein einziger großer Schlafsaal mit 200 Betten, was auch mal eine Erfahrung war… Nachmittags haben wir viel geredet, das Dorf erkundet und Stempel gesammelt für unseren Pilgerausweis. Die restlichen Tage verliefen ohne Regen, mit angenehmem Wanderwetter. Ich hatte viele schöne Gespräche mit ganz unterschiedlichen Menschen auf dem Weg. Stückweise bin ich auch alleine gelaufen, was ich ebenfalls sehr genossen habe. Diese Reise und diese Erfahrung hat uns alle sehr zusammengeschweißt und ich habe viele Freude gefunden.

An unserem letzten Wandertag sind wir 35 km gelaufen, was uns alle sehr angestrengt hat. Wir waren alle hundemüde und hatten Muskelschmerzen als wir ankamen. Natürlich kam auch niemand ohne mindestens eine Blase an… Am nächsten, unserem letzten Tag, sind wir die letzten 5 km nach Santiago gelaufen, haben die Pilgermesse in der Kathedrale besucht, haben Santiago besichtigt, unsere Urkunde bekommen, und sind dann nach Finisterre gefahren. Ein Leuchtturm am westlichsten Punkt Europas, der früher als Ende der Welt bezeichnet wurde. Danach verbrachten wir unseren Abend am Strand in Finisterre.

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Madrid und von dort aus am nächsten Tag, nach einer sehr kurzen Besichtigung Madrids, wieder im Bus zurück nach Barcelona.

Wie bereits gesagt, es war eine einzigartige Erfahrung, die definitiv in meinem Herzen bleiben wird. Ich hatte super viel Spaß mit all den anderen Austauschschülern.

In den nächsten Wochen ging mein Leben erstmal so weiter wie bisher. Schule, mit Freunden treffen, Ausflüge mit der Familie…

An einem Wochenende habe ich mich mit den anderen Austauschschülern aus der Gegend getroffen und wir sind nach Girona gefahren, einer meiner Lieblingsstädte. Dort wurde nämlich eine Art Festival veranstaltet, bei dem in der ganzen Stadt verschiedene Plätze, Innenhöfe, Häuser und Kirchen mit Blumen geschmückt wurden.

Ein anderes Wochenende bin ich mit meiner Gastfamilie in die Pyrenäen gefahren und wir sind hochgewandert, auf 3000 Meter wo ich Anfang Sommer, bei 30 Grad im Tal, mit meiner Gastschwester hoch oben eine Schneeballschlacht veranstaltet habe. Ein anderes nach Montserrat, ein Berg mitten in einer flachen Landschaft mit einer kuriosen Form und einem malerischen Kloster oben drauf und mit der Schule war ich in Tarragona, einer römischen Metropole.

Kurz: Ich habe meine Zeit richtig genutzt und noch einmal viel gesehen und erlebt.

Vor einigen Wochen hatten wir mit unserem Distrikt unser Abschiedstreffen in Santander, wo gleichzeitig eine große Rotary-Konferenz stattfand. Da mein zweiter Gastvater Rotarier ist und dort auch hinwollte, bin ich, statt in dem Bus mit den anderen Inbounds aus Katalonien zu fahren, mit ihm und seiner Tochter im Auto mitgefahren. Dadurch hatten wir auf der Hinfahrt sowie auf der Rückfahrt Zeit, um ein bisschen Sightseeing zu machen. Auf der Hinfahrt hielten wir in San Sebastián und auf der Rückfahrt in Bilbao. In Santander hatten wir eigentlich nur einen Tag. An diesem Tag sind wir in verschiedene Orte gefahren und haben uns diese angesehen. Leider hatten wir, wie in Kantabrien üblich, Regenwetter. An unserem letzten Abend haben wir in einer Runde zusammen gesessen bis spät in die Nacht und haben geredet. Der Abschied am nächsten Morgen fiel mir sehr, sehr schwer, weil ich nicht weiß, wen und wann und ob ich diese wundervollen Menschen wiedersehen werde. Vor zwei Wochen haben mich meine Mutter und meine kleine Schwester besucht. Sie waren 4 Tage hier, über ein Wochenende und angrenzende Feiertage. Ich habe ihnen Barcelona und Vic gezeigt, wir haben bei meiner ersten Gastfamilie zu Mittag und bei meiner zweiten Familie zu Abend gegessen. Am nächsten Tag sind wir mit der zweiten Gastfamilie an die Costa Brava gefahren. Die Begegnungen waren alle sehr schön und sehr herzlich. Meine Schwester hat sich sofort mit meinen Gastschwestern angefreundet. Natürlich gab es sehr viel zu erzählen… Der Abschied viel mir nicht schwer, weil ich ja wusste in einem Monat werde ich sie alle wiedersehen. Nachdem sie wieder abgereist sind bin ich zurück zu meiner zweiten Gastfamilie gewechselt, da ich in meinen Sommerferien bei ihnen wohnen werde und ich auch mit ihnen in einer Woche nach Menorca reise.

Mir kam mein Jahr viel kürzer vor als eingangs vermutet.

Ich habe so viele Erinnerungen gesammelt. Viele Orte, viele Menschen, viele Momente und Erinnerungen werden hoffentlich noch lange in meinem Gedächtnis bleiben. Negative Erfahrungen oder Erinnerungen habe ich zum Glück sehr wenige gesammelt. Doch ein Jahr komplett ohne negative Momente ist vermutlich unmöglich…

Ich freue mich auf Deutschland, meine Familie und meine Freunde. Vielmehr aber freue ich mich auf den Fakt, dass ich mich in Deutschland nach einem Jahr wieder komplett entspannen kann. Wie sehr man sich auch in die Gastfamilie integriert, wie sehr sie auch zu meiner eigenen Familie geworden ist, irgendwo im Hintergrund bleibt man ein kleines Stück Gast. Ich freue mich darauf, wieder laut Musik anmachen zu können zuhause, wenn niemand da ist, dass es ok ist wenn ich mal einen schlechten Tag habe, und dass ich mich ohne schlechtes Gewissen in meinem Zimmer zurückziehen kann. Dass ich nicht immer darauf bedacht sein muss, niemandem auf die Füße zu treten. Das hört sich vielleicht ignorant gegenüber meiner Familie in Deutschland an oder egoistisch, und das ist es auch ein Stück weit, aber ich denke, das ist ein ganz normales Bedürfnis, das wir alle haben und ich denke und hoffe, dass die, die mal für einen ähnlichen Zeitraum irgendwo zu Gast waren, mich verstehen können und ich hoffe, ich habe den anderen ein Stück verständlicher gemacht, wie anstrengend dieses Jahr doch ist. Es ist eben kein Jahr lang Urlaub, wie man von vielen zu hören bekommt. Es ist anstrengender als man es sich von außen vorstellt. Ich will mich auf keinen Fall beschweren, denn ich finde, es ist es absolut wert. Trotz dieser Vorfreude überwiegt aber alles in allem die Trauer. Die Trauer mein Leben hier zurückzulassen und nicht wieder aufnehmen zu können, wie ich es kann mit meinem Leben in Deutschland.

Das ist der große Unterschied. Man verlässt sein Zuhause in Deutschland für ein Jahr. Mir fiel das schwer. Aber man kommt zurück, führt sein Leben nach einer kurzen Unterbrechung weiter. Mein Leben in Spanien werde ich nicht weiterführen können.

Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass es ja zum Glück nicht weit weg ist, ein Flugticket gerade mal 40€ kostet und wir ja heutzutage alle Internet haben, aber natürlich wird es nie wieder so sein wie es jetzt ist. Menschen verändern sich, Orte verändern sich, ICH verändere mich. Und es ist anders, als Besucher zu kommen, als fest in das Leben und den Alltag anderer eingebunden zu sein.

Mein Abschied wird mir definitiv sehr schwer fallen und auch mein Start in Deutschland wird nicht leicht, denke ich.

Mein Leben in Deutschland wird anders. Ich habe Entwicklungen nicht miterlebt und auch ich bin nicht die selbe, die ich vor meiner Abreise war.

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