USA – 1. Bericht von Sarah

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28. August 2017 – Tag der Abreise

Früh um 6 hieß es für mich und meine Eltern aufstehen. Ein letztes Mal zusammen frühstücken, nochmal checken ob auch alles in den Koffern ist und schon kann die Fahrt losgehen. Unterwegs noch Oma und Opa mit einsammeln und in null komme nichts sind wir schon am Flughafen in Dresden angekommen.

Nach ein paar Komplikationen beim Einchecken (ich habe meine Flugtickets nach und von Montreal, wohne aber in den USA, habe ein US Visum aber kein kanadisches; da zwischen Hin- und Rückflug mehr als 3 Monate liegen hätte ich ein Visum gebraucht aber ich war ja nur auf der Durchreise) – wirklich sehr verwirrend – habe ich dann meine Tickets bekommen und die Koffer abgegeben. Ganz aufgeregt sind wir dann alle zusammen zur Aussichtsplattform gegangen, haben zugeschaut wie Flieger abheben und landen und nach meiner Maschine nach Frankfurt gesucht.

Als es dann 9:50 Uhr Zeit war zur Sicherheitskontrolle zu gehen wurde es dann doch schwer Abschied zu nehmen. Ein letztes Mal Oma und Opa fest umarmen und Mama Papa tschüss sagen.

Auch wenn ich sonst nicht so bin, schwer fiel es mir irgendwie schon. Mit Tränen – vor Trauer, aber vor allem vor Freude auf das Neue, was kommen wird – bin ich also durch die Sicherheitskontrolle. Mein Gesicht sah vielleicht etwas zu rot aus, jedenfalls durfte ich gleich darauf weiter gehen zum Drogentest… fiel natürlich negativ aus. Während ich auf das Signal fürs Boarding wartete, habe ich schnell noch ein paar Texte an Freunde und Familie geschickt und mich von allen verabschiedet.

Der Flug nach Frankfurt war kurz, das Flugzeug dafür voll wie sonst was. In Frankfurt angekommen, musste ich mich dann schnell orientieren und irgendwie meinen Anschlussflug nach Montreal finden. Das Terminal musste ich nicht wechseln – Glück gehabt – aber dafür stand mein Gate noch nicht an der Anzeigetafel und ich hatte nur noch etwa eine Stunde Zeit bis zum Abflug. Also noch kurz gewartet, angestellt zur erneuten Passkontrolle und dann nach der lange erwarteten Ansage zum Gate gerast, zum Boarding angestellt und mit dem Bus zum Flieger gefahren.

Während meines acht Stunden Fluges nach Montreal saß ich neben einen sehr netten, jungen Mann. Er kam aus Bangladesch, ist in Dubai aufgewachsen und studiert in Montreal. Mit ihm habe ich mich über 4 Stunden über allesmögliche unterhalten. Es war schon wirklich interessant. Er war ganz fasziniert von dem Rotary Abzeichen an meinem Blazer und wollte alles darüber wissen.

Als ich dann um 16 Uhr in Kanada gelandet bin (22 Uhr deutsche Zeit), habe ich mich natürlich zuerst bei meinen Eltern und Großeltern gemeldet, damit diese sich keine Sorgen machen. Auch in Montreal gab es beim Einreisen ein paar Missverständnisse wegen des nicht vorhandenem Visums aber das hat sich dann nach kurzem Erklären alles gegeben. Am Kofferband angekommen war dann die Spannung nochmal groß. Sind meine Koffer angekommen oder sind sie irgendwo in Frankfurt liegen geblieben? Nachdem ich eine halbe Stunde gewartet habe, hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben aber dann kam doch schon der erste Koffer in Sicht und ruck zuck war ich bereit, in mein Leben in Amerika zu starten.

Besonders herzlich empfangen haben mich dann meine Gastmutter und Gastschwester. Ich war so froh, nach 12 Stunden endlich bekannte Gesichter zu sehen und meine Gastfamilie persönlich, in echt kennenzulernen. Schnell jeder einen Koffer geschnappt, ins Auto gepackt und auf geht die Fahrt von Montreal in Kanada über die Grenze in mein neues zu hause nach West Chazy in den USA.

Hier angekommen habe ich dann auch gleich meinen Gastvater, die zwei Hunde und zwei Katzen kennengelernt. Ich liebe meine Gastfamilie von ganzen Herzen!

Eingewöhnung

Die Zeitumstellung war am Anfang so ziemlich das Schwierigste. Am ersten Tag bin ich um 3 Uhr nachts aufgewacht und wollte schon aufstehen, habe mich dann aber doch nochmal umgedreht und bis 6 geschlafen. Mit einer USA Flagge direkt von meinem Fenster und einen wunderschönen Sonnenaufgang habe ich gleich am ersten Morgen einen schönen Schnappschuss erzielt.

Kaum angekommen hieß es für mich gleich die Schule kennenlernen, Stundenplan erstellen, beim Volleyball vorstellen und danach einkaufen gehen.

Der Unterschied zwischen USA und Deutschland ist irgendwie krass aber irgendwie auch nicht. Beide Länder ähneln sich von der Mentalität und dem Charakter der Menschen her, wobei ich sagen muss, dass die Leute hier im Allgemeinen vielleicht etwas netter sind als in Deutschland. Zumindest kommt es so rüber. Dafür können Infrastruktur, Autos, Einkaufsmärkte und allgemein die Wohnsituationen hier alles übertrumpfen, alles ist so riesig, so monströs. Es ist wirklich gewöhnungsbedürftig aber nach ein paar Besuchen findet man sich dann zurecht.

In der Schule war es am Anfang recht schwierig sich zurecht zu finden (hab mich am ersten Tag vier mal verlaufen), Freunde zu finden, sich an die vielen, VIELEN Hausaufgaben zu gewöhnen. Ich sitze fast täglich 2 Stunden daran. Durch Volleyball habe ich aber schon einige Leute in meinen Klassen gekannt und konnte diese dann fragen. Alle sind wirklich nett zu mir, Lehrer wie auch Mitschüler. Im ersten Halbjahr belege ich U.S. History and Government, Algebra 2, College Biology, English 11, Regents Chemistry und Spanish 2. I

n den meisten Fächern verstehe ich fast komplett alles, bis auf den Großteil im Spanischunterricht (was ich zuvor nie hatte) und Fachbegriffe in College Biologie und Chemie aber das passt schon.

Sport ist besonders wichtig an meiner Schule, insbesondere Football (obwohl das Team wirklich nicht gut ist). Ich habe gleich in meiner ersten Woche hier ein Footballspiel zusammen mit meiner Gastschwester gesehen und war auch mit meinem Volleyballteam bei etlichen Volleyballspielen in unserer High School in Beekmantown aber auch in den Schulen der anderen Mannschaften. Dorthin fahren wir mit dem typischen, dottergelben Schulbus. Jedes Mal wird vor dem Spiel die Nationalhymne gesungen und bevor früh die Schule beginnt, stehen alle Schüler und sagen die “Pledge of Allegience“ auf.

Am Freitag (22. September) hatten wir Pep Rally in meiner Schule. Das heißt alle Schüler sind in die Sporthalle gekommen und die verschiedenen Sportteams haben sich vorgestellt. Mein Volleyballteam und ich haben einen Stomp (also stampfen und klatschen) aufgeführt, den die Footballspieler dann imitieren mussten. Es war echt wahnsinnig witzig und hat so viel Spaß gemacht!

Am darauf folgenden Tag war dann Home Coming Dance. Um ehrlich zu sein, habe ich es mir besser vorgestellt. Mit meinen Freunden zusammen hat es schon Spaß gemacht, war aber lange nicht so schön wie manche Feier in Deutschland. Auch die Musik war gewöhnungsbedürftig …. die ganze Zeit nur Rap. Da sind mir dann so einige peinlichen deutschen Schlagerlieder lieber.

Rotary

Mein Rotary Club – RC of Plattsburgh Sunrise – trifft sich immer dienstags früh um halb acht zum Frühstück. Bisher war ich bei drei Treffen dabei, habe die Mitglieder kennengelernt und den etwas lockereren Umgang und die etwas anderen Rituale erlebt. Vom verschiedensten Mitgliedern wurde mir angeboten, Zeit mit ihnen zu verbringen, wenn sie irgendwo hinfahren oder dass sie mich zum Meeting mitnehmen oder wieder nach Hause, beziehungsweise in die Schule bringen. Alle sind so nett und hilfsbereit und wie sich herausstellt, waren viele Rotarier früher in Deutschland stationiert, haben in Deutschland studiert oder waren im Urlaub, meist aber nur in Westdeutschland. Meinen Vortrag musste ich noch nicht halten aber ich denken mal, das wird demnächst auf mich zukommen.

Das beste Erlebnis bisher war das erste Inbound Treffen in der Nähe von Malone. Schon alleine die Fahrt dorthin war ein Abenteuer für sich. Eine Rotarierin aus meinen Club hat mich hingefahren, wir sind der Route gefolgt die uns Google angezeigt hat und schließlich auf einem Waldweg gelandet. In der Hoffnung dass es nur ein kurzer Abschnitt ist und wir bald wieder auf eine normale Straße kommen, sind wir also weitergefahren … aber keine Straße weit und breit. Eine neue Route konnte man auch nicht suchen, da es absolut keinen Empfang gab. Im Endeffekt sind wir also 12 Meilen Huckelpiste durch den schönen bunten Laubwald gefahren, wenigstens die Umgebung hat sich gelohnt. Zwischendurch konnte man immer mal einen Blick auf den See erhaschen, es war einfach nur traumhaft.

Wir dachten schon wir kommen als letztes an aber wir waren mit die ersten. Die meisten Austauschschüler und Rotarier von meinem Distrikt leben in Kanada und haben eine längere Anreise und dazu noch Grenzkontrollen. Als dann also alle angekommen sind, war es schon abends halb elf und Zeit für ein Lagerfeuer mit Keksen, Schokolade und Marshmallows, kurze Spiele zum Kennenlernen und neue Freundschaften schließen.

Der erste richtige Tag war dann voller lustiger Beschäftigungen. Wir haben teambildende Spiele gemacht, waren in einem Hochseilklettergarten und hatten eine absolut tolle Zeit zusammen. Jeder hat jeden angefeuert und geholfen, wir haben alle zusammengehalten. Am selben Tag gab es auch nochmals Belehrungen zu den Regeln und schon war es wieder Zeit für ein Lagerfeuer. Viele waren erschöpft sodass es an diesem Abend nicht so lang ging, das hieß aber nicht, dass nicht die Gehirnzellen benutzt wurden. Rätsel verschiedenster Art wurden gestellt und gelöst. Mindestens die Hälfte habe ich immer noch nicht gelöst aber genau das hat den Abend irgendwie richtig schön gemütlich gemacht. 10 Austauschschüler, 4 Rebounds und ein paar Rotexer und Rotarier aus insgesamt 12 Nationen, die zusammen am Lagerfeuer sitzen. Ohne Handy mit nichts außer einem wunderschönen Wald um sich herum und einem wolkenfreien Himmel über den Köpfen… einfach nur herrlich.

Am zweiten und letzten Tag vom Wochenende ist eine kleine Gruppe an Austauschschülern, inklusive mir und zwei Rotariern, im anliegenden See baden gewesen. Der Ausblick war einfach nur idyllisch mit all den bunten Blättern, dem Wasser und einem kleinen Bootshaus nicht weit entfernt. Der darauf folgende große Programmpunkt an diesem Tag war, dass wir alle gemeinsam Zip-Line gefahren sind. Ich habe meine Kamera mit dabei gehabt und nachdem ich das erste, wirklich sehr lustige Foto geschossen habe, ist dann quasi ein „Wer-die-beste-verrückte-Pose-machen-kann-Wettbewerb“ entstanden. Wirklich sehr amüsant. Wir haben natürlich auch alle zusammen ein Gruppenbild gemacht und auch noch einzeln welche mit unseren Flaggen. Pins und Visitenkarten wurden ausgetauscht, Telefonnummern und alle möglichen Namen für diverse Social Media Plattformen ausgetauscht um sich dann zu hause gleich wieder zu finden und untereinander zu schreiben. Der letzte Akt des Tages war dann das Austeilen von Tickets für das „International Dinner“. Hier funktioniert es nicht so wie bei uns im District 1880, dass alle Austauschschüler einfach etwas kochen und Rotarier, die wollen, einfach kommen. Hier muss jeder Austauschschüler Tickets an Rotarier verkaufen, die dann in eine Lostrommel kommen und schließlich ein Gewinner gezogen wird und sein privates „International Dinner“ zu Hause mit 7 weiter Personen bekommt.

Traurig wurde es dann sich wieder von allen zu verabschieden. Gerade erst kennengelernt und schon wieder getrennt. Aber die Vorfreude ist groß, denn in 2 Wochen ist schon die District Conference, wo wir uns alle wiedersehen werden.

Wir sind insgesamt 11 LTEP Austauschschüler. 10 waren an diesem Wochenende dabei aus Frankreich, Italien, der Schweiz, Spanien, Dänemark, Brasilien, Japan und Taiwan… und natürlich Deutschland. Ein Inbound war leider noch nicht da. Er kommt aus Kolumbien und war in Texas zwischengelandet. Wegen Hurrikan Irma konnte er nicht weiterfliegen, ist aber die kommende Woche gut in seiner neuen Heimat gelandet.

Auf dem Rückweg hat mich meine Counselorin abgeholt und wir hatten eine wirklich sehr amüsant Heimreise, dieses Mal ohne Waldweg. Ein Wort, was sie von dieser Fahrt mitgenommen hat, war: Stinktier. Diese liegen irgendwie überall am Straßenrand.

Ich freu mich schon riesig auf die District Conference dieses Wochenende. Anbei sind noch ein paar Schappschüsse vom Wochenende. Ich hoffe ihr hattet genauso viel Spaß beim Lesen wie ich beim Erleben.

Um noch ein bisschen Klatsch und Tratsch zu verbreiten… in meiner Gegend dreht Ben Stiller zusammen mit Benicio del Toro, Paul Dano und Patrica Arquette seinen neuen Film „Escape at Dannemora“ über den überaus spannenden Gefängnisausbruch. Ich habe ihn leider nicht persönlich getroffen, dafür aber mein Gastvater auf Arbeit.

Liebe Grüße nach Deutschland

Sarah Kühne

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