Spanien – 1. Bericht von Anja

Am Freitag, den ersten September, bin ich mit einer kleinen Flugverzögerung am späten Nachmittag in Bilbao, Nordspanien, angekommen. Dort wurde ich herzlich vom RC Santander Sardinero und natürlich meiner Gastfamilie empfangen. Nach einer einstündigen Autofahrt entlang traumhafter Küsten oder nahe kleiner Gebirgszüge sind wir in Pontejos, dem Wohnort der Llama-Cortiguera-Familie, angelangt. In dem Haus mit Blick auf die Skyline von Santander wohne ich gemeinsam mit meinen Gasteltern Blanca (50) und Luis Miguel (50), ihrem Sohn Hernan (6) und der 88-jährigen Großmutter.

Mit dem Eingewöhnen habe ich mich anfangs entgegen meiner Erwartungen doch etwas schwergetan. Daraus entstand ziemlich schlimmes Heimweh, was zum jetzigen Zeitpunkt jedoch schon längst vergessen ist. Mit Schulbeginn habe ich jede Menge Gleichaltrige getroffen und einige neue Freunde gewonnen. In näherer Umgebung wohnen noch zwei weitere Austauschschüler aus den USA. Gemeinsam unternehmen wir hin und wieder etwas, wie etwa ein Kinobesuch oder seit neustem Flamenco-Kurse und Zumba! Mit meinen Schulfreunden habe ich schon gemeinsam deutsche Gerichte gekocht und wir unterhalten uns in den Pausen bzw. helfen uns gegenseitig. Meine Klasse ist sehr lebhaft, weshalb der Schultag – egal welches Fach oder Lehrer – nie langweilig wird. Was die Sprache betrifft, so habe ich schon große Fortschritte gemacht, allerdings bin ich über die ein oder andere Hilfe in englischer Sprache sehr glücklich. Zum Üben nehme ich mir verschiedene Kinderbücher, aber auch Zitate und an meinem Kleiderschrank häufen sich die Post-Ist mit neuen Vokabeln.

Bisherige Höhepunkte: Ich habe mich im Surfen ausprobiert, den Strand genossen, prähistorische Höhlen (Monte Castillo) besucht und war zu einem traditionellen Fest in den Bergen, wo die Kühe reich geschmückt von der Alm getrieben wurden. Zudem hat mich meine Gastfamilie mit auf eine Bootstour genommen und ich konnte bei den vielen Familienzusammenkünfte die Verwandtschaft der Familie, die mich so liebevoll aufgenommen hat, kennenlernen. Mit Nuria (Counselor) treffe ich mich jede Woche mindestens einmal; jeden Montag nach der Schule bin ich zum Mittagessen eingeladen. Zudem durfte ich an einem Wochenende mit auf das Landhaus der Familie und wir waren gemeinsam wandern.

Ich wohne zwar in Pontejos, fahre aber jeden Tag mit dem Zug nach Santander zur Schule bzw. mit dem Fahrrad bis zum nächsten Bahnhof in Astillero. Santander ist eine wunderschöne Stadt – sehr posh. Beim Entlanglaufen der Promenade oder beim durch die Gassen Schlendern entdecke ich immer wieder neue gemütliche Cafés, interessante Läden oder beeindruckende Street Art. Insbesondere gegen zehn am Abend, wenn sich die ganzen Leute in den Tapas-Bars tummeln und sich alle in den Fußgängerzonen zusammenfinden, bekommt die Stadt einen besonderen Charme. Zudem liegt mir die spanische Mentalität sehr(!): Ein bisschen später aufstehen, ein bisschen später zu Bett gehen bzw. überhaupt erst nach Hause kommen und das Leben etwas entspannter nehmen, eben genießen. Dazu gehört natürlich auch die Siesta, die ich mittlerweile fest in meinen Tagesablauf aufgenommen habe!

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