Chile – 1. Bericht von Cosima

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Vor 40 Tagen habe ich mich am Berliner Flughafen von meiner Familie verabschiedet, um ein Jahr fernab von meinem gewöhnlichen Leben zu verbringen. Schon vor meinem Abflug wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, der meinen Rotary Blazer bemerkte und mir erzählte, dass er vor 5 Jahren ein Auslandsjahr in Brasilien verbracht hatte.

Am Pariser Flughafen traf ich endlich auch die anderen Austauschschüler, aus Deutschland, Frankreich und Dänemark. Keiner von uns konnte schon wirklich realisieren, dass wir auf dem Weg in ein neues Leben waren und die Aufregung wuchs mit jedem Kilometer, den wir mit dem Flugzeug zurücklegten. Viel geschlafen hat wahrscheinlich keiner im Flugzeug, jedoch waren wir kein bisschen müde, als wir in Santiago ankamen, wo uns schon Rotexer erwarteten und uns willkommen hießen. Alle Austauschschüler aus meinem Distrikt waren dort, außer einem Mädchen aus den USA, deren Flug gestrichen wurde (sie kam einen Tag später an).

Zusammen flogen wir noch ein letztes mal nach concepcion um dort in den Bus zu steigen und nach Salto de lacha zu fahren, wo wir unser erstes Orientation-Wochenende verbrachten.

Neben Informationsrunden und Cueca Tanzstunden (Nationaltanz) lernten wir die anderen Austauschschüler kennen, tauschten Nummern aus und stehen immer in engem Kontakt, um Erfahrungen auszutauschen. Sonntag Nachmittag wurde ich, wie die meisten anderen, von meiner Familie abgeholt, und zusammen mit einer anderen Austauschschülerin aus der Schweiz und ihrer Familie gingen wir erst eimal essen.

Anfangs konnte ich noch nicht wirklich Spanisch, aber meine kleine Gastschwester (13) übersetzte viel für mich ins Englische und half mir somit, mich mit meiner Familie zu verständigen. Alle geben sich sehr Mühe mir Spanisch beizubringen, sie sprechen langsam mit mir und wiederholen, wenn ich etwas nicht verstehe. Den darauffolgenden Montag ging ich gleich zur Schule in der mich meine Klasse schon mit einem Frühstück erwartete. Den ganzen Vormittag war meinetwegen kein Unterricht und so hatte ich viel Zeit, um meine Mitschüler kennenzulernen, die alle sehr offen sind und mir viele Fragen stellten. Allerdings habe ich auch nach über einem Monat immer noch Probleme mir alle Namen der 47 Personen meiner Klasse zu merken. In meiner Schule sind noch zwei andere Austauschschüler von Rotary, ein Mädchen aus Dänemark und ein Junge aus den USA. Außerdem sind noch eine Deutsche, eine Schweizerin und ein Amerikaner in meiner Stadt, allerdings gehen sie auf eine andere Schule.

Zu Hause verbringe ich sehr viel Zeit mit meinen Schwestern (10,13), die ich wirklich ins Herz geschlossen habe. Wir gehen zwei mal die Woche Schwimmen und außerdem gehe ich noch mit zwei Freunden aus meiner Klasse und der Dänin zum Volleyball in der Schule. Auch am Wochenende unternehme ich viel mit meinen Freunden, oft werde ich eingeladen und manchmal kommen sie auch zu mir. Anfangs musste ich mich etwas daran gewöhnen, nicht so selbstständig zu sein, denn dadurch, dass wir auf dem Land wohnen, werden wir immer überall hingebracht und auch wieder abgeholt. Dafür haben wir einen riesigen Garten mit verschiedensten Obst- und Gemüsesorten und eine Blaubeer- und Kiwiplantage, auf der auch mein Vater arbeitet.

Mit meinem Counselor und seiner Frau habe ich schon einmal in einem Café gegessen und wir verstehen uns sehr gut.

Der 18. September ist der Nationalfeiertag Chiles und alle bereiten sich schon gefühlt Wochen vorher darauf vor. Schon letzte Woche hatten wir keinen richtigen Unterricht mehr in der Schule, sondern nur noch Aktivitäten und Spiele, wie Fußball und Basketball, aber auch Wettessen/-trinken, Sack-hüpfen und vieles mehr. Außerdem hat jedes der 4 Teams (ein Team besteht aus 4 verschiedenen Klassen) ein Land vorgestellt, mein Team natürlich Deutschland. Vorgestellt heißt, wir haben zusammen Essen gekocht und einen Stand dekoriert, um gegen die anderen Teams zu gewinnen. Außerdem gab es als Höhepunkt noch einen Tanzwettbewerb, in welchem wir einen bayrischen Volkstanz tanzten. In dieser Woche lernte ich viele Leute außerhalb meiner Klasse kennen, mit denen ich jetzt gut befreundet bin.

Am Wochenende vor dem 18. haben wir uns mit allen Austauschfamilien meiner Stadt getroffen um zu essen und Cueca zu tanzen, die Übungsstunden beim Orientation-Wochenende haben sich hierbei ausgezahlt. Außerdem kamen uns noch unsere Cousins besuchen, da der 18. normalerweise ein Fest mit der Familie ist und viele diese Gelegenheit auch nutzen. Natürlich wird am 18. viel getanzt, aber hauptsächlich wird gegessen, meine Schwester hat mir erzählt, dass viele in den drei Tagen ungefähr 3-4 Kilo zunehmen. Auch ich fühle mich nach den Feierlichkeiten etwas schwerer, aber meine Mutter hat mir versprochen in den nächsten Wochen das Essen etwas zu rationieren. Anfangs merkt man es gar nicht, aber das Essen unterscheidet sich doch ziemlich von dem in Deutschland.

Alles in allem kann ich jedoch sagen, dass ich mich sehr wohlfühle in Chile. Sowohl in meiner Gastfamilie, als auch unter Freunden und den anderen Austauschschülern. Ich habe mich inzwischen an mein neues Leben gewöhnt und verspüre auch überhaupt keinen Drang zurück nach Deutschland zu gehen.

Ich glaube an dieser Stelle ist es auch angemessen mich noch einmal für die Chance ins Ausland zu gehen und die Unterstützung, die ich hier erfahre zu bedanken.

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