Chile – 1. Bericht von Leticia

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Ich kann es kaum glauben, dass heute mein einmonatiges Jubiläum in Chile ist! Heute vor einem Monat ging für mich die große Reise los. Damals wusste ich nicht was auf mich zukommt und jetzt habe ich schon so viel erlebt, gesehen und gelernt wie nie in meinem Leben zuvor. Rückblickend kommt es mir so vor, als wäre ich gerade mal eine Woche hier, weil jeden Tag etwas Neues und Aufregendes passiert und es sich so anfühlt als würde die Zeit viel schneller vergehen. Als ich für den Bericht den Beginn meines Auslandsjahres reflektiert habe, fiel mir auf, dass man es für Außenstehende wohl am besten mit Baden im Meer vergleichen kann. Chile ist in dem Fall der wilde Ozean und meine Familie der kuschelig, warme Bademantel. 

Beim Baden gehen kostet es am Anfang viel Überwindung, sich vom warmen Bademantel zu trennen und die ersten Schritte ins kalte Wasser zu setzen. 

Auch mich hat es viel Überwindung gekostet, mich dafür zu entscheiden ein Jahr nach Chile, in ein völlig fremdes Land mit anderer Kultur, Sprache und ohne meine Familie zu reisen. Ich kann nicht sagen, dass mir der Abschied am 17.08.2018 von meiner Familie leicht fiel, aber ich bereue kein bisschen, diesen großen Schritt in den mir noch unbekannten Ozean gewagt zu haben. 

Wenn man beim Baden im Meer seine ersten Schwimmzüge macht, braucht man Zeit um sich an die kalten Temperaturen zu gewöhnen und schaut auf zum Ufer und dem warmen Bademantel zurück.

Nach 16 Stunden problemlosen Flug kam ich in Coquimbo, meiner Stadt im Norden Chiles an und wurde von meiner Familie ganz herzlich mit großem Banner und vielen Umarmungen empfangen. Diese offene und herzliche Art der Leute hat mir sehr geholfen, nicht zu oft an meine Familie in Deutschland zu denken und mich schnell an meine neue Umgebung und Familie zu gewöhnen.

Natürlich kommen einem im Ozean auch mal kleinere oder größere Wellen entgegen, aber da heißt es einfach drunter durchtauchen.

Von größeren Wellen, wie Heimweh, wurde ich noch nicht konfrontiert, aber kleineren Wellen begegnet man in seinem Auslandsjahr immer wieder. Zum Beispiel musste ich mich an die große Menge Fleisch, die es zu jeder Mahlzeit gibt, und an den Tagesablauf der Chilenen gewöhnen. Hier gibt es am Wochenende Frühstück um 12:00 Uhr, Mittag um 17:00 Uhr und Abendbrot um 22:00 Uhr, aber auch damit konnte ich nach ein paar Wochen umgehen. Die größte Welle, der ich bis jetzt begegnet bin, ist die Sprache. Das chilenische Spanisch ist sehr schnell, aber meine Familie hilft mir viel dabei, die Sprache zu lernen. Anfangs war es für mich, trotz Spanischsprachkurs (in Deutschland), schwer, überhaupt etwas zu verstehen und da meine Gasteltern nur Spanisch sprechen, fiel es mir zu Beginn noch schwerer, mich auszudrücken. Mittlerweile kommt es mir immer mehr zugute, dass sie außer Spanisch keine weitere Sprache sprechen, weil ich so täglich aufs Neue dazu motiviert werde, fleißig zu lernen.

Wenn ich jetzt mein Auslandsjahr mit Baden im Meer vergleiche, kann ich sagen, dass ich an dem Punkt angelangt bin, wo man die ersten Schwimmzüge getätigt hat und man nicht mal daran denken möchte, das Wasser wieder verlassen zu müssen. Allmählich merke ich, wie ich Fortschritte in Spanisch erziele und es mir dadurch leichter fällt mit meinen Mitschülern in Kontakt zu treten. Da ich auf der „Deutschen Schule la Serena“ bin, können die Schüler mir gut mit Spanisch helfen und ich ihnen mit Deutsch. Der Unterricht geht normalerweise bis 16:00 Uhr und danach besuche ich täglich die Volleyball AG, die sehr gut ist und mir viel Spaß bereitet. Die Schüler sind alle sehr aufmerksam und offen und ich fühle mich sehr wohl.

In meinem Rotary Club sind noch zwei weitere Austauschschüler, die zeitgleich mit mir angekommen sind. Ein Mädchen aus Deutschland und ein Junge aus Tschechien. Mit beiden verstehe ich mich sehr gut. Dominik aus Tschechien wohnt ganz in meiner Nähe und bei seiner Familie bin ich immer herzlich willkommen. Rotary veranstaltet jeden Montag ein Clubmeeting und einmal im Monat ein Essen mit allen Mitgliedern. Gleich zu Anfang meines Auslandsjahres sind wir mit allen Austauschschülern für drei Tage zu einer Orientation nach Los Andes gefahren und hatten so die Gelegenheit uns besser kennen zu lernen.

Meine Counselorin von Rotary kümmert sich gut um mein Wohlergehen und ist immer für Fragen offen.

Abschließend zu meinem ersten Bericht kann ich sagen, dass ich mir keine schönere und aufregendere Stadt als Coquimbo hätte aussuchen können, ebenso hätte ich mir keine bessere Gastfamilie oder liebenswürdigere Schulklasse wünschen können.

Leticia Klose, Coquimbo Chile, 28.09.18

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