Japan – 1. Bericht von Emil-Malte

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Meine Reise nach Japan startete in Frankfurt. Hier kamen aber schon die ersten Probleme. Die Bundespolizei wollte eine Bestätigung meiner Eltern, dass ich die EU alleine verlasse. Diese hatte ich aber nicht, sodass die Polizei dann meine Eltern angerufen hat um zu erfahren, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Das hat dann auch geklappt und mir wurde gestattet die EU zu verlassen.

Der Flug war äußerst lang und schon das japanische Essen im Flugzeug bereitete mich auf mein Auslandsjahr vor – dachte ich.

Die Ankunft am Flughafen war sehr schön, denn ich wurde sehr herzlich Begrüßt. Der halbe Rotaryclub und die ersten drei Gastfamilien waren anwesend. Für mich war das alles ein wenig viel, denn alle wollten erstmal ein Foto mit dem Austauschschüler machen und ich war ein wenig geschafft von der langen Reise.

Als wir dann zu Hause ankamen, war alles ein wenig klein für mich. Darauf war ich ja gefasst, dass mein Zimmer kleiner sein würde als in Deutschland. Zum Vergleich, mein Zimmer in Deutschland ist 36 m2 groß und in Japan geschätzte 8 m2. Aber das ist kein Problem, eher ein Problem ist, dass hier generell alles ein wenig schmaler ist. So ist die Treppe sehr schmal und klein, so muss ich die Treppe immer ein wenig schräg runtergehen, damit mein Fuß auf der Stufe platz hat. Auch im Bad stoße ich immer wieder gegen eine Wand oder etwas anderes, aber ich amüsiere mich eher darüber, als dass es mich stört. Auch mit einer Schuhgröße von einer 43, die ja in Europa eher durchschnittlich ist, kann man hier in einem Schuhladen mal keine Hausschuhe in seiner Größe finden.

Das Essen unterscheidet sich wirklich sehr von meinem gewohntem Essen. Ich machte den Fehler, als ich am ersten Tag gefragt wurde, was ich essen wolle, mir traditionelles oder landestypisches Essen zu wünschen. Ich bekam die gesamte Breitseite der japanischen Küche ab. Sodass es mir die ersten Tage sehr schlecht ging, weil mein Körper sich erstmal an das neue Essen gewöhnen musste. Reis ist ja kein Problem, aber Japaner essen sehr viel rohen Fisch, rohe Garnelen, fermentierte Sojabohnen und andere unidentifizierbare Speisen. Glücklicherweise habe ich in Deutschland viele Vokabeln mit der Thematik „Essen“ gelernt, sodass ich auch im laufe der ersten Wochen oftmals wusste was ich esse, der Geschmack war aber dennoch ungewohnt.

Das Schulleben unterscheidet sich sehr von deutschen Schulen. Meine Schule ist sehr groß, es gibt zwar nur drei Jahrgänge, aber jeder Jahrgang hat ca. zehn Klassen. Ich bin im ersten Jahrgang in der achten Klasse. Außerdem gehen hier in eine Klasse vierzig Schüler. Somit sucht man hier interaktiven Unterricht vergebens, Frontalunterricht ist hier gang und gäbe. So wird hier auch Englisch unterrichtet, gesprochen wird nicht auf Englisch, sondern hauptsächlich auf Japanisch. Deshalb haben Japaner nicht nur eine schlechte Aussprache, sondern auch keine Erfahrungen mit der gesprochenen Sprache. Die englische Sprache wird hier eher als Wissen gesehen und nicht als Sprache für kommunikative Zwecke.

Die Schule beginnt hier 8.40 Uhr, somit für mich eine Stunde später als in Deutschland. Geht auch ca. bis 16.00 Uhr. Aber dann geht der Tag für japanische Schüler erst richtig los. Dann beginnen alle mit Klubaktivitäten. Und diese gehen dann auch noch mal ca. vier Stunden. Also beginnt und endet die Schule um acht Uhr. Für mich als Austauschschüler ist das kein Problem, ich muss mich nicht auf den Unterricht vorbereiten oder für eine Prüfung lernen. Meine japanischen Freunde aber schon. Deshalb verstehe ich noch nicht ganz wie das möglich ist, so viel Energie für die verschiedenen Tätigkeiten und Pflichten aufzubringen. Aber nicht nur die Schüler sind so, auch meine Gasteltern arbeiten im Durchschnitt länger als ich von Deutschland gewohnt war. Aber wenn dann mein Gastvater um 23.00 Uhr nach Hause kommt (und das obwohl er vor mir aus dem Haus gegangen ist), wird auch kein Wort über die Arbeit oder die Anstrengung verloren.

Ich besuche in der Schule seit neuem einen Tischtennis-Schulclub. Dieser ist täglich, von Montag bis Sonntag und das ca. vier Stunden am Tag. Das ist sehr ermüdend. Deshalb ist auch wenig mit Freunde treffen nach der Schule. Man hat Freunde in seiner Klasse und danach Freunde in seinem Schulklub. Danach ist der Tag vorbei. Also kann man sich hier seinen Freundeskreis nur bedingt auswählen. Das ist aber kein Problem, weil man sowieso nur mit Menschen mit den selben Interessen verkehrt. Sonst habe ich mich noch mit Inbounds aus meinem Distrikt getroffen.

Als Austauschschüler in Japan muss man auch keine Angst haben, keine Freunde zu finden. Denn als Europäer ist man hier etwas sehr besonderes. So wollten alle Schüler ein Foto mit mir machen, dass ist dann bei einer Schule mit über tausend Schülern etwas ermüdend. Da ich an meinem ersten Schultag eine Rede vor der ganzen Schule halten musste um mich vorzustellen, kennt auch jeder meinen Namen. Das erleichtert auch vieles, da so Schüler auf mich zugehen können. Auch andere Austauschschüler teilen meine Erfahrungen, dass alle ein Foto mit einem machen wollen.

Das erlernen der Sprache ist in der Schule sehr schwer, da hier sehr schnell gesprochen wird. Zudem sprechen die meisten Schüler auch nicht so höflich, wie es einem gelehrt wird. Somit erlerne ich neue Wörter eher mit meiner Familie, Wörter die wichtig für die allgemeine Verständigung sind, die oft im Sprachgebrauch verwendet werden. Diese Wörter muss man direkt aufschreiben, denn sonst vergisst man sie ganz schnell wieder, gerade wenn man nicht nur ein Wort am Tag lernt. Später kann man sich dann die Liste mit den neuen Wörtern anschauen und diese lernen.

Ich fühle mich sehr wohl in meiner ersten Gastfamilie und verstehe mich mit allen Familienmitgliedern sehr gut. Meine Gastschwester ist Rotexerin und spricht auch sehr gutes Englisch. Das erleichtert manchmal eine Konversation. Dennoch ist sie nicht immer zu Hause und auch wenn ich alleine mit ihr bin versuche ich mich mit ihr auf japanisch zu unterhalten. Zusammenfassend war es ein sehr toller Start in mein Auslandsjahr. Alle sind hier sehr freundlich und aufgeschlossen. Ich bemühe mich die Sprache weiter zu erlernen um mich besser zu verständigen.

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