Mexiko – 1. Bericht von Rebekka

Dienstag, 07.08.2018- An diesem Tag begann meine Reise ins Unbekannte. Nach einem emotionalen Abschied von meiner Familie ging mein erster Flug mit einer Stunde Verspätung in Richtung Frankfurt. Dort hatte ich einige Stunden Aufenthalt. Da der Flug von Frankfurt nach Mexiko-Stadt ein Gruppenflug mit allen anderen Austauschschülern, die auch in Mexiko ihr Auslandsjahr verbringen, war, habe ich in Frankfurt den Großteil der Anderen auch schon kennengelernt. Ich sage den Großteil, denn einige Austauschschüler haben den Flug verpasst wegen einer Vollsperrung des Terminals, von dem unser Flug startete. Um 15 Uhr hieß es dann endlich „ready for take-off!“ mit erneut mehr als einer Stunde Verspätung. Der Flug von Frankfurt nach Mexiko-Stadt dauerte etwa 12 Stunden. In Mexiko-Stadt gelandet, wurde ich sehr herzlich von meiner Gastfamilie empfangen. Doch die Reise war noch nicht zu Ende: Es standen noch fünf Stunden Autofahrt von Mexiko-Stadt nach Xalapa an. Nach 26 Stunden Reise und ungefähr 40 Stunden ohne Schlaf sind wir dann endlich in meinem 2. und neuen zu Hause angekommen, in Xalapa. Mittlerweile war es schon 1 Uhr nachts (Ortszeit) und somit bin ich hundemüde ins Bett gefallen.

In der ersten Nacht habe ich nur sehr wenig geschlafen, vermutlich aufgrund der Zeitverschiebung. Danach haben meine Gastfamilie und Ich gemeinsam gefrühstückt. An diesem Tag hatte die Schwester meiner Gastmutter Geburtstag. Somit haben wir den Tag mit -einem Teil- der Familie verbracht. Am Mittag habe ich meine erste mexikanische Mahlzeit gegessen. Und es stimmt, was mir schon so Viele erzählt haben: Mexikanisches Essen ist genial! Daher haben wir den Rest des Tages auch mit Essen, Quatschen und Brettspielen spielen verbracht. Die darauffolgenden Tage haben wir auch mit der Familie verbracht und weitere Geburtstage gefeiert. Bei meinem ersten mexikanischen Kindergeburtstag habe ich ebenso das erste Mal eine Piñata zerschlagen. Das gehört auf jeden Fall zu einem Auslandsjahr in Mexiko dazu!

Am ersten Wochenende habe ich dann meine ersten kleinen Ferien mit der Familie in Boca del Río, Veracruz an der Atlantikküste verbracht. Und dort ließ es sich auch sehr gut aushalten: Mit mexikanischem Essen (z.B. Tamales, Tacos, …), tropisch warmen Wetter und viel am Pool sowie Meer entspannen. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen 😀

Im Großen und Ganzen waren meine ersten Tage in neuer Umgebung wunderbar und ich habe mich sehr wohl gefühlt, obwohl ich am ersten Tag ein paar Male geweint habe.

In der zweiten Woche habe ich mich mit einigen Zuständigen von Rotary und anderen Austauschschülern im Rotary Club Xalapa getroffen und wir haben zwei Vorträge von Austauschschülern präsentiert bekommen, die bald ihr Auslandsjahr in Brasilien und in Deutschland antreten. Zum Abendessen gab es Tacos mit Gemüse, Käse und Schinken. Da ich mich aber vegetarisch ernähre, habe ich das Essen zunächst abgelehnt. Als der Kellner mich aber verwundert angeschaut hat und gesagt hat, dass im Taco doch nur Schinken enthalten ist, musste ich erstmal erklären, was man als Vegetarier isst und was nicht. Der Kellner war aber nicht der einzige Mexikaner, der offensichtlich nicht weiß, wie sich ein Vegetarier ernährt. Es gab schon einige Male dies bezüglich Missverständnisse.

Am darauffolgenden Freitag gab es ein Event in meiner neuen Schule, zu dem alle neuen Schüler eingeladen wurden, um sich untereinander und die Schule kennenzulernen, vor dem ersten Schultag.

Am darauffolgenden Wochenende fand dann eins meiner ersten persönlichen Highlights statt, seitdem ich in Mexiko lebe: Meine erste mexikanische Fiesta! Das hat echt Spaß gemacht. Und ja, es war auch so wie man es sich vorstellt: Mariachis sind aufgetreten, Salsa Musik und Reggaetón wurde gespielt und alle haben getanzt und gut gegessen bis die Feier um 1:30 Uhr nachts vorbei war. Ich freue mich schon auf die nächste Feier! Am Montag dem 20.08.2018 war der erste Schultag hier in Xalapa. Ich gehe hier auf eine Privatschule -In Süd- und Mittelamerika gehen alle auf eine Privatschule die es sich leisten können, denn oft besteht ein Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Schulen. Nicht nur das Schulsystem ist anders als in Deutschland, sondern auch der Unterricht, die Schüler und Lehrer und die Organisation des Schulalltags.

Im Allgemeinen ist es schon sehr verschieden in Xalapa zur Schule zu gehen wie in Nürnberg. Aber das heißt nicht, dass es weniger Spaß macht. Im Gegenteil, die Art der Mexikaner macht es mir einfach mich schnell einzufügen und einzufinden.

Nun möchte ich erstmal etwas loswerden: In der Vorbereitungszeit auf das Auslandsjahr habe ich mir nur gewünscht, dass ich während der Zeit in Mexiko, mein Spanisch verbessere, im besten Fall sogar perfektioniere. Während den drei Vorbereitungswochenenden mit Rotary in Deutschland wurde uns oft gesagt, wie glücklich der Großteil der Jugendlichen in deren Gastfamilien und Gastländern, … während des Auslandsjahres sei. Das war überhaupt nicht meine Erwartung. Doch -um nun zum Punkt zu kommen- genau dieser Fall ist eingetreten. Ich bin so unglaublich glücklich und zufrieden hier, wie es mir nie zuvor vorgestellt, geschweige denn erwartet hätte. Meine Gastfamilie hat mich von Anfang an so herzlich und mit offenen Armen aufgenommen, bis heute. In der Schule habe ich schnell so gute Freunde gefunden, so gute Freunde hatte ich nie zuvor! -Ich weiß gar nicht, wie ich Mexiko nur als 2. Länderwahl angeben konnte, denn mittlerweile habe ich dieses Land so in mein Herz geschlossen, sodass ich nicht mehr weiß, wie ich mich am Ende des Jahres wieder verabschieden soll. Ich möchte gar nicht daran denken. –

Aber nun möchte ich natürlich auch nochmal ein bisschen über die letzten Wochen erzählen. Mittlerweile ist die Schule schon in vollem Gange und die erste Klausurenphase ist gestern zu Ende gegangen. In den vergangenen zwei Wochen haben wir täglich eine Klausur geschrieben. Vielleicht fragen sich einige, wie es mit der Notenvergabe in meinem Fall ist: In meiner Schule hier bekomme ich wie jeder andere Schüler auch Noten in jedem Fach, sowohl mündlich als auch schriftlich. Doch da ich die 10. Klasse in Deutschland schon erfolgreich abgeschlossen habe, sind die Noten, die ich hier bekomme, nicht ausschlaggebend auf meine schulischen Leistungen in Deutschland. Somit brauche ich mir nicht so einen Druck mit den Noten machen.

Außerdem war meine Gastfamilie in den vergangenen Wochen einige Male mit mir in der Philharmonie in Xalapa anlässlich zum 90. Jubiläum, zum Unabhängigkeitstag Mexikos, … Gespielt wurde hauptsächlich klassische Musik teilweise mit mexikanischen Akzenten. Das war für mich das erste Mal das ich auf einem Konzert war, bei dem klassische Musik gespielt wird. Aber, wiederrum unerwartet für mich, hat mir auch dies gefallen. Anfang September war in Veracruz, das ist die Hafenstadt, in der ich auch schon in der ersten Woche nach der Ankunft mit meiner Gastfamilie war, das „Festival de las Velas“. Eine Woche lang machten im Hafen von Veracruz ungefähr sechs bis acht Schiffe (Großsegler) halt. Offensichtlich ist dieses Event ziemlich populär, denn -an dem Tag, an dem wir dort waren- waren dort um die 100 Tausend (!) Besucher. Dem entsprechend lange musste man in der Schlange anstehen, um auf eins der Schiffe gehen und von dort die Aussicht genießen zu können. Aber weil das Wetter so gut war, hat es mir echt gut gefallen hat. Dieser kleine Ausflug hat sich also wirklich gelohnt und ich würde es direkt nochmal machen.

Am 6. September fand ein Rotary-Projekt statt, das die Damen meines Rotary Clubs organisiert haben. Es wurde Geld gesammelt, um Kindern, die nicht die nötigen finanziellen Mittel haben, Rucksäcke mit Schulutensilien zu kaufen und ihnen zu schenken. Somit haben wir, die Rotary Verantwortlichen und die Schüler, uns in der Schule getroffen, wo wir sehr herzlich empfangen wurden. Nach einer kurzen Ansprache haben wir den Kindern und Jugendlichen die Rucksäcke übergeben. Deren Lächeln und funkelnde Augen zu sehen, hat meinen Tag gemacht! Ist es nicht schön, wenn man jemandem so einfach ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann?!

Am darauffolgenden Wochenende fand die erste „Orientation“ mit den anderen Austauschschülern aus meinem Distrikt statt. Nachdem wir am Freitagnachmittag gegen 16:30 Uhr losgefahren sind, und nach ungefähr zwei Stunden in Veracruz angekommen sind, wurden wir unseren Familien zugeteilt. -Einige Jugendliche wurden über das Wochenende in Familien untergebracht, so wie ich, andere in einem Hotel.- Am Samstag und Sonntag gab es Programmpunkte: Wir hatten eine Hafenbesichtigung, sind durch das Stadtzentrum spaziert und am Sonntag hatten wir einen Strandtag. Das war mein persönliches Highlight: Das Wasser war ungefähr 25-28 Gard warm und durchsichtig, ein Traum.

Ein Großteil der Austauschschüler kommt aus Brasilien, aber auch aus den USA, Indien, Taiwan, Belgien, Türkei, Schweden, … und natürlich auch einige aus Deutschland. Und wirklich Alle sind super nett, offen und gesprächsfreudig!

In der folgenden Woche war eins meiner persönlichen Highlights meiner gesamten Zeit hier in Mexiko: Meine Jahrgangsstufe ist mit einem Reisebus nach Mexiko-Stadt gefahren anlässlich der „Semana del Emprendedor“. Zwar war die Fahrt -die insgesamt übrigens um die 12 Stunden gedauert hat- anstrengend, aber da all meine Freunde aus der Schule dabei waren, ich nette Sitznachbarn und Gesprächspartner hatte, war die Fahrt gar nicht mehr so lange (;

Am 13. September hatte ein Freund und Klassenkamerade Geburtstag. Er ist so eine fröhliche, positive Person! -Es gibt zu wenige Personen, wie er, auf dieser Welt.- Also nochmal von ganzem Herzen: Alles Gute nachträglich zum Geburtstag! Seine Eltern hatten für ihn eine Überraschungsfeier nach der Schule organisiert, zu der dann fast die gesamte Jahrgangsstufe gegangen ist. Das hat wirklich Spass gemacht!

Am 16. September ist der mexikanische Unabhängigkeitstag, der sehr groß und ausgiebig gefeiert wird. Und das nicht nur innerhalb der Familie, sondern auch mit Rotary. So haben wir uns also alle getroffen im Rotary Club und gemeinsam zu Abend gegessen und gefeiert. Das war ein netter Abend gemeinsam mit den anderen Austauschschülern aus Xalapa und den Rotary Verantwortlichen.

Einige Tage darauf folgte ein weiteres großes Highlight: Mein 16. Geburtstag!

Nachdem ich morgens aufgewacht bin, habe ich das Geburtstagsgeschenk von meiner Mutter aufgemacht, das sie mir schon vor meinem Abschied in Deutschland gegeben hat. -Während ich das geöffnet habe, hatte ich einen kurzen emotionalen Moment, ich denke das ist verständlich (: – Danach ging es, wie jeden Tag, in die Schule. Ich habe mir schon vorgestellt, dass mir alle gratulieren werden, aber dass ich so empfangen werde, habe ich definitiv nicht erwartet 😀 -Das alles zu erzählen, würde jetzt den Rahmen sprengen-. Umso mehr habe ich darüber gefreut! 😀 Am Nachmittag habe ich dann die gesamte Jahrgangsstufe zum Feiern nach Hause eingeladen. Es war einfach ein wundervoller Tag, an den ich mich mit Sicherheit noch einige Male zurück erinnern werde.

!DANKE FÜR DIESEN BESONDEREN GEBURTSTAG!

Im Allgemeinen genieße ich hier mittlerweile jeden einzelnen Tag. Und ich hätte nicht gedacht, dass ich es mal sagen werde: Aber ich freue mich sogar so gut wie täglich in die Schule zu gehen, einfach weil die Leute dort so toll sind und ich mich wohl fühle!

Und zum Schluss möchte ich mich nochmal von ganzen Herzen bedanken, dass ich hier eine so unglaublich tolle Zeit verbringen und all diese Erfahrungen sammeln kann. Mir ist klar, dass es nicht selbstverständlich ist, mit 16 Jahren ein Auslandsjahr fern weg von zu Hause zu machen. Umso mehr schätze ich diese Möglichkeit. Vielen Dank an alle, die mir das ermöglichen, insbesondere an Rotary!!!

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