Taiwan – 2. Bericht von Cora

Schon mehr als vier Monate verbringe ich in diesem kleinen aber wunderbaren Land namens Taiwan. Jeder Tag vergeht wie im Flug, denn obwohl alles allmählich zur Routine geworden ist, ist es immer noch nicht selbstverständlich und es gibt immer noch so viel Neues zu entdecken. Ich habe kaum Langeweile, und die Zeit, in der ich mal nicht beschäftigt bin, nutze ich um auch mal einfach nur zu entspannen.

In der Schule verbringe ich inzwischen viel Zeit in der Bibliothek, wo ich ohne vom Unterricht abgelenkt zu werden, Chinesisch lernen kann. Wenn ich aber mit meiner Klasse im Unterricht bin, verstehe ich leider immer noch nichts, sodass ich dort auch meistens meine eigenen Sachen erledige, also ich mache Hausaufgaben für den Chinesischunterricht oder lese meistens. Ich versuche wirklich oft Gespräche mit meinen Klassenkameraden aufzubauen, jedoch ist das wirklich nicht leicht. Alle sind ziemlich schüchtern, sodass ich meistens alle möglichen Fragen stelle, sie aber immer nur antworten, aber nie selbst wirklich fragen. Das ist ein wenig schade, aber trotzdem mag ich meine Klasse, denn immer, wenn ich ein Problem beim Chinesisch habe, kann ich sie sofort fragen und sie geben ihr bestes mir zu helfen. Seit kurzem haben wir Austauschschüler an meiner Schule auch Unterricht, in dem wir lernen, wie man Ringe anfertigt und dürfen das ganze auch selber machen. Da meine Schule eine industrielle Berufsschule ist, werden wir in Zukunft eventuell noch mehr dieser Art von Unterricht haben.

Im Chinesischunterricht lerne ich mittlerweile wirklich viel dazu, denn wir wurden entsprechend unserem Level in neue Klassen sortiert. Alle anderen Austauschschüler in meiner Klasse sprechen wirklich sehr gut Chinesisch, sodass ich nicht nur von der Lehrerin, sondern auch von meinen Mitschülern lerne. Nach dem Chinesischunterricht und generell nach der Schule unternehmen wir Austauschschüler wirklich viel zusammen, oft gehen wir auf Nachtmärkte um etwas zu essen, manchmal gehen wir wandern oder erkunden neue Teile von Taipei, in denen wir immer noch nicht waren.

An den Wochenenden mache ich oft Tagesausflüge in die nahe Umgebung, oder jetzt in der Weihnachtszeit habe ich mich sehr oft mit Freunden getroffen, um zu backen oder ähnliches. Weihnachten wird hier aber leider gar nicht gefeiert, alles ist bloß dekoriert, aber es gibt keine Ferien und Heilig Abend gibt es auch keine Geschenke. So saß ich jeden Tag in der Schule, aber um ehrlich zu sein war das gar nicht so schlimm, weil ich überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung war. Natürlich habe ich die ganzen Traditionen mit meiner Familie in Deutschland vermisst, aber da ich weiß, dass ich das ganze nächstes Jahr wieder erleben kann, hatte ich überhaupt kein Problem mit Heimweh. Desweiteren habe ich mein eigenes Weihnachten zuerst mit Freunden gefeiert und dann an einem Abend auch ein bisschen mit meiner Gastfamilie. Von meiner Familie in Deutschland habe ich Stollen geschickt bekommen und meine Gastmutter hat Kartoffelsalat gemacht, sodass das auch ein sehr schöner Abend war.

Zukünftigen Austauschschülern kann ich nur empfehlen bevor sie in ihrem Gastland ankommen keine Hoffnungen zu machen, wie die Gastfamilie und alles sein könnte, sondern einfach ohne Erwartungen anzureisen, denn dann wird die Freude über all die wunderbaren Dinge, die man erlebt, umso größer. Auch die Sprache des Gastlandes schon im Voraus so gut wie möglich zu erlernen, öffnet einem hier Türen und es ist leicht ein gutes Verhältnis mit seinen Gasteltern aufzubauen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Rotary, meiner Familie und allen anderen nochmals bedanken, dass mir diese wunderbare Möglichkeit gegeben wurde. Ich kann mir momentan wirklich nichts Besseres vorstellen als hier zu leben.

Mit den besten Grüßen aus Taiwan

Cora

Schreibe einen Kommentar