USA – 4. Bericht von Leonard

Wenn ich auf mein Jahr zurückblicke, dann sehe ich viele großartige Momente. Manche waren mit Herausforderungen verknüpft, andere mit viel Unbeschwertheit und Freude. All diese Erlebnisse haben mich durchaus beeinflusst und geprägt. Mitunter ergreift mich ein mir bisher befremdlicher Stolz, dieses Jahr gemeistert zu haben. Irgendwie ist es erstaunlich nahezu ein Jahr in einem fremden Land verbracht zu haben, mit einer anderen Sprache klargekommen zu sein und das erste Mal ein Bewusstsein bekommen zu haben, wie schnell die Zeit verfliegt. Es war auf jeden Fall eines der besten Jahre meines Lebens. Auch wenn es gerade in Bezug auf Corona manchmal weniger glückliche Momente gab. Auf jeden Fall war es außergewöhnlich schön und ich bin in meiner persönlichen Entwicklung gewachsen und gereift. 

Corona brachte, wie den meisten Menschen weltweit, auch einen gravierenden Einschnitt in mein Austauschjahr. Auf keinen Fall wollte ich deshalb frühzeitig nach Hause zurückkehren, sondern diese Herausforderung gemeinsam mit meiner dritten Gastfamilie annehmen. Eine wirklich glückliche Fügung ist, dass ich einen gleichaltrigen Gastbruder habe mit dem ich mich gut verstehe und viel Zeit verbringe. Wir führen gemeinsam die Hunde der Familie aus, gehen Wandern, genießen die Sonne oder spielen am Abend auch einmal ein Videospiel. Nichtsdestotrotz fehlen mir meine Freunde und der direkte Kontakt zu meinen Mitschülern. Auch die Onlinebeschulung und das Erledigen der Hausaufgaben und Arbeitsaufträgen sind nicht so ganz mein Ding. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir die zu Hause zu erledigenden Aufgaben ins Unermessliche wachsen und ich die völlig überzogenen Vorstellungen einer Lehrerin ungern erfüllen mag. Nicht, dass ich es nicht könnte, nur die Sinnlosigkeit der Aufgaben macht es schwer. In einem direkten Kontakt könnte ich darüber diskutieren, in Mails habe ich keinen Nerv dazu. In der Anfangsphase von Corona hatte ich kein gesteigertes Bedürfnis sofort nach Hause zu wollen. Mittlerweile sind ja nun schon einige Wochen bzw. Monate in dem Ausnahmezustand vergangen und ein leichter Drang, doch wieder nach Hause zu wollen, macht sich breit. Es gab in dem Auslandsjahr Tage, an denen ich am liebsten nie wieder nach Hause hätte gehen wollen. Jetzt ertappe ich mich dabei, beherzt in den nächsten Flieger springen zu wollen. Gerade wenn meine Eltern Bilder von irgendwelchen coolen Ausflügen schicken, fällt es mir schwer hier festzuklemmen. Aber dann geht es wieder. Ich kann die Zeit dann doch genießen und mache das Beste daraus. Meine Gastfamilie ist wirklich phantastisch, so dass sich der Leidensdruck dann doch in Grenzen hält. 

Abgesehen davon sind die Flüge meiner Fluggesellschaft Condor bis Anfang Juli alle gecancelt, so dass ich eine vorzeitige Heimreise, zumindest mit Condor, nicht antreten kann. Trotz dieser schwierigen Zeit, habe ich auch witzige und schöne Momente während Corona erlebt und ob es in Deutschland wesentlich besser gewesen wäre, mag ich bezweifeln. Hier kann ich zumindest das Verhältnis zu meiner Gastfamilie vertiefen und die Sprache verbessern. Mein offizieller Rückflug ist am 17. Juli. Noch ist der Flug nicht gecancelt, es bleibt also spannend. Alle Erfahrungen, die ich in diesem Jahr sammelte, waren verschieden, haben mich auf ihre ganz eigene Art geprägt und hatten unterschiedlichen Einfluss auf mich. Glücklicherweise sind es gute Erinnerungen, auf die ich gerne zurückblicke.

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