Argentinien – 3. Bericht von Maria-Caroline

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Sehr geehrte Damen und Herren des Rotary-Clubs,

Ich habe hier in Argentinien noch genau 18 Tage übrig und es ist Zeit für den nächsten und vorletzten Bericht. Wie auch vorher gibt es wieder viel zu berichten.

Zuerst habe ich im Mai meinen Geburtstag gefeiert. Da ich in die Colonia Caroya gezogen bin, konnte ich meine Party in meinem riesengrossen Haus dort feiern. Mein neuer Gastpapa hat mir so eine Art “Überraschungsparty” organisiert. Ich hatte das so in kleinem Kreis vor. Da mein Papa Grösseres gewohnt ist, hat er gleich mal Essen und Getränke vom Großmarkt anliefern lassen und es kamen 30 Mann. Es war wirklich ein unvergesslicher Abend und ich bin meiner Familie sehr dankbar für das, was sie für mich gemacht haben, obwohl sie selbst sehr wenig Freizeit für sich und ihre Familie haben. Ich bin inzwischen wieder bei meiner ersten Gastmama Liliana und ich vermisse meine beiden kleinen Schwestern sehr. Ich habe mir ja mit der 12-jährigen, vorpubertären Schwester ein Zimmer und Doppelstockbett geteilt, was ich jetzt hier nicht habe. Wir hatten sehr viele lustige Gespräche und Erlebnisse zusammen und auch jetzt besuche ich sie öfter mal in der Colonia.

Dadurch, dass mir mehr oder weniger die Zeit weggelaufen ist, hab ich ein bisschen den Überblick über die Dinge verloren, die ich gemacht hab. Ein Glück hab ich immer fleissig Tagebuch geführt, was mir die Sache ein wenig einfacher macht.

Ich habe in der letzten Mail von meinen 3 Brüdern berichtet und dass sie in ernsten Schwierigkeiten gesteckt haben. Die Situation hat sich jetzt inzwischen ein wenig entschärft. Beide sind jetzt in psycologischer Behandlung, haben mit Schwimmen angefangen und sind auf dem guten Weg der Besserung. Unsere Beziehung hat sich nach dem Auszug auch noch verstärkt und verbessert, so dass es jetzt wieder gut mit allen läuft. Die einzige, zu der ich den Kontakt völlig abgebrochen hab, ist die Mutter.

Das nächste für mich wichtige Event war der Umzug zu Lili zurück. Sie hat sich nun endgültig von ihrem Freund getrennt und fühlt sich einsam. Sie war sehr traurig und ich musste sie ziemlich unterstützen und auch einige Launen ertragen, aber ich glaub, ihr geht es jetzt inzwischen schon viel besser. Mir tut es sehr leid, dass sie jetzt das gemeinsame Haus in La Granja verkaufen muss, an dem wir den ganzen Sommer rumgewerkelt und gearbeitet haben. Um das positive davon zu sehen, wird sie das Geld in eine Europa-Reise investieren und mich schon im August besuchen kommen. Ich fänd es sehr schön, sie Ihnen mal in einem Meeting vorzustellen. Ein paar Wochen danach müsste auch meine Schwester Mailen zu mir kommen, da sie die Erlaubnis bekommen hat, ihre Cousine in der Schweiz besuchen zu fahren und mal für ein paar Tage mit mir durch Deutschland fahren wird. Natürlich nur, wenn Rotary Elbland die Autorization gibt und es mir die Schule erlaubt, ein langes Wochenende zu nehmen.

Am 27. Mai ging es für mich auf die 2. Und letzte grosse Reise hier in Argentinien. Eigentlich wollten wir die schon im April machen, aber durch die Dengue-Pest (hier ist auch grad das Thema Schweine-Grippe ganz gross) wurde sie zum Glück auf Ende Mai gelegt.

Ich war erst nicht sicher, ob ich wirklich fahren soll, aber Lili hat drauf gepocht, dass ich fahre. Also bin ich gefahren- und ich hab es nicht bereut. Es war schön mal alle wiederzusehen J. Es waren viele neue Leute mit dabei: 2 Mädchen aus Südafrika, viele Mädchen aus den Staaten, Neuseeland und eine aus Australien. Sie haben sich innerhalb der ersten Stunden im Bus integrieren können, dass wir alles in Allem eine lustige Gruppe waren. Ich hab mich einer Gruppe deutscher Jungs angeschlossen, mit denen ich jede Menge Spass hatte. Vor allem, wenn wir darauf kamen, uns über die manchmal etwas eigenwilligen Bräuche in Argentinien lustig zu machen.

Die  erste Station war Mendoza. Das Hotel war unterster, argentinischer Standard, was aber nicht wirklich jemanden interessiert hat. Solange das Essen stimmt, ist immer alles in Butter. J Wir haben eine City-Tour gemacht und sind früh um 9 zur Weinprobe gegangen. Der Wein Mendozas ist einer der erlesensten der Welt, sagt man hier. Ich bin einfach noch nicht in dem Alter Wein zu trinken, denk ich, weil ich es jetzt nicht soo spektakulär fand.

Danach ging es nach Villa Union, bloss für eine Nacht, aber es war das schönste Hotel, was wir hatten. Es waren kleine Bungalows um eine Palme rundherum gebaut mit riesengrossen Panoramafenstern mit Blick auf die Berge. Wir hatten das erste mal warmes Wasser, saubere Handtücher  und ein Bett mit Kuscheldecken. Leider hatten wir nicht viel Zeit das alles zu geniessen, denn wir sind gleich anschliessend nach Cafayate weiter. Dort hatten wir auch viel Spass. Wir hatten dort viel Freizeit, also haben wir die meiste Zeit im Park gesessen (in dem einfach mal so Esel (!) frei rumgelaufen sind) und haben Gitarre gespielt, international bekannte Lieder gesungen und viel viel viel geredet. Wir hatten wieder eine Weinprobe, diesmal mit Besuch in der Ziegenfarm inklusive.

Nach ein paar Nächten ging es weiter nach Salta. Auf dem weg dorthin ging es zu den Inka-Ruinen „Quilmes“. Es war sehr beeindruckend die restlichen Mauern alter Indianer anzuschauen und zu hören, wie sie sich am Leben gehalten haben. Wir haben zahme Lamas gefüttert und sind eine Runde mit ihnen gelaufen. War auch mal ein nettes Erlebnis.

Salta als Stadt hat mich wirklich beeindruckt. Es war zufällig die Heimatstadt einer unserer Koordinatoren, die uns eine Menge über die 4 Unabhängigkeitskriege  Argentiniens im 19. Jahrhundert erzählt hat. Eine unserer Exkursionen ging nach Humahuaca. Es war ein kleines Bergdorf in einer 3.000m –Höhe, wo es nur von Strassenhändlern gewimmelt hat. Es war für uns ziemlich schlimm, die Armut dort zu sehen.  Überall wird nach nem centavos gebettelt oder es wird schlicht und einfach aus Verzweiflung heraus geklaut. Wir waren in einem Restaurant und, obwohl die Koordinatoren das essen bis aufs Blut verteidit haben, war da etwas schlecht. Also haben einen Tag darauf 15 Mann flach gelegen. Es musste ein Arzt kommen und uns allen eine Spritze in den Hintern geben, weil wir alle am erbrechen waren. Bei den Anderen hatte die ganze Sache sich nach einem Tag erledigt: nur ich hatte noch die nächsten 3 Tage mit Magenproblemen und Durchfall zu kämpfen. Nach einigen herrlichen Exkursionen mehr in die Sierras und den einzigartigen Talampaya-Nationalpark ging es dann endlich auf zur Endstation Iguazu. Wir haben alle nur auf die sagenumwobenen Wasserfälle gewartet, die wir dann auch an einem der letzten Tage gesehen haben.

In Iguazu hatten wir wieder eine Möglichkeit auszugehen, aber da ich mich immernoch mit meinem Verdauungssystem rumschlagen musste, fiel das mal wieder für mich aus. Umso mehr konnte ich am Tag danach Iguazu geniessen. Genau an dem Tag hatte der Wasserfall mal wieder Wasser, also haben wir jede Menge herrlicher Fotos schiessen können und waren ganz beeindruckt von dem Naturspektakel. Der grösste Fall  heisst „garganta del diablo“ (Teufelsschlund), wo der ganze Fluss um die 100m in die Tiefe fällt. Die Mehrheit ist auf eine Exkursion unter die wasserfälle gefahren, die mir persönlich vom Rotarier verboten wurde, dazu meinem Leiden dann noch eine Riesen-Erkältung hinzugekommen ist und der Ausflug im Bikini durchgeführt wurde. Mir ist bloss eine Erinnerungs-DVD geblieben, auf der ich jetzt natürlich nicht drauf bin L.

Am nächsten Tag sind alle ausser ich und die Austauschschüler aus den Staaten auf die brasilianische Seite der Wasserfälle gefahren. Ich musste natürlich mal wieder das Bett hüten und die aus den USA hätten $300 für 2h Brasilien bezahlen müssen. Och, was hätt ich dafür gegeben, einen fetzigen brasilianischen Stempel in meinem Pass zu haben…

Wir hatten noch einen Tag für uns und sind dann über die „Ruinas de San Ignacio“ wieder zurück nach Córdoba gefahren. Auf der einen Seite war es traurig für uns, weil die ersten schon auf ihren Koffern sassen, weil es direkt heimging. Für einige auf dem legalen Weg, weil es einfach Zei war, für die anderen auf einem eher unbequemen weg. Wir waren alles in allem eine echt nette Truppe, aber es gab auch bei uns einige schwarze Schafe. Unser überaus verständnisvolle und herzensgute (muss ich echt mal so sagen) Rotarier hat dann aber beim Marihuanakonsum keinen Spass mehr verstanden und musste glatt 3 Amerikaner heimschicken. Das war echt ein Schock für uns alle. Sie haben sich während der ganzen Reise nichts anmerken lassen und auf einmal stand dort der Rotary-Club mit Präsidentin und allen und hat sie heimgeschickt.

Meine Mami war total aus dem Häuschen, als ich wieder zu Hause angekommen bin. Ich glaub, sie hatte mich doch ein bisschen vermisst während der 2 Wochen. Umso verdutzter hat sie drein geschaut, als ich ihr verkündet hab, dass ich einen Tag darauf schon wieder nach Hernando wollte. Und ich bin gefahren. Da ich dort eine Menge Freunde hab und ein Deutscher vom Nordtrip dort wohnt, hab ich das gleich verbunden und Robert (anderer Austauschschüler aus Jesus Maria) kam gleich noch mit. Nach einer Abenteuerfahrt von 7h nach Hernando, für die man normalerweise nur 4h braucht, haben wir dort bis Samstag, wegen einem albernen Busstreik am Freitag, einen sehr schönen Aufenthalt gehabt. Der Sohn der Gastfamilie ist momentan in Deutschland und wird in der ersten Augustwoche mal in Riesa vorbeischauen. Es könnte gut möglich sein, dass er auch eine Bestätitung vom Club braucht, sonst lassen sie ihn nicht her. Muss ja alles seine Ordnung haben.

Am Samstag Abend bin ich auf eine Abschlussfeier nach Córdoba. Das Mädchen, was wieder zurück nach Deutschland geflogen ist, saß damals mit mir im Flieger nach Córdoba und war somit eine meiner ersten Freundinnen hier. Obwohl ich hundemüde war (und selbst jetzt immer noch bin), konnte ich mir das nicht entgehen lassen.

Sonntag hab ich mich mit meinen Freunden nach über 2 Wochen endlich wiedergesehen. Es war ein schöner, wenn auch gleich trauriger Empfang, weil mir jetzt nur noch ein paar Tage bleiben und ich gefühlstechnisch total nicht weiss, wo ich jetzt eigentlich hingehöre! Um es so zu sagen, bin ich wirklich sehr mit dem Land und vor allem mit den Menschen zusammengewachsen. Ich habe hier viele Freunde gefunden- vor allem ECHTE Freunde, mit denen ich durch jegliche Situationen gegangen bin und die mich vor allem am Anfang selbstlos mit allem unterstützt haben. Darauf bin ich sehr stolz und denjenigen von ganzem Herzen dankbar. Natürlich habe ich in den 9 Monaten meine Familie sehr vermisst, viele Nächte geweint, oft nicht gewusst, wie es ohne Mamis Unterstützung weitergehen soll. Aber ich hab die meisten Situationen allein gemeistert und kann doch sagen, dass ich in dem Jahr in vielen Dingen einen Fortschritt gemacht hab. Vor allem bin ich viel sozialer, offener für andere Meinungen geworden. Ich habe gelernt, geduldig zu sein (hier geht es ja nicht so schnell wie in Deutschland) und meine Sachen selbst in die Hand zu nehmen, wobei Liliana einen grossen Teil beigetragen hat. Am Ende bin ich jetzt nicht mehr die kleine „Prinzessin“, sondern jemand, der sich Ziele gesteckt hat, und diese mit aller Kraft erreichen will, um wieder die Möglichkeit zu bekommen, in dieses abenteuerreiche Land zurück zu kehren.

So weit, so gut…

Der letzte Bericht, wird einen Monat nach meiner Ankunft schriftlich oder in Form einer mündlichen Präsentation im Club erfolgen. Danke für ihre Unterstützung.

Mit lieben Grüssen vom anderen Ende der Welt, Argentinien

Maria-Caroline

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