USA – 1. Bericht von Leonard

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Als mich am 28. August meine Mutter am Flughafen in Frankfurt verabschiedete, war in mir Gefühlschaos. Mich begleiteten Gefühle von Angst, Unsicherheit, Trauer, aber auch Neugier und eine unglaubliche Vorfreude, als ich in den Flieger stieg. Als ich endlich an meinem Platz saß, den Check-In und die Pass-, Sicherheits-, Visum- und Ticketkontrollen hinter mir hatte, fiel die erste große Last von meinen Schultern und ich fühlte mich etwas erleichtert. Die erste große Hürde war genommen. Während des Fluges nahm ich Kontakt mit meinem Sitznachbarn auf und unterhielt mich ihm über Amerika. Dabei erfuhr ich einige Neuigkeiten über das Land, was im kommenden Jahr mein neues zu Hause werden sollte und die Zeit verging dadurch wie im „Flug“. Nachdem der Flieger landete und ich die letzte Visumkontrolle passierte, musste ich endlos lange auf mein Gepäck warten. Dabei schoss mir auf einmal durch den Kopf: „Hey, du bist jetzt in Amerika“. Meinen Gastvater Dan und meinen Counselor Rob fand ich schnell. Beide standen mit einem großen Schild da und nahmen mich herzlichst in Empfang. Nach ein paar kleineren Komplikationen saß ich kurz darauf im Auto und wir fuhren durch Seattle zur Fähre, die uns nach Poulsbo bringen sollte. 

Wie es ebenso sein sollte, verpassten wir diese knapp und Rob schlug vor, in der Zwischenzeit ein Eis essen zu gehen. Die Eisdiele war weiter entfernt als geplant. Doch ich war froh mich nach dem langen Flug etwas bewegen zu können. Dan wartete währenddessen im Auto. Entspannt, mein leckeres Eis genießend, schlenderten wir zusammen zurück zur Fähre. Auf einmal rief Dan aufgeregt an, dass wir uns beeilen sollten, da die Fähre bald wieder voll sein würde. Wir rannten los. Um Gewicht im Gepäck zu sparen, hatte ich meine schweren Wanderstiefel angezogen, was den sportlichen Einsatz bei dem Sprint erhöhte, aber wir hatten Glück und erreichten gerade noch rechtzeitig die Abfahrt. 

Anschließend durfte ich auf der Fährfahrt den wunderschönen Ausblick auf Seattle genießen. Als wir meine neue Wohnung erreichten verabschiedete ich mich von Rob und betrat mein neues Reich, welches für die kommenden drei bis vier Monate mein neues Zuhause sein sollte. Meine Gastmutter Barb begrüßte mich mit einem ausgesprochen leckeren Essen. Nachdem ich meine Sachen in meinem Zimmer sortiert hatte, fiel ich wie tot ins Bett. 

Am nächsten Tag erklärten mir Dan und Barbara einige wenige Regeln im Haus und zeigten mir den Dorfkern von Poulsbo. Die Kleinstadt liegt am Meer und man hat von da eine atemberaubende Aussicht auf die Berge des Olympic National Park. Als ich diese sah, entstand sofort ein tiefer Wunsch dort einmal wandern zu gehen und Rad zu fahren. 

Einen Tag später stand ich in meiner zukünftigen Schule und lernte den Schulcounselor, meine Schule, sowie die brasilianische Austauschschülerin Duda kennen. Auch an diesem Tag gab es ein sehr gutes Abendessen und ich ging geschafft und zeitig ins Bett. Am kommenden Tag stand ich früh auf und ging mit Dan zu meinem ersten, wöchentlichen Club Meeting. Ich wurde unglaublich herzlich empfangen. Alle wollten mich kennenlernen, mit mir reden und nach ein paar Minuten standen bereits die ersten Ausflüge fest. Ich kam mir vor wie ein Superstar. Fünf Tage und zwei Vergnügungsparks später, war der erste Schultag. Um möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen, stand ich etwas früher auf und bereitete mich vor. Für mich war es sehr ungewohnt in ein Auto zu steigen, um zur Schule zu kommen. Zwanzig vor acht setzte mich mein Gastvater vor der Schule ab, wünschte mir einen schönen Tag und fuhr davon. Auf einmal war ich auf mich allein gestellt. Entschlossen betrat ich das Schulgelände und suchte die Turnhalle. Diese war schnell gefunden, da etwa dreißig Cheerleader davor standen und alle begrüßten. Kurz darauf traf ich Duda und wir schauten uns einen Cheerleader Tanz an. Viele riefen uns zu, dass wir nun Teil ihrer Familie sind. Einige der Schüler führten uns im Anschluss durch das Schulgebäude. Nach etwa zwei Stunden Begrüßung, saß ich in meiner ersten Schulstunde. Dieser folgten noch fünf weitere. Meine Fächer sind Pflanzen-Kunde, Sport, Mathe, Englisch, Biologie und US-Geschichte. In der Hofpause traf ich andere Austauschschüler und wir erzählten uns, wie es für jeden so lief. Ich hatte das Gefühl, dass mein erster Schultag recht reibungslos verging und war auch ganz zufrieden mit mir. Mein Gastvater holte mich mit dem Auto ab und wir tauschten uns über den ersten Tag aus. Die größte Herausforderung waren das riesige Schulgebäude und die vielen Schüler. Nach jeder Schulstunde wird das Klassenzimmer gewechselt und 1100 Schüler drängen sich auf den Gängen. Ich war froh einen Schulplan bekommen zu haben, so konnte ich pünktlich jedes Zimmer finden. Dass man schon am ersten Schultag mit etlichen Mathe-Hausaufgaben nach Hause geschickt wurde, war zwar ungewohnt, aber ich stellte mich der Herausforderung. Allgemein fiel es mir nicht schwer Anschluss zu finden. Die Schüler sind aufgeschlossen, freundlich und haben mich sofort in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Die Lehrer sind ebenfalls wirklich nett. Sie wissen zwar, dass ich ein Austauschschüler bin, behandeln mich aber nicht anders, als alle anderen. Mein Englisch ist gut genug, um alleine durch den Schulalltag zu kommen, so dass ich dem Unterrichtsgeschehen gut folgen kann. In der allergrößten Not haben meine Klassenkameraden immer ein offenes Ohr und helfen mir weiter. In jedem Fach habe ich ein paar Leute gefunden, mit denen ich mich super verstehe. Die Mittagspause verbringe ich gemeinsam mit ein paar Freunden. Glücklicherweise haben mir meine Gasteltern nach ein paar Tagen ein Fahrrad besorgt, so dass ich selbstständig zur Schule radeln kann. Das viele Autofahren ist für mich doch recht anstrengend. Zum Schluss noch ein kleines Fazit: Gerade mal vier Wochen bin ich hier und es ist unglaublich, wieviel ich bisher schon erlebt habe und wie viele wunderbare Begegnungen ich hatte. Mir bis dahin völlig fremde Leute gaben mir für das Jahr ein Fahrrad für den Schulweg, wieder andere ein Mountainbike für den Sport, eine Familie stattete mich mit einem Helm aus oder wieder eine andere gab mir eine Beleuchtung. Die Rotarier sind sehr engagiert und es vergeht keine Woche, in der ich nicht ein Highlight der Umgebung gezeigt bekomme, zum Abendbrot eingeladen werde, Vergnügungsparks besuche, auf Partys gehe, eine Wanderung im nahegelegenen Gebirge mache oder zu einer Mountainbiketour eingeladen werde. Diese warmherzige Gastfreundschaft ist wirklich überwältigend und berührt mich sehr. Duda und ich planen derzeit ein Dankeschön an den Rotaryclub und all die netten Menschen. Wir möchten einen schönen Abend gestalten, an dem Duda brasilianisches und ich deutsches Essen servieren möchten. Dazu möchte ich gerne einige Stücke auf dem Klavier spielen. Wir sind aber noch am Überlegen, wie wir das logistisch umsetzen können, schließlich sind es 130 Personen. Vielleicht kann ich im nächsten Berichtschreiben, ob und wie es gelungen ist.

Leonard Jochmann

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