Estland – 1. Bericht von Caroline

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Liebe Familie, liebe Freunde, sehr geehrte Rotarier,
inzwischen bin ich schon drei Monate (13 Wochen) hier. In der Zeit habe ich viel erlebt. Hier noch einmal ein Überblick über die vergangen Monate. Einiges wird euch / Ihnen von meinen Rundmails bekannt sein.

Abschied und Ankunft
Der Abschied von meiner Familie und meinen Freunden viel schwer, aber die Neugier auf das Kommende war grösser als der Schmerz. Da wir nur zwei Austauschschüler aus Deutschland sind, was ich aber erst in Estland erfahren habe, gab es keinen Gruppenflug. Nach einem wunderschönen Flug und der beeindruckenden Landschaft Estlands aus der Luft, landete ich um 21 Uhr in Tallinn, der Hauptstadt Estlands. Als ich durch die Trennungstür vom Ankunftsbereich und dem Wartebereich trat, erkannte ich sofort meinen Gastvater. Meine kleine Gastschwester Anna (7) war auch mit da.
Wir sind dann noch zwei Stunden bis nach Tartu, meiner neuen Heimat, gefahren. Ich war überglücklich und konnte auf der Heimfahrt nicht mehr aufhören zu lächeln. Am besten beschreibt Reinhard May in seinem Lied ?Über die Wolken? meine Gefühle. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde alles was ganz wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein. Von meiner Gastmutter wurde ich schon sehnsüchtig erwartet. Ich wurde sofort als Familienmitglied aufgenommen und habe mich auch sofort heimisch gefühlt. Seit dem ich estnischen Boden betreten habe, hatte ich bis jetzt kein Heimweh.
Tartu ? das alte Dorpat
Tartu ist eine Universitätsstadt und dadurch sehr bedeutend für Estland. Die Stadt hat ca. 100000 Einwohner, die auf einem sehr weitläufigen Territorium wohnen. Tartu ist damir die zweitgrösste Stadt Estlands. Estland hat ca. 1,3 Millionen Einwohner. Es gibt sehr viele Grünanlagen in der Stadt und alles ist sehr gepflegt und sauber. Im Herbst wir überall von Hilfskräften der Stadt das Laub weggerecht. Und Müll liegt auch nur selten auf der Strasse.
Schule
Tartu hat viele Schulen. Das Miina Härma Gümnaasium, welches für dieses Jahr meine Schule ist, ist eine der beliebtesten Schulen Estlands und, an den Prüfungsergebnissen gemessen, die viert beste Schule im ganzen Land. Mache Schüler fahren mehr als 70 km mit dem Bus, um auf diese Schule gehen zu können.
Es wird besonders viel Wert auf die englische Sprache gelegt. Es gibt in manchen Klassenstufen gewisse Fächer in Englisch, z.B. Geografie. Ich habe in Englisch Newspaper reading, englische Literatur und natürlich Englisch. Jedoch kommen die anderen Fremdsprachen (Russisch, Deutsch, Französisch, Spanisch…) dadurch zu kurz.
Ich komme ich den meisten Fächern gut mit, weil ich den Unterrichtsstoff schon in Deutschland dran hatte. Nach wie vor ist Mathe das schwierigste Fach.
Ich bekomme in folgenden Fächern Noten: Geografie, Newspaper reading, Chemie, Russisch, Englisch, Französisch und englische Literatur. In Geografie darf/muss ich verschiedene Reporte über unterschiedliche Themen in Englisch schreiben. Es ist zwar viel Arbeit, aber gut für die Allgemeinbildung.
Meine Noten sind im Grossen und Ganzen in Ordnung. Die 5 ist hier die beste Note und ich habe sieben 5en, fünf 4en und drei 3en. Meine Klasse ist nett und sehr hilfsbereit, auch mit den Lehrern komme ich gut aus.
Rotary
Mein Gastclub ist der RC Tartu, welcher seit ein paar Wochen 77 Mitglieder zählt. Sogar der Premierminister Estlands war/ist in unserem Club. Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob er immer noch sein Amt inne hat. Mein erstes Meeting begann mit einer Schiffsfahrt und hinterher noch mit einem Treffen im Club Atlantis, wo sich der Club jeden Freitag von 12.45.-14.00 Uht trifft. Der neue Präsident hat eine Rede gehalten und dann wurden wir Austauschschüler vorgestellt bzw. Wir durften auch ein paar Worte selber reden.
Wenn ich nicht gerade auf Reisen von Rotary bin, besuche ich jede Woche das Meeting. Es beginnt mit einem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant (Vorsuppe + warmes Buffet) und dann geht es in einen der Veranstaltungsräume. Dort stehen Kaffee oder Tee und etwas Süsses (z.B. Süssspeisen, Kuchen, Muffins, Kaltschalen usw.) als Nachtisch bereit. Dann folgt meist ein Vortrag und wichtige Dinge werden besprochen.
Das Meeting dauert maximal 45 Minuten. Pünktlich um 14 Uhr wird die Sitzung geschlossen. Mit dem Club war ich bereits schon einmal Golf spielen. Das war recht amüsant, da es für alle das erste Mal war. Ich hätte auch mit auf die Jagd gehen können, allerdings wäre ich keine Hilfe gewesen, da ich es nicht hätte mit ansehen können, wie die Tiere sterben. Ich war statt dessen zur ersten Orchesterprobe in der Musikschule.
Der Distrikt ist zweigeteilt. Wir sind sieben Austauschschüler in Estland (und damit die meisten, die Estland jemals zur selben Zeit hatte) und ca.20-30 in Südfinnland.
Der Distrikt hat festgelegt, was unser Gastclub für uns bezahlen muss. Dazu gehören die Estnischstunden, die Estlandreise und der Helsinkitag.
Mein Gastclub wird auch noch die Grundkosten für die Lapplandtour tragen. Die Skiausrüstung werde ich von meiner jetzigen Gastfamilie bekommen, so dass ich nur den Skipass bezahlen muss. Allerdings habe ich sehr grosses Glück, dass mein Club die Kosten übernimmt. Nur wenige andere tuen es auch. Und ich bin dem Club sehr dankbar dafür.
Mit einem Rotarier war ich schon in Tallinn und zu einem Tanztunier als Zuschauer.
Reisen
Wie schon angesprochen hatten wir Austauschschüler aus Estland eine kleine Reise durch das Land. Wir haben zum Grossteil den Norden und Osten kennen gelernt und viele Herrenhäuser, Burgen und fantastische Naturplätze besichtigt. Die Tour war sehr schön um die anderen Austauschschüler kennen zu lernen, die sich allerdings schon untereinander kannten. Wir zwei aus Deutschlandsind im selben Club und es gab ein paar Probleme (nicht wegen uns, sondern die Probleme waren zwischen dem Distriktcounsellor und unserem Club). Normalerweise hätten wir am 7. August in Helsinki anreisen müssen, da dort ein Einführungscamp war für alle Austauschschüler in unserem Distrikt. Das haben wir leider verpasst. Im Oktober sind wir für 1 ½ Tage nach Helsinki gefahren. Dort haben wir dann die anderen Austauschschüler aus Südfinnland getroffen. Leider hatten wir nur sechs Stunden Zeit um die anderen zu sehen. Dann ging schon die Fähre zurück nach Tallinn. Das Reisen nach Finnland ist uns aber verboten worden. Ebenso dürfen die Austauschschüler aus Finnland nicht nach Estland kommen. Nächste Woche treffen wir uns alle in Lappland wieder. Dort werden wir für ein paar Tage Winterurlaub machen (Skifahren und andere Aktivitäten im Schnee).
Gastfamilien
Für 12 Wochen habe ich bei der ersten Gastfamilie gelebt. Die Eltern haben viel mit mir unternommen und waren sehr freundlich. Meine älteren Gastgeschwister habe ich bedauerlicherweise nur selten zu Gesicht bekommen. Dafür habe ich viel mit meiner kleinen Gastschwester gemacht, da sie oft alleine zu Hause war.
Der Abschied viel mir nicht leicht, aber ich habe mich sehr auf die neue Familie, wo ich schon fast alle kannte, gefreut. Ich bin nun seit einer Woche hier und mir gefällt es hier besser als in der ersten Familie. Hier interessieren sich meine Eltern und die drei Geschwister für mich und Deutschland. Ich kann viel erzählen und Fotos zeigen.
Hier spüre ich, dass das Familienleben wichtig ist, wie ich es in allen Estlandführern gelesen habe. Vielleicht liegt das auch ein bisschen daran, dass ich nun die Älteste bin. Meine Geschwister sind 15,14 und 7 Jahre alt.
Mir gefällt es jedenfalls sehr gut in der neuen Familie und auch hier war ich seit dem ersten Augenblick an ein volles Familienmitglied. Ich werde, so wie es aussieht, vier Familien haben.
Freizeit
Ich habe seit September zweimal in der Woche 1 ½ h Estnischunterricht. Seit Oktober habe ich Geigenunterricht in der Musikschule und ich spiele im Orchester mit. Diese Woche hatte ich durch glückliche Umstände drei Geigenstunden. Ausserdem gehe ich ab und zu babysitten und ich treffe mich mit Freunden oder mache etwas mit meinen Gastgeschwistern. Langeweile kommt jedenfalls nie auf.
Grüsse und Dank
Ich wünsche euch / Ihnen allen eine stressfreie und gesegnete Adventszeit. Ich freue mich jetzt sehr auf die Vorweihnachtszeit. In der Stadt stehen schon Weihnachtsbäume und überall hängen Lichterketten. Ich habe schon heraus gefunden, dass es den Nikolaus hier nicht gibt. Vielen Dank an alle, die mir das Auslandsschuljahr hier ermöglichen und natürlich einen besonderen Dank an den RC Meissen, dass sie mich als Austauschschülerin entsendet haben.
Fotos aus Estland werden folgen. Ich melde mich auf jeden Fall noch einmal vor Weihnachten. Der nächste Quartalsbericht kommt um den 23. Februar 2006. Ich freue mich über Fragen, wenn ich etwas vergessen habe sollte oder einiges unklar ist.

Viele Grüsse Caroline (Haubold)

by Anna Caroline Haubold

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