Argentinien – 1. Bericht von Julius

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1. Quartalsbericht von Julius Kupfer aus Argentinien
(San Rafael, den 31. Oktober 2011)

Liebe Rotarier und Freunde,
ich bin jetzt seit etwas mehr als zwei Monaten hier in Argentinien, um genau zu sein in San Rafael in der Provinz Mendoza – und ich werde diese zwei schönen Monate jetzt einmal beschreiben.
Als ich am 26. August in Frankfurt ins Flugzeug stieg, habe ich mich schon richtig auf das Jahr gefreut und hatte schon ein paar Vorstellungen, wie es in Argentinien so ist:

Überall spielen sie Fußball, tanzen Tango, grillen ganze Kühe und haben nur wunderschöne Frauen – doch wusste ich noch überhaupt nicht, was auf mich zukommen würde, wie meine Familie sein wird, wo ich zur Schule gehen werde etc.. Später mehr dazu.
Im Flugzeug hab ich dann 19 andere deutsche Austauschschüler getroffen. Unser Flug sollte um 10 Uhr losfliegen, doch da das Gepäck falsch verladen wurde, sind wir etwa zwei Stunden später losgeflogen. Der Flug dauerte 13 Stunden und ging nach Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien. In Buenos Aires teilte sich dann die Gruppe und ich flog mit sechs anderen Austauschschülern weiter nach Mendoza, der Hauptstadt der Provinz Mendoza. Dazu mussten wir den Flughafen wechseln und ich dachte, dass man ein bisschen von Buenos Aires, einer 14 Millionen-Stadt sehen würde, doch wir sind nur durch die Vorstädte  gefahren und von der Innenstadt selbst hat man nichts gesehen. Der Flug nach Mendoza dauerte dann weitere zwei Stunden.
In Mendoza angekommen wurde ich von meiner Gastfamilie abgeholt. Es war nicht meine ganze Gastfamilie, die am Flughafen wartete, nur meine Gastmutter Claudia, mein Gastvater Ariel und meine 6-jährige Gastschwester Paloma, die mich abgeholt haben. Mauricio, mein Gastbruder, musste studieren und Augustin ist gerade ein Jahr in Österreich – auch mit Rotary.
Nach einer Autofahrt von zwei Stunden, auf der die Familie und ich uns die ganze Zeit unterhalten haben, kam ich dann endlich in San Rafael an. San Rafael ist mit 200.000 Einwohnern etwas größer als Regensburg, gilt aber hier in Argentinien als Kleinstadt. Im Umkreis von 150 km gibt es keine anderen großen Städte. San Rafael liegt am Fuß der Anden in einer sehr sonnenreichen Gegend nicht allzu weit von der chilenischen Grenze. Man baut hier in der Gegens Wein an, der weltberühmt ist. Die Stadt ist ganz anders als deutsche Städte, denn es gibt nur flache Häuser und alles ist in Blocks aufgebaut. Mit Ausnahme einiger Hauptstraßen fährt man immer nur in eine Richtung. Doch dafür, dass die Stadt mitten in der Pampa liegt und da nicht viel wächst wächst, ist es eine schöne Stadt, die auch sehr grün ist.
Ich wohne zehn Minuten vom Zentrum entfernt in einem Haus mit Garten. Neben dem Garten ist auch der Verlag meiner Gasteltern, denn diese sind Verleger.
Ich habe dann eine Woche Zuhause verbracht, um erst einmal alles kennen zu lernen. Ich habe die ganze Familie gleich am ersten Abend getroffen, da ein Familienfest stattfand, bin dann noch ins Zentrum gelaufen, um die Stadt zu sehen und habe etwas mit meiner Gastcousine und meinem Gastbruder unternommen. Schon in der ersten Woche habe ich auch gemerkt, was für nette Menschen die Argentinier sind. Immer wenn ich jemanden getroffen habe oder wenn ich mit meiner Familie bei jemandem zu Besuch war, wurde ich herzlich begrüßt. Die Menschen hier kommen einfach auf einen zu und laden einen in ihr Haus zum Essen ein.
Dann ging es in die Schule. Die Schule heißt Colegio Del Carmen und ist eine der besten Schulen in San Rafael.  Es ist eine Privatschule mit knapp 500 Schüler und liegt im Zentrum von San Rafael. Ich bin in der 2 Natural und habe die Fächer Mathematik, Biologie, Poesie, Informatik, Englisch; Spanisch, Chemie und Sport. Ich hatte keine Probleme Freunde zu finden, da direkt am ersten Schultag alle Schüler zu mir kamen um mich kennen zu lernen. Sie waren alle nett zu mir und ich wurde immer eingeladen, mit den Jungs aus meiner Stufe eine Cola zu trinken. Ich habe dann auch noch angefangen Basketball zu spielen (ich gehöre hier ja mit 1,90 Metern zu den Riesen!) und habe mittlerweile 5 Mal pro Woche Training. Es konnte nicht besser laufen.
Doch nach 2-3 Wochen kam dann ein großes Problem. Wegen meines Diabetes machte sich meine Gastfamilie Sorgen, denn ich habe viel zu viel gegessen. Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte einfach immer Hunger.  Also hat meine Familie mit mir gesprochen und gesagt, dass ich nicht so viel essen soll und darauf achten muss, was ich esse und wie viel, denn das würde ja meinem Diabetes nicht gut tun. Und ehrlich gesagt lief es mit meinem Diabetes die ersten anderthalb Monate auch nicht gut. Das Essen hier ist so unterschiedlich zu deutschem Essen und ich hatte einfach Schwierigkeiten damit, die Kohlehydrate in Lebensmitteln richtig einzuschätzen. Außerdem hatte ich durch die Umstellung immer Hunger und habe viel zu viel gegessen. Doch mittlerweile jetzt geht ist es mir gesundheitlich richtig klasse, die Werte Stimmen wieder und ich war hier sogar schon zu Blutuntersuchung und Ernährungsberatung beim Arzt.
Während ich in den ersten sechs Wochen zwar Probleme mit meiner Gesundheit hatte, hatte ich gleichzeitig viel Spaß hier in Argentinien. Es gab die erste Orientation in Mendoza und habe alle Austauschschüler aus der Provinz Mendoza und San Juan kennengelernt. Einen Teil kannte ich ja schon vom Flug. Wir sind insgesamt 25 Austauschschüler. Auf dieser Orientaton wurde uns unser Taschengeld für September und Oktober gegeben und es wurden die 250 Dollar Sicherungsfonds eingesammelt. Die Abende verbrachten wir gemeinsam mit argentinischen Rebounds Mendoza Stadt.
Ich war bisher nur einmal bei meinem Rotary Club, um mich einmal kurz vorzustellen. Der Rotary Club heißt Rotary Club San Rafael Este, ist einer von vier Rotary Clubs hier in San Rafael und besteht nur aus Männern. Meinen Vortrag über Regensburg und Deutschland ha ich dort noch nicht gehalten, das mache ich erst, wenn ich noch besser Spanisch spreche.
Ein tolles Erlebnis war für mich Nihuil. Nihuil ist ein Dorf an einem großen Stausee etwa eine Stunde entfernt von San Rafael. Dort fahren im Herbst alle Jugendlichen aus San Rafael für fünf Tage hin, um zu feiern. Es ist ein Riesenfest, wo man entweder in einem Haus von jemandem oder in einer großen Disco feiert. Ich war mit meiner Cousine und vier Freunden von ihr und mir in einem Haus und wir hatten echt eine tolle Zeit und richtig viel Spaß.
Mit Rotary hatte ich auch schon eine Reise. Es ging eine Woche in die Hauptstadt Buenos Aires. Diese Stadt ist der Wahnsinn und gefällt mir sehr gut. Dort war ich mit 15 Austauschschülern und einer Schulklasse aus San Juan, wegen der diese Tour gemacht wurde und wir durch Rotary mitfahren durften. Die Stadt ist riesig und hat beeindruckende Bauwerke wie das Theater Colón und auch tolle Orte wie Tecnopolis. Doch leider wurde mir in Buenos Aires meine Kamera gestohlen, was sehr bedauerlich ist.
Seit ich hier bin, habe ich schon richtig viele Freundschaften geschlossen, vor allem natürlich in der Schule. Wir unternehmen viel miteinander, besuchen uns gegenseitig oder treffen uns in der Stadt. Mein Spanisch ist schon ganz gut geworden – ich verstehe sinngemäß eigentlich alles, obwohl die Argentinier ziemlich schnell sprechen. Ich habe hier echt viel Spaß und möchte gar nicht mehr weg. Ich hätte nie gedacht, dass es hier so toll wird und es ist einfach nur klasse. Nur eine Sache gefällt mir überhaupt nicht: dass die Zeit viel zu schnell vergeht!
Ich möchte mich auf jeden Fall noch einmal ganz herzlich bei meinem Rotary Club bedanken, dass er mir dieses Jahr hier in Argentinien ermöglicht!
Liebe Grüße Von Julius Kupfer aus Argentinien.
P.S. Morgen beginnt die erste richtig große Rotary-Reise: Patagonien und die gesamte Südhälfte von Südamerika. Ist das nicht toll?

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