Taiwan – 2. Bericht von Naima

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Wege zum Glück in Taiwan
Heute ist der Geburtstag meines Papas. Hier sitze ich nun und warte, dass mein „alter Herr“* in den nächsten Stunden online kommt, damit ich ihm „persönlich“ gratulieren kann und mir ist schon fast wieder langweilig. Wegen meiner erst grade widerfahrenden Erfahrung, habe ich mich entschieden mal all die vielen Glücksbringer, Glückssymbole und andere gute Zeichen, die etwas Gutes bewirken oder wünschen aufzulisten.

Mit Sicherheit ist, was ich hier aufgelistet habe, bei weitem nicht vollständig, und während ihr das hier lest, habe ich den Artikel wahrscheinlich schon wieder mit drei neuen Dingen ergänzt. Der Buddhismus und die chin./taiwanesische Kultur hat einfach Massen davon. Dass es hier noch Unglücke gibt, überrascht mich gewissermaßen.

Was mir am Abendbrot widerfahren ist war folgendes: Meine Schwester Zoe hat gemäkelt, das Rindfleisch in der Suppe ist. Und die ganze Familie war gleichermaßen geschockt. Nur ich war mir nicht wirklich sicher, warum das eine Tragödie sei, denn vor ein paar Wochen habe ich meine Schwester ja noch fröhlich Rindsteak essen sehen. Ich fragte also: „你不喜歡牛肉嗎?“ (Du magst Rind nicht?). Zoe antwortete: „Die ältere Generation sagt, das Rindfleisch Unglück bringt. Und da ich in einem Jahr meine große Abschlussprüfung habe, esse ich seit einem Monat kein Rind mehr.“  Erster Weg zum glücklich werden: Esse so wenig wie möglich Rindfleisch! (Ich finde es ja absurd.  Auch wenn die Abschlussprüfungen irre schwer sein mögen, so viel Glück braucht man doch gar nicht, dass man ein Jahr davor schon aufhört, Rind zu essen)
Etwas anderes, was sehr merkwürdig oder komisch für mich war, kurz nachdem ich angekommen bin, war die viele Benutzung des Hakenkreuzes.                                   In einer Gesellschaft, in der dieses Symbol aufs Tiefste geächtet wird, war ich auf einmal in einer Kultur gelandet in der dieses Zeichen für Kraft und Glück steht und schön gestaltet an jeder Tempelwand zu finden ist. Und gelegentlich in Fenstern aufgehängt wird.  Allerdings ist es hier eine Swastika. Es sieht zwar aus wie ein Hakenkreuz, aber das passt nicht zum geschichtlichen Kontext von China und es wäre nicht nett dieses Glückssymbol als Hakenkreuz zu bezeichnen. Es gibt übrigens beide Formen dieser Rune: Links herum und rechts herum (卍, 卐). Zweiter Weg zum Glücklich werden: Eine Swastika auf die Mauern malen!  Ein kleiner Tipp: Besser nur in Taiwan oder China machen! In Deutschland könnte es unter Umständen falsch aufgefasst werden!
Meistens ist diese Swastika in der Farbe des Glücks gemalt: Rot. Rot steht für Glück, für Stärke und Kraft. Eben alles, was man sich so wünscht. Deswegen haben die Bräute in China auch selten weiß an, sondern rot. Und ebenfalls die kleinen Kinder rennen in roten Sachen durch die Kante. Fast alle Glücksbringer sind in Verbindung mit roten Bändern. Entweder als Armband, zum Aufhängen etc. Die Bänder sind meistens besonders geknotet, und auch hier gilt: Je mehr Knoten, desto besser.  Deswegen der dritte Weg des Glücklichwerdens: So viel wie möglich Rot tragen! Und am besten alles in Rottönen kaufen!
Jade ist ebenfalls ein geliebter Glücksbringer. Es hält die bösen Dämonen fern und zieht die guten an. Fast jede verheiratete Frau hat einen Jadearmreif um ihr Handgelenk und manchmal auch die Herren. Die meisten Männer bevorzugen aber Jaderinge, auch wenn ich nicht ganz verstehe, was daran männlicher sein soll. Die Jade wird übrigens von der ganzen Welt importiert, unteranderem gibt es auch einen Jadestollen in Österreich. Viele der Tempel sind mit Jade geschmückt und auch die Hausaltäre. Jade galt schon in all den früheren Dynastien als Reichtums-symbol. Noch mehr als Gold Vierter Weg zum glücklich werden: „ Umringt“ euch mit Jade!
Ebenfalls geachteter als Gold war übrigens Bronze, auch wenn es heutzutage nicht mehr so viel im Gebrauch ist, wie Jade, gilt es dennoch als Glücksbringer. All die großen Räucherstäbchenkessel, die vor den Tempeln und Altären stehen, sind aus Bronze. Und auch Räucherstäbchen gelten als Glücksbringer, sie sind eine Art Kommunikation zu den Vorfahren, die ein gutes Wort einlegen sollen. Es kann nie schaden, übernatürliche Hilfe auf dem (fünften) Weg zum Glücklich werden zu bekommen: Also stellt euch ein großen Bronzekessel , in den ihr eure Räucherstäbchen stecken könnt, am besten in euren Vorgarten oder auf euren Balkon! Diese Stäbchen produzieren echt einen dichten und starkriechenden Rauch, den man nicht unbedingt im Haus haben will.
Natürlich gibt es auch noch viele Tempel in denen man für Glück beten kann. Ungefähr jeder Tempel hat einen anderen Bereich, zum Beispiel gibt es einen Tempel für „Schulangelegenheiten“. Ich denke der Gott der Bildung oder so hat da seinen Altar. (Ich werde meine Gatsschwester in Bälde hinschicken, damit sie schon jetzt anfangen kann für die nächstjährigen Examen zu beten.)                 Weg Nummer Sechs zum Glücklich werden: Tempelbesuch steht an!        
Der Drache steht allgemein als das bekannteste Tiersymbol der Glücks. Er verkörpert all die guten Eigenschaften, wie Mut, Stärke, Liebe und Treue, die wir den Drachen in Deutschland nicht wirklich nachsagen.  Und chinesische Drachen sehen auch wunderschön aus. Ein Drache ist überall drauf, wo er Glückbringen soll, zum Beispiel auf den  Dächern der Tempel sind viele Porzellandrachen, oder wo er auch einfach nur cool sein soll: Brotbüchse zum Beispiel. Weg zum Glücklich werden Nummer Sieben: Zähmt euch einen Drachen! Das bringt Glück. Bei Fragen der Umsetzung schaut euch doch den Disney Pixar Film „Drachenzähmen Leicht Gemacht“ an. Ihr könnt aber auch auf die einfache Version zurückgreifen und einfach überall einen Drachen draufmalen, wo ihr Glück braucht!
Wem die ganzen Drachen auf die Dauer langweilig werden, kann sich entweder dem Tiger oder Löwe (oder auch Windloöwengott)  zuwenden, auch Tiere die für Stärke, Glück und Reichtum stehen (Genau wie auch in der europäischen  Sagenwelt), oder die Fledermaus. Auf den meisten (Gebäude-) Verzierungen sind vier Fledermäuse abgebildet, denn in Chinesich klingen „Vier Fledermäuse“  vom Wortlaut her ungefähr wie „Viel Glück“. Deswegen bringen Fledermäuse Glück.      Meine Schulfreunde haben mir schon erzählt, wie unlogisch sie die Variante von Graf Dracula, der sich in eine Fledermaus verwandeln sollte, finden, da Fledermäuse ja gute Tiere sind, die Glück bringen.  Es gibt sicher noch viele, viele, viele weitere Glückstiere, aber ich glaube, die Sache ist klar. Der achte Weg zum Glück ist also, sich mit den eben genannten Tieren, in welcher Weise auch immer, so viel wie möglich zu umgeben, sei es in echt, gehäkelt, gestrickt, gemalt oder gedruckt!     
Neunter Weg zum Glücklich werden:  Werdet euch über euer Horoskop bewusst! Wenn ihr wisst, welche Sachen oder Sternzeichen ihr diesen Monat oder diese Woche meiden solltet, lässt sich Unglück umgehen und ergo ihr habt Glück. Jedenfalls habt ihr so viel Glück, dass ihr kein Unglück haben solltet. Für das Horoskop auf die Schnelle sind die „Sterndeuter“ oder „Weisen aus dem Morgenland“, die sich meistens an den Seiten der bevölkerten Einkaufsstraßen aufhalten,  sehr praktisch. Hier kann man für wenig Geld sein Horokop für die gewünschte Zeitdauer, sei es Stunde, Tag, Monat, Jahr, kriegen.  Ob es sich dann auch erfüllt, liegt dann ganz in der Deutung und Umsetzung desjenigen, der das Horoskop bekommt.          Da es in Deutschland schwierig mit den Straßenhoroskopen wird, empfehle ich einfach, die Horoskope aus den Zeitschriften  zu lesen. Am besten so viele, wie möglich, denn dann ist die Erfolgsrate, das etwas davon stimmt, höher. Und wenn nicht, hat man immerhin irgendwelche anderen interessanten Artikel, die einen trösten, weil man nicht der einzige ist, der kein Glück hat. 
Der Zehnte Weg zum Glück ist von praktischer Art, und jeder kann dabei selber über sein Glück bestimmen: Das Geheimnis ist eine gute Schulbildung, Geld, Gesundheit und Spaß. Man fängt dabei schon im zarten Alter von 4 Jahren in der Vorschule an und in den folgenden 14 Jahren wird weiter darauf hingearbeitet, dass man in eine gute Universität kommt und dann einen respektablen Job hat, der einem viel Geld bringt. Am besten Arzt oder Lehrer (Als Lehrer kriegt man sogar noch mehr Geld als wenn man ein Hotelmanager ist, mein Kochlehrer hat deswegen erst den Beruf gewechselt). Dann hat man schon mal zwei Faktoren zum Glücklich sein erfüllt. Wenn der Beruf einem Spaß macht, umso besser, dann hat man schon den dritten Faktor. Ansonsten sucht man sich irgendwo anders Spaß. Für die Gesundheit hört man am besten auf all die vielen Fernsehspots, die hier vermehrt für Artikel für Gesundheit laufen. Zum Beispiel sollte man, viel Doktor Quakers Cereals essen, viel von der bestimmten Milchmarke trinken und auch sonst alle Pillen schlucken, die in der Werbung von einem überdrehten zufriedenen Kunden angeworben werden. (Ich habe festgestellt, dass in jedem Land ein anderer Schwerpunkt auf Werbethemen gelegt wird. In Italien zum Beispiel hatte ich das Gefühl, dass dort vermehrt Diät-werbung gemacht wurde. Hier ist es eben Gesundheit)

Das waren erstmal die zehn ersten Wege zum Glück, es kommen sehr wahrscheinlich noch viele dazu, ich werde sie dann ergänzen. Ich hoffe, hier waren schon ein paar Ideen für euch dabei, am Ende ist es doch aber wichtiger sich so zu akzeptieren wie man ist, dann wird man auf die Dauer viel glücklicher, als man denkt.
In dem Sinne:
Viel Glück und Glück Auf!
Naima

(*) „alter Herr“: Alles Gute Papa, Ich wünsche die Gottes Segen und viel Glück in deinen weiteren Lebensjahren. (Tut mir Leid wegen der Bezeichnung „alter Herr“. Aber du bist doch schon fast 50!)

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