Taiwan – zweiter Bericht von Anna

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In meinem Austauschjahr habe ich sehr viele Dinge gelernt, man könnte sagen, ich habe mich selbst gefunden ☺ neue Dinge ausprobiert, mein Denken geändert, den einen oder anderen Kulturschock gehabt, neue Menschen kennengelernt, die mich inspirieren, Chinesisch gelernt, Heimweh gehabt, nicht mehr zurückgewollt, komische Dinge gegessen und lieben gelernt, gelernt was Freundschaft und Liebe bedeutet.

 

Ein Austauschjahr gibt dir so viele Impressionen, für das ganze Leben. Und ja, es ist ein Klischee- Spruch, der bekannteste Spruch überhaupt aller Austauschschüler – aber es ist wahr: Es ist kein Jahr in einem Leben, nein, es ist ein Leben in einem Jahr. Und ich werde keinen Tag vergessen, keinen einzigen!

 

Mein Austauschjahr gibt mir nicht nur neue Erfahrungen und Impressionen und neue Bekanntschaften, es gibt mir auch die Chance einen offiziellen Abschluss für mein Chinesisch zu bekommen, was ich dann später bei Bewerbungen gut nutzen kann.

Und es gibt mir auch das eine oder andere Speckröllchen- aber was wäre ein Austauschschüler ohne Speckröllchen, nicht wahr?

Mit der Sprache komme ich sehr gut zurecht, ich spreche so gut mit allen Taiwanesen Chinesisch, die Austauschschüler sprechen untereinander allerdings englisch. Mit einer Thailänderin, die mit mir in der Schule ist, spreche ich aber auch Chinesisch, das haben wir so ausgemacht. Im Mai werde ich einen Test für Chinesisch B1, wenn es gut kommt B2 machen.

An die Outbounds:

Habt keine Erwartungen, aber rechnet mit allem! Das ist das, was ich so sagen kann. Ich habe mir am Anfang natürlich schon überlegt was alles so passieren könnte. Als ich in Taiwan angekommen bin, dachte ich, dass ich niemals Chinesisch lernen werde. Außerdem war es so heiß und mir ging es die ersten zwei Tage so schlecht, dass ich wieder nach Hause wollte. Aber gebt euch immer ein paar Tage. Es ist völlig egal, was für ein Problem. Gebt euch selber Zeit es zu verarbeiten und darüber nachzudenken, das ist wichtig. Und wenn ihr ein Problem habt, dann sprecht mit Personen, denen ihr vertraut. Alle sagen zwar immer zuerst mit dem Counselor sprechen, ich habe aber auch mit meiner Gastfamilie geredet oder mit meinen Freunden. Oder auch mal, wenn ich nicht wusste, wie ich meine Gefühle ordnen sollte (und glaubt mir, das werdet ihr nicht nur einmal erleben), dann habe ich auch mit meiner Familie in Deutschland geredet. Tut das, womit ihr euch wohlfühlt.

 

Eine andere Sache ist: teilt eure Gedanken, eure Vorhaben, eure Vorstellungen, eure Erlebnisse mit eurer Gastfamilie. Ich denke, dass das ziemlich wichtig ist, das hat mich persönlich ziemlich nah mit meiner Gastfamilie gebracht, vor allem mit meiner ersten Gastfamilie. Zu denen habe ich eine ganz besondere Beziehung. Ich fühle mich bei ihnen nicht nur wie eine Gastschülerin, sondern wie eine richtige Tochter in einer Familie, ich gehöre dazu.

 

Aber natürlich basiert es immer auf einem Geben und Nehmen. Ihr könnt nicht erwarten, dass ihr in eine super Gastfamilie kommt, es gibt unterschiedliche Familien und je nach dem in welches Land ihr kommt, kann sich die Erziehungsmethode auch unterscheiden, oder z.B. auch die Wohnverhältnisse oder das Essen oder die Leute mit denen ihr zusammen wohnt.

 

Aber falls ihr in eine Familie kommen solltet, wo ihr euch nicht gut fühlt, probiert ersteinmal ein oder zwei Wochen mit ihnen zu Leben – gebt euch für alles die Zeit, die ihr braucht. Es basiert auf Geben und Nehmen, also zeigt, dass ihr interessiert am Austausch seid, dass ihr für die Familie Interesse habt und daran ein Teil der Familie zu werden.

 

Ich habe persönlich Zeit gebraucht um mit den Austauschschülern in Kontakt zu kommen. Taipei hat die meisten Austauschschüler im Distrikt in der ganzen Welt. Das heißt, dass es jeden Tag, jede Woche irgendwelche Treffen gab und sich die Austauschschüler dementsprechend schnell kennengelernt haben. Wenn ihr nicht der Typ dafür seid, lasst euch nicht hetzen, ich habe drei Monate gebraucht, allein in unserem Distrikt waren wir 60 Austauschschüler.

 

Was ich zur Sprache sagen will: sprecht es immer, in jeder Situation, probiert es, notiert euch meinetwegen etwas, damit ihr euch die neuen Wörter merken könnt. Aber sprecht es und benutzt die Sprache. Es macht es wirklich um so viel einfacher, wenn man die Landessprache beherrscht, man findet schneller einheimische Freunde und kann auch mit der Familie besser kommunizieren ohne dass es ständig Missverständnisse gibt (die werden aber kommen, so oder so). 

 

Ich will nicht zu viel schreiben, es gibt 1000 Dinge, die man „beachten“ könnte. Aber jeder Austausch ist einzigartig, das ist vielleicht eine Sache, die mit am wichtigsten ist. Vergleicht euch nicht mit den anderen, jeder hat eigene Chancen, jeder macht unterschiedliche Erfahrungen und diese bestimmen dann logischerweise dein Handeln gegenüber anderen Menschen.

 

Aber lebt im Moment, genießt jeden Tag, das was ihr im Austausch erlebt, das werdet ihr niemals vergessen, niemals!

 

Und lasst die Dinge passieren, die schlechten sollte man vielleicht verhindern, aber wenn sie passieren, dann kann man draus lernen.

 

Und sagt niemals „nein“. Sagt immer „ja“. Nutzt die Gelegenheiten.

 

Und noch eine letzte Sache – ihr seid ganz allein für euren Austausch verantwortlich! Es wird niemand kommen und euch fragen, ob ihr in einen Laufclub wollt, wenn ihr z.B. in Deutschland gerne Laufen geht. Ihr müsst euch kümmern. Ihr müsst die Leute fragen. Die Familie wird euch niemals zu den Orten bringen, wo ihr gerne hinwollt, wenn ihr sie nicht danach fragt.

 

Und zum Schluss: seit offen für alles, ihr wisst nie, was euch passieren wird. Alles ist möglich.

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