USA – 4. Bericht von Willy

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Es ist wohl schon soweit… Ich habe nur noch ein paar tage hier und dann geht’s ab auf Reisen. Einen vollen Monat einmal rund um die USA. Von New York nach Washington DC, über Texas nach Kalifornien und durch den Mittleren Westen nach Seattle und zu den Niagara Fällen. Das wird noch ein schöner Abschluss dieses wunderbaren Jahres. Lange habe ich darauf gewartet und jetzt geht es bald los. Ich kann mich noch genau daran erinnern als bei der ersten Inbound Orientation im September letzten Jahres diese Reise das erste mal erwähnt wurde. ‘Juli’ – das hat sich so verdammt weit weg angehört.

Wenn ich daran zurück denke, muss ich feststellen, dass sich sehr viel geändert hat. Das Jahr hatte einen relativ schwierigen Start dank den üblichen Gegebenheiten: Ich kannte kaum jemanden und musste erst einmal Freunde finden. Außerdem wusste ich nicht, dass zum Beispiel ein Kino nur knappe 10 Minuten von mir entfernt ist – generell gesagt: Ich wusste nicht wo was läuft. Doch das hat sich jetzt drastisch geändert.

Zum Beispiel trifft sich jeden Sonntag die ganze Großfamilie eines Freundes um Softball im Garten zu Spielen. Ich denke zwar immer noch, dass es langweilig ist Baseball oder Softball im Fernsehen zu zuschauen, doch wenn man es selber spielt macht es dann doch sehr viel Spaß. Und für die, die nicht wissen was Softball ist: Es ist im Prinzip Baseball mit einem größeren Ball und kleinerem Feld.

Das letzte Wochenende war wirklich sehr besonders. Zum einem war am Samstag “Strawberry Festival” in Owego, dem Nachbarort. Von Parade bis Feuerwerk war alles dabei. Es war zwar zum schmelzen warm, aber es hat sich wirklich gelohnt – und nicht ‘nur’ wegen den Erdbeer-Donuts und “Strawberry Shortcakes”. Am Sonntag ist dann mein vorheriger Gastvater Jim mit seinem alten Packhart aus den 1920’ern mich abholen gekommen. Wir sind dann zu dem fast eine Stunde entfernten Ithaca gefahren. Bitte beachtet, dass eine Stunde in den USA “in der näheren Umgebung” bedeutet.

Ich habe mich schon sehr royal in diesem halboffenen Schmuckstück gefühlt.

Dort angekommen, parkten wir mit 2 anderen ähnlich alten Fahrzeugen neben einem frisch restaurierten Militärtrainer aus dem ersten Weltkrieg. Das ganze ergab ein wirklich erstaunliches Motiv. Als ich dann etwas später mir das Flugzeug etwas genauer angesehen habe, war ich einfach nur verblüfft durch dieses Meisterwerk aus Holz.

Nachdem hatten wir ein schmackhaftes Frühstück bestehend aus Pancakes, Ohmletten, Bacon und einer ganzen Ladung Ahorn-Sirup und Apfelmus. Gesund? Pfff – hier geht es um den Geschmack!

Aber das Sahnehäubchen des Tages kommt erst noch. Ich konnte etwas später endlich wieder fliegen. Es war so schön Ithaca und die Umgebung mal von oben zu sehen. Ithaca liegt an der südlichen Spitze des Cayuga Lake, einer der zwei größten Fingerlakes. Um eine Vorstellung der Größe zu bekommen, muss man sich 3 mal die Müritz hintereinander vorstellen. Und die Fingerlakes sind noch vergleichsweise kleine Seen. Tja, in den USA ist halt alles ein Bisschen größer.

Aus der Luft hat man immer eine andere Perspektive und ich liebe es in diese Miniaturlandschaft runter zu schauen. Jedes mal entdecke ich etwas Neues und es kommt dieser “Ach da ist das!”-Moment wenn sich mein Orientierungssinn ‘updated’.

Ich habe auch mal wieder gesehen, dass egal wo man ist – Piloten sind wie ein großer Freundeskreis. Wenn sich über das Fliegen ausgetauscht wird – von den Reisen, witzigen Landschaftformen und über die Maschine selbst – der Funke entfacht immer ein Feuer der Begeisterung. Die meisten der “alten Hasen” sind schon lange dabei und einige haben schon mit 14 an ihrer eigenen Maschine rumgeschraubt.

Da wir ja gerade beim Thema Fliegen sind, den Sonntag bevor war ich bei einer Airshow in Syracuse. Unter den Highlights waren eine P51, B25, F-16 und eine F-18. Ich habe zwar bestimmt einen Teil meines Hörvermögens verloren als die Jets mit knapper Schallgeschwindigkeit über die Landebahn gebrettert sind, aber das war es total wert! Und ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lächeln als die P51 den Tower im Top-Gun Stil ‘gebuzzt’ hat.

Aber genug vom Fliegen, es gibt noch so viel mehr zu berichten. Jetzt da die Schule vorbei ist, beginne ich erst so richtig zu realisieren, dass das ganze Jahr bald vorüber ist. Es hat schone etwas nostalgisches daran zurück zu denken wie ich mich die erste Woche fast jedes mal in der Schule verlaufen habe.

Der letzte Schultag war schon etwas hart für mich, doch die letzte Schulbusfahrt war dann doch sehr aufmunternd. Wir haben halt an einer take-away Pizzeria gemacht und jeder hat ein Stück Pizza abbekommen. Das war nochmal ein schöner Abschluss.

Doch die Ferien waren nicht ganz ohne Arbeit. In meinen letzten Berichten habe ich von der Greater Binghampton Scholastic Challenge erzählt. Diese war am 2. Juni und ich habe mit meinem Business Plan die Kategorie gewonnen. Es gibt kein besseres Gefühl, als das wenn sich harte Arbeit auszahlt. Aber ich bin noch lange nicht fertig. Einer der Richter aus der Jury ist Professor an der Universität in Binghampton für Business Management und hat mir Hilfe angeboten. Natürlich habe ich dieses Angebot angenommen und es hat sich wirklich gelohnt. Allein vom ersten Treffen habe ich fast zehn Seiten meines Notizbuches vollgekritzelt sowie eine lange Liste die ich langsam abarbeite. Zeit habe ich in den Ferien ja genug, von 8 bis 12 jeden Morgen um genau zu sein. Den Nachmittag habe ich dann um mit Freunden oder Familie etwas zu unternehmen.

Ich bin einer dieser Leute, die wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt haben, alles dafür tun damit es Wirklichkeit wird. Und in diesem Falle ist es mein Business Plan.

Abschließend muss ich sagen, dass dieses Jahr meine Definition von Zuhause für mich komplett geändert hat. Vor einem Jahr hätte ich einen bestimmten Ort genannt – jetzt fühle ich mich in der ganzen Welt wie Zuhause.

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