USA – 2. Bericht von Till

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:2017-2018 / USA
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

30.12.2017…schon langsam sollte ich mich mit meinem Quartalsbericht beeilen, wenn ich diesen noch rechtzeitig bis zur Abgabefrist fertigstellen will. Auch wenn ich das überhaupt nicht erwähnen muss, ist in der Zeit seit meinem letzten Bericht sehr viel passiert…natürlich. Neben einem Gastfamilienwechsel, habe ich zusätzlich Sportart gewechselt, meinen Freundeskreis erweitert und Weihnachten, sowie Thanksgiving erleben dürfen, wobei das erste jedoch die drastischste Änderung darstellt.

Kurz nach meinem ersten Quartalsbericht beendete ich erfolgreich und zufrieden meine Footballsaison, wenn auch schweren Herzens. Auf der Suche nach einer neuen Sportart landete ich letztendlich dann beim Wrestling, in Deutschland besser bekannt als Ringen. Nach anfänglicher Skepsis entwickelte ich schnell eine neue Leidenschaft und fand eine sehr gute Methode um neue Limits auszutesten und tolle neue Freunde kennenzulernen. Zugegebener Maßen ticken die Wrestler doch ein wenig anders als meine damaligen Football-Kollegen aber ich glaube das schadet gar nicht und bringt mir nur neue Einsichten und Erfahrungen. Nachdem ich aber nicht nur die positiven sondern auch die negativen Erfahrungen teilen sollte muss ich den nächsten Punkt wohl auch erwähnen: „Herpes Gladiatoris“…klingt ekelhaft und ist mindestens genauso schlimm wie es klingt. Durch den vielen Körper- und vor Allem auch Hautkontakt kommt es beim Wrestling oftmals zu Hautinfektionen oder eben „Herpes Gladiatoris“ (genauere Details enthalte ich euch besser vor). Glücklicherweise bin ich das nun aber auch schon wieder losgeworden und ich kann bald wieder mit Sport anfangen…ob ich Wrestling nochmal versuche oder direkt mit Lacrosse anfange wird sich aber wohl noch zeigen.

Da mit diesem Quartalsbericht auch der Wunsch über einen Bericht der amerikanischen Weihnachtstraditionen kam, werde ich nun ein wenig über mein erstes Weihnachten im Ausland berichten, auch wenn dieses gar nicht so typisch amerikanisch ablief wie man es vielleicht erwarten würde. Weihnachten beginnt in meiner Familie am 24.12 morgens und nicht am 25.12 so wie man es kennt. Dies hängt jedoch mit einer Familientradition zusammen, da eine der Töchter ein typisches Scheidungskind ist und meine Familie sie eben am 24. beschenken darf. Nach der dann doch typisch amerikanischen Bescherung mit „Stockings“ (die klassischen Socken über dem Kamin…genauso wie man es sich eben Vorstellt) und zahlreichen Geschenken, kam dann die ganze Verwandtschaft und es wurde ausgiebig bis in den Nachmittag gebruncht. Am Abend ging es dann noch zu der ziemlich großen Familie meines Gastvaters zum Abendessen und zur 2. Bescherung, auch wenn man die Hälfte der Anwesenden ja schon in der Früh gesehen hat. Wer nun denkt, dass das genug Familie auf einmal war der hat sich glücklicherweise getäuscht. Am nächsten Morgen fuhren wir zu den nächsten Großeltern, in diesem Fall die Eltern von Scotts (mein neuer Gastvater) erster Frau. Nachdem es also erneut Bescherung gab und noch einmal ausgiebig gefrühstückt wurde, trafen wir uns dann zur endgültig letzten Station mit der Familie meiner Gastmutter in einem Wunderschönen Haus am Meer, wo erneut gegessen, gespielt und Geschenke ausgepackt wurden. Wem das Alles jetzt ein bisschen zu viel war, der soll nicht verzweifeln, denn man muss wirklich dabei gewesen sein um Alles zu verstehen, wobei es selbst dann noch ganzschön kompliziert ist. Zusammengefasst hatte ich eines der schönsten Weihnachten überhaupt mit sehr sehr vielen netten Menschen, viel zu viel Essen und Geschenken mal vier.

Der letzte Punkt, den in ansprechen will, ist zugleich auch der wichtigste, schönste und drastischste überhaupt. Nachdem ich in meinem letzten Bericht ja schon einige Unstimmigkeiten mit meiner damaligen Gastfamilie angesprochen habe, hat sich die Lage leider deutlich zugespitzt. Die Gründe weiß ich leider bis heute nicht so ganz genau, aber grundsätzlich habe ich mich einfach nichtmehr wirklich willkommen gefühlt und es war eine klare Spannung zu fühlen. Glücklicherweise habe ich einige Wochen zuvor auf einer kleinen Feier meiner Freundin Luke kennengelernt. Nach ein paar Wortwechseln kam das Thema „Gastfamilie“ auf und so cool wie Luke ist, hat er mir angeboten, dass ich doch bei ihm einziehen könnte. Kurz gesagt wurde dann aus dieser „Schnapsidee“ ziemlich bald Realität, so dass ich noch vor Thanksgiving in meinem neuen Zuhause einziehen konnte. Dieser Neuanfang war definitiv nicht nur ein neuer Anfang meiner Gastfamilie sondern ein Neuanfang für meinen ganzen Austausch. Ganz im Gegenteil zu meiner letzten Gastfamilie lebe ich nun in einem sehr großen und wohlhabenden Haus mit zwei Gastgeschwistern und meinen eigenen Zimmer. Luke ist 15 und dient nicht nur als Gastbruder sondern definitiv auch als bester Freund. Mit meiner 14 jährigen Gastschwester gibt es auch keinerlei Probleme und wir kommen gut miteinander klar, auch wenn ich sie nicht sehr oft sehe, da sie gefühlt ihr halbes Leben bei unseren Nachbarn verbringt. Meine Gastmutter ist die netteste Person auf diesem Planeten und hilft mir bei viel zu vielen Dingen. Ich gebe mein Bestes ihr so wenig Arbeit wie möglich zu machen, aber leider ist das als Austauschschüler manchmal nicht ganz so einfach wie es klingt. Mein Gastvater ist der Polizeichef von meiner Nachbarsstadt und zusätzlich so etwas wie ein Bürgermeister. Ich müsste lügen wenn ich nicht zugeben würde, dass seine Autorität mir eine ordentliche Portion Respekt einflößt, aber das erinnert mich nur an die Regeln und die Verantwortung die ich habe. Ganz nebenbei habe ich meinen Freundeskreis durch Luke doch sehr erweitert und eine meiner besten Freundinnen wohnt nun direkt nebenan. Alles in Allem ist mein Lebensstandard von sehr gut auf perfekt gestiegen und ich hoffe einfach nur, dass alles so bleibt wie es ist.

Wer meinen letzten Quartalsbericht gelesen hat, dem ist vermutlich aufgefallen, dass dieser Bericht doch um einiges kürzer ausgefallen ist, als der Vorherige. Dies liegt keineswegs daran, dass es weniger zu erzählen gibt oder mein Leben langweiliger geworden ist. Jedoch gibt es in diesem Bericht kaum etwas Negatives zu berichten. Schon jetzt freue ich mich darauf den nächsten Bericht zu schreiben und zu erkennen, wie toll die Zeit ist, die ich gerade habe. Vielleicht bleibt mein Leben hier aber auch so perfekt oder wird sogar noch besser, auch wenn ich mir das kaum vorstellen kann…wir werden sehen. Mit diesem Statement beende ich nun meinen kleinen Zwischenbericht, auch wenn es eigentlich noch über mein Wochenende im Strandhaus, meinen ersten Flug im Sportflugzeug oder meine Zahlreichen Abenteuer mit Luke und meinen Freunden zu berichten gibt.

Till Sandkühler, 31.12.2017, 2. Quartalsbericht

Schreibe einen Kommentar