Mexiko – 3. Bericht von Fanny

Was soll ich sagen?? Die Zeit verfliegt schneller als im Flug. Heute habe ich mit einer Freundin erschreckend festgestellt, dass mir nur noch weniger als 80 Tage hier bleiben. Das versuche ich so gut wie möglich zu verdrängen. So vieles möchte ich noch erleben, am liebsten würde ich einfach noch ein weiteres viertel Jahr hier bleiben!

Nachdem es in meinem ersten halben Jahr einige Tiefpunkte gab (was fast ausschließlich auf meine Gastfamilie zurückzuführen war) erlebe ich gerade eine hervorragende Zeit. So viel habe ich in letzter Zeit erlebt. So habe ich einige Ausflüge mit meiner Familie unternommen, bin mit Freunden für einige Tage nach Juárez gefahren und habe von dort sogar einen kleinen Abstecher in die USA unternommen. Außerdem haben wir mit Rotary eine Reise zu vielen Wasserfällen und Seen unternommen.

Ich habe mich komplett eingelebt und kann mittlerweile auch alles verstehen und mich auch gut unterhalten. Natürlich weißt mein Spanisch nach wie vor einen unüberhörbaren Akzent auf und ich glaube das wird sich auch nicht ändern.

In den letzten Monaten habe ich unzählige tolle und prägende Leute getroffen und natürlich auch viele neue Freundschaften geschlossen. Bei einigen Leuten kann ich nicht glauben, dass ich sie erst seit maximal 7 Monaten kennen. Es kommt mir eher so vor als wären wir schon unser ganzes Leben lang befreundet.

Mit meiner neuen Gastfamilie komme ich eigentlich super zurecht. Natürlich gibt es auch mal kleine Schwierigkeiten und Missverständnisse (was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass sie fast immer zu faul sind, mich irgendwo abzuholen). Aber das ist ja normal. Meine Gastfamilie ist wahrscheinlich eine der mexikanischsten Familie, die es überhaupt gibt. Sie sind Charros (die mexikanischen Cowboys). Deshalb tragen mein Gastbruder und -vater auch stets Sombrero und Stiefel. Auch faszinieren sie sich absolut für Stierkampf. Mein Familienleben dreht sich vor allem um unsere Ranch – und weil es auf dieser einen Golfplatz gibt, auch um Golf.

Aber in seinem Austausch hat man nicht nur eine Familie. Meine Übergangsfamilie empfängt mich immer mit offenen Armen und auch zur Familie bei der ich in Juárez gelebt habe, könnte ich jeder Zeit wieder zurückkehren. Auch die Familien deiner Freunde werden mit der Zeit zu deiner Familie. Und das ist unglaublich toll! Manchmal laden sie dich einfach auf Ausflüge oder in ihr Wochenendhaus mit ein. Bei der Geburt des Cousins meiner besten mexikanischen Freundin war ich sogar mit im Krankenhaus.

(Nur zu meiner ersten Gastfamilie habe ich überhaupt keinen Kontakt mehr. Und nachdem auch die neuen Austauschschüler es nach nur einem Monat nicht mehr mehr ausgehalten haben, wurde die Familie komplett vom Rotaryprogramm ausgeschlossen).

Aber was mache ich hier so den lieben langen Tag? Natürlich gehe ich auch mal zur Schule, auch wenn ich mich im Unterricht immer unglaublich langweile, da der Unterricht hier super unproduktiv ist. Aber ehrlich gesagt unterhält man sich sowieso die Hälfte der Zeit nur mit Freunden. In meiner Freizeit treffe ich mich mit Freunden, gehe sicher zweimal pro Woche auf meiner Ranch reiten oder ins Kino. Nachdem ich jetzt keine größeren Probleme mehr mit Spanisch habe, dachte ich mir, dass ich jetzt andere neue Sachen ausprobieren kann. Deshalb gehe ich jetzt wöchentlich zum Zumba, Yoga und Schwimmen. Außerdem nehme ich Gesangsunterricht und habe auch Golfunterricht. Man kann also sagen, dass immer etwas los ist! J

etzt kann ich nur noch Danke sagen. Tausend Dank Rotary, dass ihr mir all dies ermöglicht. Ihr habt mein ganzes Leben nochmal gründlich, auf eine wundervolle Weise, auf den Kopf gestellt. Ich meine, dass ich in den letzten Monaten noch mal ein ganzes Stück über mich herausgewachsen bin. Und durch das Leben am anderen Ende der Welt wird einem auch erst mal richtig bewusst, was für ein tolles und chancenreiches Land Deutschland eigentlich ist und was für einen hohen Lebensstandard wir haben. Man fängt an, nochmal auf einem ganz anderen Niveau über unsere Welt nachzudenken und auch über die eigenen Werte. Ich kann sagen, dass ich mich gerade nicht nur in Mexiko zu hundert Prozent angekommen fühle, sondern auch in der Welt.

An das Ende meines Austausches möchte ich gar nicht denken. Ich weiß aber, dass ich jede einzelne Minute die mir noch verbleibt mit voller Kraft ausnutzen will und noch viele unvergessliche Erlebnissen sammeln werde.

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